Buchinfo
"Besonderes Kennzeichen: unauffällig", hätte für alle Zeiten im Steckbrief dieser Leute stehen können, wenn nicht aus heiterem Himmel Unvorhergesehenes geschehen wäre. Der geheimnisvolle Nachbar bringt Mamas Regime ins Wanken, der renommierte Professor riskiert den Aufstand, und die unbescholtene Hausfrau erwacht eines Morgens als Dichterin. Die gewohnte Ordnung ist aus den Fugen geraten, und hinter den Rissen offenbaren sich plötzlich die Lebenslügen. Wie dieser und jener in solchen heiklen Momenten seine Haut und seinen Seelenfrieden rettet, erzählt Helga Königsdorf in ihren grotesken und absurden Parabeln auf den menschlichen Hang zum Selbstbetrug. "Wer Ähnlichkeiten findet, muß Gründe haben", heißt die Warnung der Autorin.
Buchbeginn
Ehrenwort - ich will nie wieder dichten
Hiermit gebe ich allen Anfragern, gleich welche Motive, Vorstellungen oder Gerüchte sie bewegen, zur Kenntnis: Noch geht es mir gut. Allerdings bitte ich, den folgenden Bericht, in dem ich ehrlich und selbstkritisch darlegen werde, wie es zu jenen peinlichen Entgleisungen kam, vertraulich zu behandeln.
Zitate
Die Wahrheit, vor allem die eigene innere, ist ein kompliziertes Ding. Wir tragen sie wie Sedimentgestein in uns. Hinter jede Schicht kommt eine neue, und ganz unten wird sie stets ein bißchen unangenehm. Deshalb ist es vielleicht gar nicht zweckmäßig, über sich selbst Auskunft zu geben. Auch sollten wir der Nachwelt eine Chance lassen, ihre Probleme in uns hineinzuinterpretieren.
Die Dichter vergangener Epochen sind fast immer Männer gewesen. Ihre Frauen durften sich als Musen betätigen oder hatten ihnen den trivialen Alltag vom Leib zu halten. Lösten sie diese Aufgabe gut, fiel ein schwacher Abglanz des Ruhmes auf sie. Aber uns fehlt jede historische Einstellung zum Ehemann einer Dichterin, und ich litt sehr darunter, daß ich Robert diese Schmach nicht ersparen konnte.