Samstag, 22. August 2026

André Heller: Uhren gibt es nicht mehr. Gespräche mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr

Buchinfo
Worauf kommt es an im Leben? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller, und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André in den vergangenen Monaten geführt hat, geht es ans Verabschieden. „Innerlich sieht man sich noch jung und freut sich auf den nächsten Tag“, sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach, und die mit gerade 19 den Süßwarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, „dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll“ und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe und über Lehár am Klavier in Bad Ischl. Ein kleines Buch von großer Weisheit, würdevoll, poetisch, komisch. Und das Dokument einer späten Liebe und großen Offenheit zwischen Mutter und Sohn.

 

"Ein Buch voller Liebe, Wärme und Erinnerungen. Zum Weinen schön."
Elke Heidenreich

Buchbeginn
"Da kommt noch etwas Wichtiges"

Meine Mutter ist die tapferste Person, die ich jemals so genau kennenlernen durfte. Noch vor zwei Jahrzehnten hätte ich eine solche Behauptung nicht niedergeschrieben. Mindestens fünfzig Jahre erlebte ich sie, neben sehr viel Qualitätsvollem und Schönheitsgeladenem, das sie für mich bedeutet hat, als erstaunlich opportunistisch, stets bereit, dem jeweils Mächtigsten oder Auftrumpfendsten in einer Gesprächsrunde recht zu geben und Konflikten, wenn irgend möglich, aus dem Weg zu gehen.

Zitat
So viel Schaden kommt von den Menschen. Sie trampeln über alles drüber, auch über sich selbst.

Elisabeth Heller


btb Verlag, 2018
112 Seiten
ISBN-10: ‎3442716985
ISBN-13: ‎978-3442716982 

Freitag, 21. August 2026

Irene Solà: Singe ich, tanzen die Berge

Buchinfo
Gewitterwolken schürfen über den Rücken der Pyrenäen und ein Blitz erschlägt den dichtenden Bauern Domènec, dessen junge Frau Sió mit ihrem Schwiegervater und ihren Kindern allein zurückbleibt. Doch das Leben geht weiter. Teilnahmslos beobachten die Berge das Werden und Vergehen derer, die dort leben. Die junge katalanische Schriftstellerin Irene Solà, die für diesen Roman 2020 mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, erschafft und belebt eine vielstimmige und poetische Welt, erzählt durch starke Frauen und mystische Stimmen von Großeltern, Eltern, Kindern, Tieren, Geistern, dem Wald und den Wolken. Sie alle bilden diese Geschichten, die auf eine schöne und magische, aber auch tragische Art und Weise miteinander verbunden sind. Alle vereint im Kreislauf von Geburt, Leben und Tod. Solà erzählt die Geschichte der Berge, die die Erinnerung an Jahrhunderte, an geologische Epochen, politische Konflikte und die Verbindung mit der Natur umfasst.

Mit über 46.000 verkauften Exemplaren wurde das Buch in Spanien zum Bestseller. Es wurde in zwanzig Sprachen übersetzt.

Buchbeginn
Wir kamen mit vollen Bäuchen. Prallvoll. Schwarze Leiber, schwer von dunklem, kaltem Wasser und Blitz und Donner. Wir kamen vom Meer und von anderen Bergen und wer weiß woher noch und hatten wer weiß was gesehen. Wir schrammten den Fels auf dem Gipfel, wie Salz, damit nicht einmal mehr Unkraut dort gedieh. Wir gaben den Gebirgskämmen und Äckern, dem Glanz der Flüsse und den himmelwärts gerichteten Augen ihre Farbe. Als die Tiere uns kommen sahen, verkrochen sie sich in ihre Höhlen und zogen die Köpfe ein oder reckten die Schnauzen und witterten den nahenden Geruch von feuchter Erde.

Trabanten Verlag Berlin, 2022
Aus dem Katalanischen von Petra Zickmann
208 Seiten
ISBN-10: ‎3986970002
ISBN-13: ‎978-3986970000
Originaltitel: ‎Canto jo i la muntanya balla 
 

Donnerstag, 20. August 2026

Agatha Christie: Das Geheimnis der Goldmine

Klappentext
Ein Miss-Marple-Krimi
Es ist nicht alles Gold
Die Teestunde ist Mr. Rex Fortescue heilig. Wie jeden Morgen trägt seine Privatsekretärin das Tablett ins Allerheiligste, als brächte sie ein Opfer dar. Nach wenigen Schlucken windet sich der Goldminenbesitzer in heftigen Krämpfen und stirbt. In seinen Jackentaschen findet die Polizei - Getreidekörner. Nur Miss Marple kann sich auf diese Seltsamkeit einen Reim machen...

Buchbeginn
Miss Somers war an der Reihe, den Tee zu kochen. Miss Somers war die zuletzt eingetretene und mit Abstand am wenigsten brauchbare Schreibkraft im Büro. Sie war nicht mehr ganz jung, und ihr Gesicht hatte den sanftbesorgten Ausdruck eines Schafes. Das Wasser hatte noch nicht ganz gekocht, als Miss Somers den Tee aufgoss - die arme Miss Somers war sich nie ganz sicher, wann das Wasser kochte. Das war nur eine der vielen Sorgen, die ihr das Leben schwer machten.

Fischer Taschenbuch, 2013
Aus dem Englischen von Milena Moser
320 Seiten
ISBN-10: ‎3596511720
ISBN-13: ‎978-3596511723
Originaltitel: ‎A Pocket full of Rye 

 

Mittwoch, 19. August 2026

Felicitas von Reznicek: Shiva und die Nacht der 12

Buchbeginn
Einsam liegt der Gang im ersten Stock jenes Gebäudes, das in kurzer Zeit zur größten Zentrale kriminalpolizeilicher Ermittlungen Europas geworden ist. Wer daran vorübergeht, der sieht mit halb neugierigen, halb erschreckten Blicken auf den gewaltigen Häuserkomplex, in dessen Zimmern viele Männer und Frauen arbeiten, um verübte Verbrechen aufzuklären und vor allen Dingen wenn irgend möglich, neue zu verhüten. Das Volk hat schon begonnen, den riesigen Gebäudekomplex mit Namen zu belegen. Die einen sagen nach althergebrachter Sitte: ,Der Kriminal', die Verbrecher nennen es, mit besonderer Bezugnahme auf die chemischen Laboratorien, ,Ganovenküche'.

Hermann Hilliger Verlag Berlin-Grunewald und Leipzig, 1943
222 Seiten

Die deutsch-britische Schriftstellerin und Alpinistin Felicitas von Reznicek (18. Januar 1904 - 27. Februar 1997) trug den Titel Baronin und schrieb auch unter dem Pseudonym Paula Felix. Beim Ullstein-Verlag lernte sie ihr Handwerk als Journalistin, war auch bei verschiedenen Berliner Zeitungen tätig und schrieb bald Sachbücher und Belletristik.

Montag, 17. August 2026

Agatha Christie: Meine gute alte Zeit

 Buchinfo
Agatha Mary Clarissa Miller, geschiedene Christie, lebte ein ungemein interessantes, abwechslungsreiches Leben - reich genug an Situationen und Ereignissen, dass sie beschloss, es bis in die faszinierenden Verästelungen ihrer Person und Zeit hinein aufzuzeichnen. Ohne Poirot oder Miss Marple zu vernachlässigen, schrieb sie nahezu zwanzig Jahre daran.
Und so haben ihre Memoiren das, was echte Größe ausmacht: Lebendigkeit, farbige Dichte, Distanz, Beobachtungslust, Humor, den Blick für das wesentliche einer Zeit und ihrer Menschen, Toleranz und unglaublich viel Charme.

Buchbeginn
Eine glückliche Kindheit
Eine glückliche Kindheit zu haben, ist eines der wertvollsten Dinge, die einem im Leben passieren können. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit. Ich hatte ein schönes Zuhause und einen Garten, den ich liebte; eine weise und geduldige Kinderfrau; einen Vater und eine Mutter, die einander vergötterten, eine ausgezeichnete Ehe führten und wunderbare Eltern waren.

Zitate

Wenn man den Blick zurückwendet auf die lange Reise, die unser Leben ist, hat man das Recht, die Erinnerungen, die einem zuwider sind, zu ignorieren? Oder ist das feige?
Man sollte vielleicht, denke ich, einen kurzen Blick zurückwerfen und dann sagen: "Ja, das ist ein Teil meines Lebens, aber ich bin damit fertig. Es ist ein Faden in der Tapisserie meines Daseins. Ich muss mich dazu bekennen, weil es ein Teil meiner selbst ist. Aber es besteht keine Notwendigkeit, länger dabei zu verweilen."

Seltsam verschwommen ist die Erinnerung an meine schriftstellerische Tätigkeit während jener Zeit in meinem Gedächtnis haften geblieben. Soviel ich weiß, betrachtete ich mich auch damals noch nicht als echte Schriftstellerin. Gewiß, ich schrieb - Bücher und Geschichten. Sie wurden veröffentlicht, und ich begann mich an die Tatsache zu gewöhnen, daß ich mit einem ständigen Einkommen rechnen konnte. Nie und nimmer aber wäre es mir in den Sinn gekommen, beim Ausfüllen eines Formulars bei der Sparte "Beruf" etwas anderes hinzuschreiben als das altehrwürdige Wort Hausfrau. Ich war eine verheiratete Frau, das war mein Status, und das war mein Beruf. Nebenbei schrieb ich auch noch Bücher. Meine schriftstellerische Tätigkeit als Beruf aufzufassen, wäre mir lächerlich erschienen.


Scherz, 2. Auflage der Sonderausgabe 1990 zu Agatha Christies 100. Geburtstag
Aus dem Englischen von Hans Erik Hausner
538 Seiten
ISBN-10: ‎3502181209
ISBN-13: ‎978-3502181200 

Buchinfo
Es ist der Sommer des Jahres 1925. Die Schriftstellerin Charlotte Overbeck und ihre Freundin Ellen reisen nach Rockcliff Isle, eine malerische Insel vor der kanadischen Atlantikküste. Charlotte will an ihrem neuen Roman arbeiten, Ellen ihr gemeinsames Sommerhaus einrichten. Bei der Ankunft mit dem Postschiff treffen sie im Hafen auf Crawford Maker, einen Einheimischen in Fischerkleidung, der einen toten Vogel mit mächtigen Schwingen unter dem Arm trägt. Ellen besucht ihn in seiner Werkstatt, wo er den Vogel präpariert. Sie fühlt sich erinnert an ihre kurze Karriere als Künstlerin, die sie für Charlotte aufgegeben hat, um ihre Begleiterin zu werden. Crawford erkennt ihr Talent und lädt sie ein, mit ihm auf eine Expedition in den Kongo zu gehen…

Agnes Krup erzählt die ebenso mitreißende wie zeitlose Geschichte dreier Liebender, die ein Leben gegen jede Konvention führen. Der bewegende Roman ist angelehnt an die Biografien der Schriftstellerin Willa Cather und des Ornithologen Allan Moses.

Buchbeginn
Es war schon acht Uhr, als Crawford Maker den Hafen erreichte. Der Nebel war an diesem Morgen so dicht, dass es keinen Zweck gehabt hätte, früher aufs Wasser zu gehen, und auch jetzt war die Pier fast menschenleer. Die meisten Fischer hatten das Wetter ebenso im Blut wie Crawford, und alle ahnten, dass die Sicht heute kaum mehr besser werden würde. 

Zitat
Charlotte hatte dort gelesen; sie war jeden Tag gründlich die Zeitung durchgegangen, als dürfe sie nicht ein einziges Detail des furchtbaren Krieges verpassen. Ansonsten war sie zu ihren alten Favoriten zurückgekehrt, zu Dickens und Walter Scott und den Franzosen, Maupassant, Hugo, vor allem Flaubert. Die Literatur der Gegenwart interessierte sie weniger denn je; für Joyce oder Hemingway, Woolf oder Nabokov hatte sie kaum ein Achselzucken übrig.


Piper, 2020
368 Seiten
ISBN-10: ‎3492059147
ISBN-13: ‎978-3492059145
 

Sonntag, 16. August 2026

Edith Wharton: Der Prüfstein

Buchinfo
Als er zufällig eine Anzeige im Spectator liest, erkennt Stephen Glennard darin den Weg, ein neues Leben zu beginnen und die Hand der schönen Alexa Trent zu gewinnen. In seinem Besitz befindet sich etwas von höchstem Wert: Briefe, die ihm die große verstorbene Autorin Margaret Aubyn vor Jahren geschrieben hat. Alles, was er tun muß, ist sein schlechtes Gewissen beruhigen und ihre Briefe gegen einen hohen Vorschuß einem Verlag anbieten. Die Publikation von Mrs Aubyns Briefen wird ein großer Erfolg, das Buch ein Bestseller und der Gesprächsstoff der gehobenen New Yorker Gesellschaft, zu der Glennards neu erworbener Reichtum ihm nun Zutritt verschafft. Die Faszination der Leser liegt in der Anonymität des Mannes, den Aubyn so geliebt hat.

Buchbeginn
Im Namen von Professor Joslin, der, wie unsere geneigte Leserschaft wissen wird, mit der Abfassung von Mrs. Aubyns Biographie betraut ist, bitten wir alle Freunde der großen Schriftstellerin, die noch Informationen zu ihrem Leben vor der Zeit in England beisteuern können, um Mithilfe. Mrs. Aubyn hatte so wenige enge Freunde und folglich ist die Korrespondenz so schmal, daß jeder Brief von größtem Interesse wäre. Professor Joslins Adresse lautet Augusta Gardens 10, Kensington, und er bittet uns zu versichern, daß er alle ihm anvertrauten Dokumente umgehend zurückerstatten wird.

Dörlemann, 2004
200 Seiten
ISBN-10: ‎3908777119
ISBN-13: 978-3908777113
Originaltitel: ‎The Touchstone, 1900
 

Samstag, 15. August 2026

Dorothy B. Hughes: Ein einsamer Ort

Buchinfo
Die Wiederentdeckung im Spannungsgenre: Ein Meilenstein in der Geschichte der Kriminalliteratur.

Los Angeles in den späten 1940ern: Der ehemalige Jagdflieger Dix Steele streift durch die Stadt, vorzugsweise nachts. Seit seiner Rückkehr nach L. A. sucht er nach dem Rausch des Fliegens, doch kaum etwas scheint dem nahe zu kommen. Stattdessen stellt er nun Frauen nach, denen er auf seinen Streifzügen begegnet. Als er einen alten Freund wiedertrifft, ist er fasziniert von Brubs schöner, sanfter Ehefrau, die ihn zugleich verunsichert und beflügelt, und von dessen Arbeit als Detective. Unmittelbar kann Dix mitverfolgen, wie Brub die Morde an einer Reihe junger Frauen untersucht. Und es beginnt ein Spiel, bei dem immer unklarer wird, wer eigentlich auf der Jagd nach wem ist.

Buchbeginn
Er genoss es, auf der Klippe zu stehen und hinauszusehen auf den abendlichen Ozean, während Nebelschwaden aufzogen, um wie Schleier aus Gaze sein Gesicht zu berühren. Dieses Gefühl, dem irdischen Getümmel enthoben und ein Teil der entfesselten Elemente zu sein, war dem Fliegen nicht unähnlich. Dieses Gefühl, zugleich eingeschlossen zu sein in diesen unvertrauten, sonderbaren Weltenraum aus Nebel und Wolken und Wind. Nachts war er immer gern geflogen; die Nachtflüge fehlten ihm, seit der Krieg vorbei war. Eine klapprige Privatmaschine zu fliegen war nicht dasselbe. Er hatte es versucht. Als müsste man sein Präzisionswerkzeug wieder gegen ein prähistorisches Steinbeil eintauschen, so hatte es sich angefühlt. Nichts konnte den entfesselten Flug in einem Jagdbomber ersetzen.

Atrium Verlag AG, 2022
Aus dem Englischen von Gregor Runge
Mit einem Nachwort von Megan Abbott
272 Seiten
ISBN-10: ‎3855351260
ISBN-13: ‎978-3855351268 
Originaltitel: In a lonely place, 1947
 

Dorothy B. Hughes 

Donnerstag, 13. August 2026

Anna Elisabet Weirauch: Der Skorpion

Buchinfo
Ein Klassiker der LGBTQ+-Literatur — Jetzt in einer neuen, ungekürzten englischen Übersetzung

Als Anna Elisabet Weirauch 1919 in Berlin den ersten Band von "Der Skorpion" veröffentlichte — neun Jahre vor Radclyffe Halls "The Well of Loneliness" — fand er sofort eine begeisterte Leserschaft. 1926 zensiert, weil man befürchtete, er könnte die Jugend verderben, und auf den nationalsozialistischen Index der gefährlichen Literatur gesetzt, überlebte er dennoch: von Hand zu Hand weitergegeben, übersetzt, neu aufgelegt, gekürzt und von Groschenheft-Verlagen verstümmelt.

Diese Ausgabe enthält:

Eine neue, ungekürzte englische Übersetzung aus dem deutschen Original
Sowohl Buch Eins (1919) als auch Buch Zwei (1921) — den vollständigen Bogen, den Weirauch als eine einzige Geschichte konzipiert hatte
Eine umfassende Einleitung der Herausgeberin
Wissenschaftliche Analysen beider Bände
Historische Anmerkungen zu jedem Kapitel
Eine umfassende Bibliographie zu Anna Elisabet Weirauch

Buchinfo

Mette Rudloff wächst mutterlos in Berlin auf, erzogen von einem wohlmeinenden, aber distanzierten Vater und einer herrschsüchtigen Tante. Als junge Frau treibt sie durch eine beengende gesellschaftliche Welt aus Handarbeitskreisen und langweiligen französischen Lesekreisen, bis eines Tages eine Tür aufgeht und Olga Radó in ihr Leben tritt.

Was folgt, ist eine der großen Liebesgeschichten der Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Olga ist brillant, kultiviert, bestimmend, schwer zu fassen — eine Frau, die ein goldenes Zigarettenetui trägt, in das ein Skorpion eingraviert ist.

Sie wird Mettes Lehrerin, ihr geistiges Erwachen und schließlich ihre große Liebe. Doch ihre Beziehung existiert in einer Gesellschaft, die keinerlei Toleranz dafür aufbringt, und Mettes Familie — angeführt von der unerbittlichen Tante Emilie — mobilisiert jede Waffe, die ihr zur Verfügung steht: Privatdetektive, Psychiater, erzwungene Trennung und den unablässigen Druck der Wohlanständigkeit.

Der Skorpion ist keine Tragödie, und es ist auch keine Geschichte triumphaler Befreiung. Es ist etwas Selteneres und Ehrlicheres: die Geschichte einer Frau, die lernt, mit dem vollen Gewicht dessen zu leben, wer sie ist.

Die LGBTQ+-Bibliothek der Ovid Publishing Group bringt vergessene und übersehene Werke der queeren Literatur durch neue englische Übersetzungen und sorgfältig kommentierte Ausgaben wieder in den Druck. Die Reihe ist auf gemeinfreie Werke vom achtzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert spezialisiert und rettet Stimmen, die zensiert, strafrechtlich verfolgt, anonym veröffentlicht oder schlicht dem Vergessen anheimgefallen waren. 


Ovid Publishing Group, 2026
421 Seiten
ISBN-10: ‎1972807102
ISBN-13: ‎978-1972807101

Mittwoch, 12. August 2026

Georg Hamann: Bertha von Suttner auf Reisen: Postkarten an Haushälterin und Hund

Buchinfo
Unterwegs für den Frieden 

Der Welterfolg ihres Antikriegsromans "Die Waffen nieder!" machte Bertha von Suttner 1889 schlagartig berühmt. Als Galionsfigur der internationalen Friedensbewegung reiste sie von nun an unermüdlich durch Europa und die USA, nahm an pazifistischen Kongressen teil und hielt mitreißende Vorträge, die Tausende Menschen begeisterten. Wo immer sie war, sandte sie Postkarten an ihre treue Haushälterin Kathi Buchinger nach Wien. Diese kurzen, bislang unveröffentlichten Schreiben ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Leben der gefeierten Schriftstellerin auf Reisen. Zusammen mit den Einordnungen des Historikers Georg Hamann ergibt sich anlässlich des 120. Jubiläums der Nobelpreisverleihung ein überraschend neues Bild von Bertha von Suttner, deren Friedensbotschaft wieder besonders aktuell ist.


Leseprobe
Arthurs Gesundheit verschlechterte sich derweil immer weiter. Er klagte über Schmerzen, und die gemeinsamen Freunde erschraken über sein elendes Aussehen. Seine Frau durchlebte nun "alle Phasen des Bangens und Hoffens, des Verzagens und Verzweifelns". Konnte ein weiterer Kuraufenthalt Linderung bringen?

Amalthea Signum
1. Auflage 2025
224 Seiten
ISBN-10: ‎3990502905
ISBN-13: ‎978-3990502907 
 

Dienstag, 11. August 2026

Ruth Jordan: George Sand. Die große Liebende

Buchinfo
George Sand (1804-1876) war eine der schillerndsten Gestalten im Frankreich des 19. Jahrhunderts, berühmt geworden durch ihre zahllosen Liebesaffären, vor allem mit Alfred de Musset und Frédéric Chopin. Und doch tut man ihr unrecht, sie nur als große Liebhaberin zu sehen, denn sie war eine ungewöhnlich geistreiche Frau, deren Interesse an Politik enorm war, und die sich - ungewöhnlich für das Jahrhundert, in dem sie lebte - mit unzähligen Fragen sozialer Natur beschäftigte. George Sand war schon nach ihrer Herkunft eine außergewöhnliche Frau: Väterlicherseits stammte sie von polnischen Aristokraten, mütterlicherseits von einer Putzmacherin ab, und ihr Pseudonym nahm sie von ihrem ersten Liebhaber, Jules Sandeau, an. Die Verfasserin dieser Biographie zeigt in einer brillanten Darstellung nicht nur den ganzen Bogen dieses teilweise skandalösen Lebens, sondern wird auch der hochbegabten Schriftstellerin gerecht, die ein bedeutendes literarisches Werk hinterlassen hat.


Heyne, 1978
Übersetzt von Otto von Czernicki
Reihe: Heyne Biographien
ISBN-10: ‎3453550471
ISBN-13: ‎978-3453550476 

 

Montag, 10. August 2026

Mary Shelley: Verwandlung/Der falsche Vers/Die Trauernde

 Buchinfo
Als Schöpferin des "Frankenstein" erlangte Mary Shelley (1797-1851) Weltruhm. Dieser Band versammelt drei ihrer schönsten Erzählungen, von denen zwei erstmals auf deutsch erscheinen. "Verwandlung" und "Der falsche Vers" entführen den Leser in die Zeit der Renaissance. "Die Trauernde", in der ein Knabe das Schicksal einer geheimnisvollen Einsiedlerin enthüllt, zeugt eindringlich von Melancholie und Todessehnsucht der englischen Romantik.

Buchbeginn
Verwandlung
Man erzählt sich, daß, wenn jemandem ein seltsames, übernatürliches und gespenstisches Abenteuer widerfahren ist, diese Person sich manchmal fühlt, als hätte ein seelisches Erdbeben ihren Geist erschüttert, und sie den Zwang spürt, ihr tiefstes Inneres einem Menschen offenzulegen, wie sehr sie auch den Wunsch hegen mag, alles zu verbergen. Ich kann bezeugen, daß dies der Wahrheit entspricht. Ich habe mir innig geschworen, niemals menschlichen Ohren das Grauen zu offenbaren, dem ich mich einst, in einem Überschwang bösen Stolzes, hingegeben habe. Der heilige Mann, der meine Beichte hörte und mich mit der Kirche versöhnte, ist tot. Niemand weiß, daß einst...


Manesse, 2003
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort von Alexander Pechmann
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Februar 2003
96 Seiten
ISBN-10: ‎3717540351
ISBN-13: ‎978-3717540359 

Sonntag, 9. August 2026

Sofie Frank

 Das "Nürnberger Künstlerlexikon: Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte" ´, herausgegeben von Manfred H. Grieb, enthält über Sofie Frank nur diesen Eintrag:

"Frank, Sofie geb. Tuchmann, Mundartdichterin, * 5. 2. 1854 Uehlfeld b. Neustadt/Aisch - † 16. 8. 1930 Nürnberg. MuS: NÜRNBERG,StadtB. Ausst.: 1966/5."

Da bietet uns Sophie Patacky in ihrem Lexikon deutscher Frauen der Feder schon ein paar mehr Informationen über die Dichterin.

Sofie Frank wurde am 5. Februar 1854 in Nürnberg, Neudörferstrasse 15, zu Fürth in Bayern geboren, wo ihr Vater Kaufmann war. Mit sechs und sieben Jahren besuchte sie die Töchterinstitute der Stadt. Sie war anders als die anderen Mädchen: ihr Sinn war ernst, laute Spiele und Lustigkeiten waren ihr fremd. Sie las und lernte gerne. Die Neigung zur Poesie hatte sie wohl vom Varer. Die Mutter bestärkte sie darin und so schuf sie viele Gelegenheitsdichtungen.

Mit 21 Jahren heiratete sie den Kaufmann Frank. Als Hausfrau und Mutter widmete sie sich mit regem Eifer dichterischer und schriftstellerischer Tätigkeit - ging mit diesen Versuchen auch an die Öffentlichkeit. Aufführungen, Chorlieder und Ähnliches schrieb sie für Vereine und Privatkreise. Sie verfasste auch Rätselaufgaben. Gut 300 Rätsel von ihr sind in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt worden. Vornehmlich in Nürnberg wurden auch Feuilletons, Humoresken, Erzählungen, Berichte, Gedichte, hochdeutsch und in allen Dialekten, veröffentlicht.

Sie war Mitglied der angesehensten litterarischen Vereinigungen und bekleidete beim dortigen Journalisten- und Schriftstellerverein das Ehrenamt der 1. Schriftführerin. Belohnt wurde sie mit Preisen und Auszeichnungen. Zur nationalen Ausstellung in Nürnberg im Jahre 1896 erschien ein "Bayerisches Dichteralbum", in dem von ihr ein größeres humoristisches Gedicht veröffentlicht wurde, das den Wettstreit der beiden Städte München und Nürnberg behandelte.


Samstag, 8. August 2026

Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Buchinfo
Mit unbedingter Aufrichtigkeit erzählt hier eine der klügsten Frauen des Jahrhunderts die Geschichte ihrer Jugend bis zur Begegnung mit Jean-Paul Sartre. Dies ist zugleich die Geschichte aus dem Bann der konventionellen Denk- und Lebensformen des Elternhauses und damit ihrer Befreiung zu sich selbst.

Buchbeginn
Ich bin am 9. Januar 1908 um vier Uhr morgens geboren, und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspail zu lag. Auf Familienfotografien, die aus dem folgenden Sommer stammen, sieht man junge Damen in langen Kleidern und straußfedergeschmückten Hüten sowie Herren mit ,Kreissägen' und Panamas auf dem Kopf, die einem Baby zulächeln; das sind meine Eltern, mein Großvater, meine Onkel und Tanten - und ich.


Rowohlt Taschenbuch, 1975
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens
496 Seiten
ISBN-10: ‎3499110660
ISBN-13: ‎978-3499110665
Originaltitel: ‎Mémoires d'une jeune fille rangée, 1958

Donnerstag, 6. August 2026

Christina Ama Ata Aidoo

 Die ghanaische Schriftstellerin und Politikerin Christina Ama Ata Aidoo wurde am 23. März 1942 in Saltpond geboren. Ihr Vater war der Häuptling der Fante aus Abeadzi Kyiakor in der Central Region Ghanas. Zu dieser Zeit war die Region noch englische Kolonie und trug den Namen Goldküste.

Ihr Großvater wurde von Neokolonialisten ermordet, was für den Vater der Grund war, eine Dorfschule zu errichten, damit die Kinder und Familien des Dorfes über die Geschichte und die Ereignisse der Zeit unterrichtet werden.

Sie besuchte die High-School und studierte von 1961 bis 1964 Anglistik. An der Uni spielte sie in einer Theatergruppe und nahm an einem Workshop für Schriftsteller teil. Hier entstand 1964 ihr erstes Stück „The Dilemma of a Ghost“. Bis 1967 lehrte sie selbst an dieser Uni.

Zu Beginn der 1980er Jahre war Aidoo Erziehungsministerin im Kabinett Ghanas unter Präsident Jerry Rawlings. Ihr Ziel war freie Bildung für alle, doch nach 18 Monaten legte sie ihr Amt nieder, da sich ihre Vorstellungen nicht verwirklichen ließen. Sie kritisierte jene gebildeten Afrikaner, die angeben, ihr Land zu lieben, sich aber von den Vorteilen der Industrieländer verführen lassen. Sie persönlich glaubt an eine ausgeprägte afrikanische Identität, die sie aus weiblicher Perspektive betrachtet.

Aidoo unterrichtete auch viel im Ausland: In Großbritannien, Deutschland, Simbabwe und den USA (hier erhielt sie ein Stipendium für kreatives Schreiben an der Stanford University in Kalifornien).

In ihren Werken findet sich die ereignisreiche Geschichte ihres Landes wieder, auch mit Blick auf Politik und Religion. 

Für ihren Roman Die Zweitfrau/Changes erhielt sie neben vielen anderen Preisen den Commonwealth Writers Prize für das beste Buch (Afrika). Leider ist dieses Buch auch das einzige, das es ins Deutsche geschafft hat.

Im Jahr 2000 gründete Aidoo die Mbaasem Foundation, um die Arbeit afrikanischer Schriftstellerinnen zu fördern und zu unterstützen.

Mittwoch, 5. August 2026

Kerstin Ehmer: Heldinnen der Meere. Sechzehn Frauen und ihr Leben für die Ozeane

Ich lernte in diesem Buch durchweg interessante und mutige Frauen kennen. 
Wahnsinnig spannend die Geschichte von Isabelle Autissier. Vielleicht erinnert sich jemand an ihr Buch "Herz auf Eis"? In der Geschichte konnte sie aus dem Vollen aus ihrem Leben schöpfen.

Buchinfo
Eine Umweltaktivistin, die allein auf einer abgelegenen Insel lebt. Eine Schwimmerin, die als erste Frau den Ärmelkanal durchquert. Eine Freibeuterin, die sich am König rächt. Auch wenn Epochen und Kontinente zwischen Zoe Lucas, Trude Ederle und Jeanne de Clisson liegen, verbindet sie doch eines: das Meer.

Kerstin Ehmer erzählt von klugen und unerschrockenen Frauen der Ozeane aus Wissenschaft, Kunst, Sport, Kultur und Mythologie.
Biografien wie die von Virginia Woolf, Isabelle Autissier Elisabeth Mann Borgese zeigen eindrücklich, dass das Meer schon immer auch Schauplatz weiblicher Heldengeschichten war.

Buchbeginn
Vorwort
Die Frauen der Meere

Wir haben das Meer ins Herz geschlossen. In seinen von großen Himmeln überspannten Weiten, in der Ferne seiner Horizonte suchen und finden wir Entspannung oder Inspiration, Raum für neues Denken. Glücklich verlieren wir uns im Anblick des Meeres, berauschte Protagonistinnen und Protagonisten einer seltsam unbestimmten Offenbarung. Das Meer ist für uns ein Geschenk, sein Wasser wirkmächtig, sein salziger Atem Medizin

Zitat
Im Kapitel über Isabelle Autissier:
Es war also nicht die Gefahr, die sie immer wieder aufs Meer lockte, nicht der Nervenkitzel oder der Ehrgeiz. Auf die oft gestellte Frage, warum sie sich das alles antat, fand sie eine einigermaßen überraschende Antwort. Es sei das Erleben der ungeheuren, grenzenlosen Macht des Meeres gewesen, das sie reizte, und dieser Macht begegnete sie als Seglerin am liebsten allein. An Land könne der Mensch Häuser und Straßen bauen, ein Chaos anrichten, all das sei auf dem Meer möglich. Eine Seglerin erkundet den Wind, die Wellen, die Strömung. Ihre Sicherheit hängt davon ab, wie gut sie es versteht, mit dem Wind zu gehen und mit ihm zu spielen. Sie kämpft nicht gegen, sondern mit dem Meer, denn das Meer ist unbezwingbar. 


Im Kapitel über Imap Ukûa:
Im Fjord schob der Sturm die Eisschollen zusammen, schleuderte sie auf die Schären, türmte sie zu weißen, kantigen Gebilden übereinander, ließ sie knacken und knirschen und schließlich wimmern und heulen wie lebendige Wesen. Dann kam Schnee. Er verwandelte die Nacht in ein himmel- und bodenloses Durcheinander aus wirbelndem Weiß, das schließlich auch das Feuer unter sich begrub. Sturm und Nacht hatten sich durchgesetzt.


mareverlag, 2026
Mit Illustrationen von Astrid und Robert Nippoldt
224 Seiten
ISBN-10: ‎3866487460
ISBN-13: ‎978-3866487468
 

Montag, 3. August 2026

Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Frauen beschimpfen Frauen

Buchinfo
Frauen schimpfen anders als Männer. Zumindest in der Öffentlichkeit. Das macht Evelyne Polt-Heinzl deutlich, die mit detektivischem Gespür Biographien, Briefwechsel und Rezensionen gesichtet und dabei herzhafte wie subtile Bösartigkeiten von Schriftstellerinnen, Frauenrechtlerinnen, Schauspielerinnen, Schwiegermüttern und anderen Frauen des öffentlichen Lebens zusammengetragen hat.
Wo Männer rauhbeinig, aber dafür unmißverständlich ins Feld ziehen, da gehen Frauen oft zweideutiger vor. Nicht immer entledigen sie sich ihres angestauten Mißmuts mit befreienden verbalen Rundumschlägen. Sie bedienen sich auch gerne scheinbar wohlwollender Sympathiebekundungen, die hinter der freundlichen Tarnkappe alles, nur nichts Gutes vermuten lassen. Ob sie das so herrlich effektiv macht - die weibliche Häme? Grund genug, ihr ein kleines Denkmal zu setzen.

Zitat
Die Herabsetzung von Frauen durch Frauen wird überall gelehrt - in der Schule, in den Jobs, im Journalismus. Frauen werden nicht mit dem Wissen geboren, wie man andere Frauen niedermacht. Es wird ihnen sorgfältig beigebracht. Sie lernen, daß es nur Platz für eine Alibifrau, einen Lehrerliebling, einen weiblichen Kapo gibt, deren Job es sein wird, die Nicht-Existenz von Diskriminierung zu zeigen. Sie hat es trotz schlechter Chancen geschafft. Sie ist da, um zu beweisen, daß es jede schaffen kann. - Erica Jong

Reclam 1997
ASIN: B00HP37FSU 
 

Dienstag, 28. Juli 2026

Andrea Barnet: Am Puls der Zeit. Frauen in New York

Buchinfo

New York in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aus ganz Amerika kommen Menschen in die Stadt auf der Flucht vor puritanischer Strenge, rigiden Moralvorstellungen und Prohibition. Und nicht nur sie – auch Kriegsdienstverweigerer, die Europa den Rücken gekehrt haben. Hier träumen sie ihren Traum von einer kulturellen Revolution – in den Jazz- und Nachtclubs und in den unzähligen Flüsterkneipen. Besonders Greenwich Village und Harlem scheint in dieser Aufbruchsstimmung eine einzige Party. Und zum ersten Mal haben Frauen einen großen Anteil daran. Es ist, als lebten sie in einer Zeitenlücke. Im Gefühl, das Leben könne jeden Moment neu beginnen, schreiben sie Gedichte, Theaterstücke und Romane, singen, tanzen, geben Zeitschriften heraus, gründen Verlage und führen Salons.

Am Puls der Zeit: Frauen in New York enthält aufregende, erstaunliche und ermutigende Geschichten von weißen und schwarzen Frauen, die aus dem Gefängnis eines herkömmlichen Frauenlebens ausbrachen. Andrea Barnet zeigt, wie sie die revolutionäre und kreative Atmosphäre im New York der zwanziger Jahre mit erschufen und prägten, wie sie von ihr profitierten und nach dem Ende der Euphorie, in den Härten der dreißiger Jahre, um ihr künstlerisches und oft auch materielles Überleben kämpften. Auch wenn einem die spannenden, außergewöhnlichen Lebensläufe manchmal exzentrisch erscheinen mögen – ein Verdienst ist diesen Frauen sicher: Sie entfachten in den nachfolgenden Generationen die Vorstellungskraft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Buchbeginn

Einleitung
Wild-Weiblich-Wagemutig

"Wer nie in New York gelebt hat, hat nie in der modernen Welt gelebt. - Mina Loy

In dem Hochgefühl und Überschwang der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts erwarb sich die New Yorker Boheme - ähnlich wie die in Paris und Berlin - einen geradezu legendären Ruf. New York war das Neue schlechthin, der Brennpunkt künstlerischer und intellektueller Energien. Ein respektloser, wagemutiger Geist lag in der Luft; Spontaneität und Experimentierfreude, Kreativität und öffentliche Zurschaustellung wurden regelrecht zelebriert. 

Montag, 27. Juli 2026

Hilde Domin: Aber die Hoffnung

Die Schriftstellerin Hilde Domin (27. Juli 1909 - 22. Februar 2006) war vor allem als Dichterin bekannt und eine bedeutende Vertreterin des „ungereimten Gedichts“.


Buchinfo

Deutschland
von innen und außen:
ein Lebensthema für mich.

Die Sehnsucht
nach Gerechtigkeit
nimmt nicht ab.
Aber die Hoffnung.
Die Sehnsucht
nach Frieden nicht.

Es ist diese gefährdete Hoffnung, es ist diese aufrecht gehaltene Sehnsucht, die das Lebensgefühl der 70er und 80er Jahre für mich und gewiß nicht nur für mich ausmachen, schreibt Hilde Domin zu diesem Buch, das eine Fortführung der autobiographischen Essays von "Von der Natur nicht vorgesehen" ist.

Buchbeginn

Heimat
"Unverlierbares Exil, du trägst es bei dir, Wüste, einsteckbar", habe ich irgendwann geschrieben, als ich schon wieder in Heidelberg ansässig war. Heimat, der Gegenpol zum Exil? Nein, das ist nicht richtig: Das Exil ist der Gegenpol, die Negation. Heimat wäre das Selbstverständliche, wenn sie selbstverständlich wäre.

Piper
3. Auflage, 1. Januar 1987
208 Seiten
ISBN-10: ‎3492107036
ISBN-13: ‎978-3492107037 

 

Samstag, 25. Juli 2026

Christine Heidrich: Frauen erneuern Havanna

Buchinfo
Zum 500-jährigen Stadtjubiläum von Havanna stellt diese Publikation zwölf kubanische Architektinnen und Ingenieurinnen vor. Frauen in leitenden Positionen in der Architektur sind weltweit in der Minderheit. Anders jedoch in Havanna, dessen Stadterneuerung beispielhaft ist und ihr Können beweist. Das vorliegende Projekt will Frauen im Bauwesen zu mehr Öffentlichkeit verhelfen und sie am Beispiel von Kuba zum Engagement in leitenden Positionen ermutigen. Es werden die Leistungen von Architektinnen und Ingenieurinnen in Havannas Altstadt gewürdigt. Zwölf kubanische Planerinnen und ihre Werke werden in Interviews und Fotografien vorgestellt, ergänzt durch Architekturpläne der Gebäude. Weitere Textbeiträge liefern Informationen zur Rolle der Frau in der kubanischen Architektur seit der Revolution. Neben wenigen kubanischen Zeitschriftenartikeln ist dies die erste Publikation zu Architektinnen in Havanna.

Zitat
Bedauerlich ist allerdings, dass in ehemals sozialistischen Ländern wie der DDR oder Polen, in denen die Gleichstellung ähnlich wie in Kuba gefördert wurde, seit der Wende die Zahl der Architektinnen in verantwortungsvollen Positionen wieder stark zurückgegangen ist.
 

Josephine Tey: Der Mord in der Schlange. Inspector Grants erster Fall: Ein Krimi aus dem London der 20er-Jahre

Josephine Tey (25. Juli 1896 - 13. Februar 1952) schrieb Kriminalromane und war Theaterautorin. Als Theaterautorin schrieb sie unter dem Pseudonym Gordon Daviot.
Ihre heutige Bekanntheit basiert auf den Krimis, doch sie selbst sah sich eher als Theaterautorin.

Buchinfo
London in den 1920er-Jahren: Großes Gedränge vor dem Theater im West End, die Karten für die letzten Aufführungen des Musicals sind heiß begehrt. Da sackt ein junger Mann inmitten der Menge zusammen, in seinem Rücken steckt ein Dolch. Niemand der Umstehenden will von der Tat etwas mitbekommen haben. Und wer ist das Opfer überhaupt? Ein Fall für Inspector Grant von Scotland Yard, dessen Ermittlungen sich mühsam genug anlassen. Die Schottin Josephine Tey (1896–1952) überwand die Grenzen, die dem Krimi-Genre zu ihrer Zeit gesetzt waren, und schuf mit ihrem ersten Fall für Inspector Grant einen klugen Roman voll überraschender Wendungen.

Buchbeginn
Es war zwischen sieben und acht Uhr an einem Märzabend. Überall in London wurden Kinos und Theater geöffnet. Die Anhänger von Thespis und Terpsichore standen geduldig in Viererreihen vor den Toren des Versprechens. Hier und da gab es natürlich keine Kolonnen. Vor dem ,Irving' standen zum Beispiel nur fünf Leute auf den beiden Eingangsstufen; griechische Tragödie war nicht sonderlich beliebt. Vor dem ,Playbox' war überhaupt niemand. Im ,Arena' trat seit drei Wochen ein Ballett auf. Hier hatten sich zehn Personen für Galerieplätze und eine lange Schlange für das Parterre angestellt.

Anaconda Verlag, 2024
Übersetzt von Alfred Dunkel
192 Seiten
ISBN-10: ‎3730614088
ISBN-13: ‎978-3730614082
Originaltitel: ‎The Man in the Queue (1929) 
 

Donnerstag, 23. Juli 2026

Irina Liebmann: Berliner Mietshaus

Irina Liebmann (geb. 23. Juli 1943) schrieb seit 1975 als freie Schriftstellerin zuerst Reportagen für die Ost-Berliner Wochenpost. 1988 siedelte sie mit der Familie nach West-Berlin über.
Die drei Romane "In Berlin" (1994), "Die freien Frauen" (2004) und "Die große Hamburger Straße" (2020) bilden eine über Jahre gewachsene Trilogie mit gleichem Spielort und gleichen Personen. Die alte Mitte von Berlin erscheint hier in der jeweils veränderten Zeit, aber auch als Ort der Historie und als Lebensort der Autorin und ihrer Freunde.


Buchinfo
"Ich hatte schon immer den Wunsch, in einem Haus an jeder Tür zu klingeln. Wie ein Chronist aufzuschreiben: Wer öffnet, was sagt er dabei, läßt er mich eintreten? Was wird ihm so wichtig sein, daß er es einem Fremden erzählt? Woran wird er sich erinnern, und woran werde ich mich erinnern, wenn ich darüber schreibe?"
Irina Liebmann hat an 29 Türen geklingelt. Sie saß in Wohnküche und guter Stube, in der Markisenwerkstatt, im Hinterzimmer des Ladens. Sie sprach mit dem Maurer Manfred, der nicht der Dumme sein will, mit Sibylle, die den Vater ihrer Kinder nicht heiratet, mit Liselotte F., deren seltsamer Zahlenglaube nur belegt: sie hatte von Anfang an kein Glück.
"Ich war überrascht, wie freundlich ich überall aufgenommen wurde, wie freimütig die meisten von sich erzählten, manche so, als ob sie schon lange darauf gewartet hätten, daß endlich einer kommt und sie fragt."

Leseprobe
Da sitzt Manfred M. auf dem Sofa, vor sich auf dem Tisch eine Flasche Cola, daneben eine Flasche Kognak, der Fernsehapparat läuft - Fußball.
An den ersten Tag in dieser Wohnung kann er sich genau erinnern, es war Ende Juli des Jahres 1959, ein schöner Tag, Sonnenschein, die Wohnung leer. Und zuerst haben wir die Schule gesehen, sagt Frau M. dazwischen, da haben wir uns gefreut.
Eingezogen sind sie im August, mit der Firma WIEDEMANN, an einem Sonnabend, damals noch ein Arbeitstag, ein Kollege hat Frau M. beim Umzug geholfen, weil Manfred M. wieder mal etwas zu tun hatte, Brigadeabrechnung oder so.

Mitteldeutscher Verlag, 1982

 

Montag, 20. Juli 2026

Olga Wohlbrück: Die Lust am Manne

Die österreichisch-deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Schriftstellerin Olga Wohlbrück (5. Juli 1865 - 20. Juli 1933) gilt auch als eine der ersten Filmregisseurinnen in Deutschland.

Als junges Mädchen schon schrieb sie Kurzerzählungen in deutscher, französischer und russischer Sprache. Ab 1913 war sie nur noch schriftstellerisch tätig, schrieb Drehbücher und veröffentlichte Novellen, Theaterstücke und Romane, von denen einige auch verfilmt wurden.


 

 

Die Lust am Manne

Buchinfo

"Die Lust am Manne" ist ein kühnes, hellsichtiges Buch – ein Roman über Begehren, Macht und weibliche Selbstwahrnehmung zwischen Enge und Freiheit. In den Bewegungen zwischen Großstadt und Provinz, zwischen Berlin, Frankfurt am Main und dem kleinstädtischen Lörnach, entfaltet sich das innere Drama einer Frau, die liebt, beobachtet und sich den Erwartungen nicht fügt. Erstmals 1928 erschienen und heute als literarische Wiederentdeckung neu zugänglich gemacht, antizipiert dieses Werk der Neuen Frauenliteratur zentrale Motive moderner feministischer Diskurse – ohne programmatisch zu sein, sondern in der Genauigkeit der Beobachtung, der Radikalität des Empfindens und der leisen Beharrlichkeit, mit der eine weibliche Stimme ihr Recht auf Komplexität behauptet.


dimidium mundi Verlag
1. Auflage 13. Mai 2026
331 Seiten
ISBN-10: ‎3912595003
ISBN-13: ‎978-3912595000
Die Originalausgabe erschien 1928.

 

Samstag, 18. Juli 2026

Margaret Laurence: Glücklichere Tage

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Laurence (18. Juli 1926 - 5. Januar 1987) engagierte sich neben der schriftstellerischen und akademischen Arbeit auch in politischen Fragen; sie trat für nukleare Abrüstung und Umweltschutz sowie gegen Zensur ein.


Buchinfo

Morag Gunns Kindheit in der kanadischen Präriestadt Manawaka hat sie stark gemacht. Früh verwaist, vernachlässigt aufgewachsen bei wenig respektierten Pflegeeltern, gewöhnt sie sich früh daran, im Leben eine Außenseiterin zu sein. Sie entdeckt das Schreiben für sich und findet dadurch die Kraft, die einengende Provinz hinter sich zu lassen und ihr Glück in der Großstadt zu suchen. Sie schlägt sich allein durch, immer auf der Suche nach Liebe und Zugehörigkeit, die sie jedoch nur flüchtig findet.

Immer wieder aufs Neue wird Morag gezwungen, sich ihren Platz im Leben und in der Kunst zu erkämpfen. Schließlich erreicht sie ihr Ziel, sich als anerkannte Schriftstellerin und alleinerziehende Mutter ein autonomes Leben in Ontario aufzubauen. Bis eines Morgens ihre achtzehnjährige Tochter verschwindet, um sich auf die Spuren ihrer Herkunft zu machen und ihren Vater zu finden. Morag geht in Gedanken zurück bis zu ihren Wurzeln, ihrer rauen Kindheit, ihrer ersten Liebe, dem ungezähmten Jules Tonnerre …


Buchbeginn

Der Fluss floss in beide Richtungen. Die Strömung verlief von Nord nach Süd, doch der Wind kam meist von Süd und schob die kräuselnde Oberfläche des grün-bronzenen Wassers in die entgegengesetzte Richtung. Dieser scheinbar unmögliche Widerspruch - offenbar und möglich gemacht - faszinierte Morag noch immer, auch nach all den Jahren des Flussbeobachtens.


Eisele Verlag, 26. Februar 2026
Aus dem kanadischen Englisch übersetzt von Monika Baark
Nachwort: Helene Bukowski
544 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 396161279X
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961612796
Originaltitel ‏ : ‎ The Diviners, 1974

 

Sonntag, 12. Juli 2026

Gertrude Bell: Das Raunen und Tuscheln der Wüste: Eine Reise durch das alte Syrien

Gertrude Bell (14. Juli 1868 - 12. Juli 1926) - die "Königin der Wüste" - hatte als Beraterin von Winston Churchill eine Schlüsselrolle in der Neuordnung des gesamten Nahen Ostens inne. Ihr Studium der Neueren Geschichte in Oxford schloss sie ohne Titel ab, da der bis 1920 in England Frauen nicht zustand. Ihre Bücher über ihre Reisen nach Persien, Syrien, Ira und Palästina waren sehr erfolgreich.


Buchinfo

Als Gertrude Bell im Januar 1905 zu einer ihrer Reisen in den Nahen Osten aufbrach, wollte sie dort vor allem byzantinische und römische Ruinen studieren. Wie sich später herausstellen sollte, traf sie damit die Vorbereitungen für ihre spätere Mission als Beraterin der englischen Regierung, bei der es um die Neuaufteilung des Nahen Ostens ging. Mit ihrer Karawane und einigen wenigen einheimischen Bediensteten drang sie in den Wüsten und Bergen Syriens, Palästinas und des Libanon in Gebiete vor, die vor ihr noch kaum ein Europäer, geschweige denn eine Frau betreten hatte. Selbstbewusst suchte sie den Kontakt zu Scheichs und Stammesführern, unter deren Schutz es ihr gelang, zwischen den rivalisierenden Stämmen hin und her zu reisen. Sie lauschte den Geschichten von Scharfhirten, saß mit Soldaten am Lagerfeuer, in den schwarzen Zelten der Beduinen und den Besuchszimmern der Drusen. Sie überschritt geographische und soziale Grenzen, setzte Konventionen außer Kraft, denn „die englischen Frauen sind sonderbar. Auf der einen Seite sind sie vermutlich die größten Sklavinnen der Konventionalität. Wenn sie aber einmal damit gebrochen haben, dann richtig, als wollten sie sich rächen.“ – So stand es 1907 in einer Rezension dieses Buches in der New York Times.


Buchbeginn

Von Jerusalem nach Salt

Wer in einem komplizierten sozialen Gefüge aufgewachsen ist, erlebt selten einen Moment solch überschwänglicher Freude wie am Beginn einer kühnen Reise. Die Pforte des ummauerten Gartens springt auf, die Kette am Eingang zum geschützten Raum wird heruntergelassen, unsicher blickt man nach rechts und links, wagt den Schritt über die Schwelle und da ist sie: die unermessliche Welt.


edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Oktober 2015
Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen
312 Seiten
ISBN-10: ‎3737400199
ISBN-13: ‎978-3737400190
Originaltitel: Syria

 

Samstag, 11. Juli 2026

Brigitte Weiss-Kobayashi: Glanz und Widerstand Emma Haushofer-Merk: eine Münchner Familiensaga zwischen Goldarbeitern und Frauenrechtlerinnen

Als Frl. Emma Merk wurde Emma Haushofer-Merk (15. Juni 1854 - 11. Juli 1925) schon 1898 ins Lexikon deutscher Frauen der Feder, Band 2 von Sophie Pataky aufgenommen.

Sie schrieb Erzählungen, Novellen, Feuilletons und Romane, in denen sie u. a. Frauenthemen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts behandelte. Auch publizierte sie in zeitgenössischen Zeitschriften wie Bazar, Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Die Gartenlaube, Jugend, Frankfurter Zeitung, Illustrierte Frauen-Zeitung, Simplicissimus und Über Land und Meer.

Emma Haushofer-Merk starb 1925 in München. Ihre Asche wurde auf der Fraueninsel (Ingvild Richardsen: Die Fraueninsel. Auf den Spuren der vergessenen Künstlerinnen von Frauenchiemsee) im Chiemsee im Familiengrab ihres Ehemannes beigesetzt.

Buchinfo

Münchner Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und 1894, an der Seite von Anita Augspurg, Sophia Goudstikker und Ika Freudenberg, Mitbegründerin des legendären 'Vereins für Fraueninteressen': Mit ihren Werken, die in renommierten Blättern wie der Gartenlaube, dem Simplicissimus oder der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens erschienen, prägte Emma Haushofer-Merk das literarische und politische München. Doch wer war die Frau, und welche Familie verbirgt sich hinter dem heute weitgehend unbekannten Namen? Diese fesselnde Familiensaga verwebt persönliche Schicksale mit den gesellschaftlichen Umbrüchen jener Zeit und blickt hinter die Kulissen einer weitverzweigten Münchner Dynastie von Goldarbeitern, Kunstmalern und Bierbrauern. Mit sicherem Blick für Details erstehen authentische Schauplätze in München neu, um das vergessene literarische Erbe einer außergewöhnlichen Frau und ihrer Familie wieder lebendig zu machen.


Buchbeginn

Der Weg ins Ungewisse

Der Fußmarsch nach München führte durch ein brennendes Land. Im Spätsommer 1796 wälzten sich die Truppen des französischen Generals Moreau durch Württemberg und Bayern. Französische und österreichische Soldaten lieferten sich ein blutiges Katz-und-Maus-Spiel, für das die Zivilbevölkerung den Preis zahlte. Eine Horde ungehobelter Barbaren die wie schlimmste Straßenräuber plünderten und mißhandelten. Sie beschlagnahmten Fuhrwerke, quartierten sich in Häusern ein und verlangten nach Essen und Wein, manchmal sogar Champagner, während ihre unfreiwilligen Gastgeber hungerten.

 

Donnerstag, 2. Juli 2026

Wisława Szymborska: Sie sollten dringend den Kugelschreiber wechseln. Anregungen für angehende Literaten

Buchinfo
Wisława Szymborska, die berühmte polnische Dichterin und Literaturnobelpreisträgerin, widmete sich regelmäßig auch den Anliegen des literarischen Nachwuchses. In der polnischen Wochenzeitschrift "Literarisches Leben" beantwortete sie Hilfegesuche und Fragen von angehenden Autorinnen und Autoren, nahm zu eingereichten Manuskripten Stellung und offenbarte mit charmanter spitzer Feder ihre reiche Erfahrung als Leserin und Literatin.

Buchbeginn
An einen Beobachter, Krakau
Sie unterstellen uns, junge literarische Talente niederzumachen. "Diese zarten Pflänzchen", lesen wir, "muss man hegen und pflegen, und nicht, wie ihr es macht, ihre Schwächen kritisieren, die Unzulänglichkeit einer noch nicht ausgereiften Frucht." Wir sind gegen eine Aufzucht literarischer Pflänzchen im Treibhaus. Die Pflänzchen müssen in einem natürlichen Klima wachsen und sich rechtzeitig an dessen Bedingungen anpassen.

Suhrkamp Verlag
Erstausgabe: 21. Juni 2023
151 Seiten
ISBN-10: ‎3518473301
ISBN-13: ‎978-3518473306 
 

Samstag, 27. Juni 2026

Margaret Goldsmith: Good-by für heute

herausgegeben und aus dem Englischen übersetzt von Eckhard Gruber
AvivA Verlag, 2025
224 Seiten
ISBN-10: ‎ 3949302298
ISBN-13: ‎ 978-3949302299 


Buchinfo
Berlin 1926: Die junge Medizinstudentin Karin lebt mit ihrer Mutter Jean und ihrem Zwillingsbruder Erhard nach dem Tod des Vaters im einstigen Stadtdomizil der Familie am Lützowplatz. Nach Krieg und Inflation eröffnen sich in der Weimarer Republik neue Freiheiten und Perspektiven und Karin blickt ihrer Zukunft voller Neugier und Zuversicht entgegen.

Doch nicht nur die einst herrschaftliche Wohnung ist nach dem Krieg geteilt und zimmerweise vermietet, auch durch die Familie ziehen sich Risse. Während die gebürtige US-Amerikanerin Jean, die seit dem Tod ihres Mannes Graf Tarnowitz wieder als Journalistin arbeitet, als überzeugte Demokratin den erzkonservativen Einstellungen ihrer adligen Schwiegerfamilie fernsteht und Karin der sozialistischen Partei beitreten möchte, wünscht sich Bruder Erhard die Monarchie zurück und ist fanatischer Nationalist und Antisemit. Die Konflikte in der Familie und die zunehmende Radikalisierung des Bruders überschatten Karins Studienjahre. Und dann stellt ein Ereignis das Leben aller Beteiligten auf den Prüfstand.

Goldsmith verzahnt in ihrem Debütroman von 1928 die polarisierte politische Stimmung in Berlin mit den alltäglichen Zwistigkeiten der Familie und beschreibt eine Gesellschaft am Kipppunkt. Im Aufeinandertreffen unterschiedlichster Romanfiguren, darunter der jüdische Rechtsanwalt Herbert Mendelssohn, der englische Maler Martin Trevelyan und der US-amerikanische Schriftsteller Mark Huntington, schildert sie plastisch die Prägungen verschiedener kultureller Milieus und Herkunftsländer. Zugleich entwirft sie ein lebendiges Bild zweier Generationen sich emanzipierender Frauen, von deren Kampf um Gleichstellung, gesellschaftliche Anerkennung und neue Sexualmoral.

Eine Rezension gibt es bei aus-erlesen.de von Karsten Koblo zu lesen.
 

Freitag, 26. Juni 2026

Willa Cather: Die Frau, die sich verlor

Übersetzt von Eva Brückner-Tuckwiller
Mit einem Nachwort von Sibylle Mulot
btb Verlag 2010
160 Seiten
ISBN-10: ‎3442741416
ISBN-13: ‎978-3442741410
Originaltitel: A Lost Lady (1923)
Frau im Zwielicht, dt. von Magda Kahn, Urban Freiburg im Breisgau 1929
    auch als: Die Frau, die sich verlor, gleiche Übersetzung, Benziger Einsiedeln, Zürich, Köln 1959
    auch als: Die Frau, die sich verlor, dt. von Eva Brückner-Tuckwiller, Knaus, München, Hamburg 1989. gl. Übersetzung, Verlag: btb Verlag (8. Dezember 2010)

 

Buchinfo

Marian Forrester ist jung, attraktiv und voller Lebenslust, der strahlende Mittelpunkt des Forrester-Hauses in Sweet Water. Mit ihrem 25 Jahre älteren Mann verbringt sie dort die Sommermonate. Niel, der Nachbarjunge, hat schon früh sein Herz an Marian verloren. Für ihn ist sie das Sinnbild jenes Westens, in dem die Träume der Siedler Wirklichkeit geworden sind. Als Niel einige Jahre später als Erwachsener nach Sweet Water zurückkehrt, hat sich Marians Leben von Grund auf geändert. Ihr Mann ist alt und krank, das Vermögen fast aufgebraucht. Verzweifelt versucht Marian den Schein zu wahren. Aus Einsamkeit flüchtet sie in die Arme junger Männer. Niel verliert jeden Respekt vor ihr, der Zauber ist verflogen. Erst am Ende ihres Lebens begreift er das Geheimnis dieser Frau.

Buchbeginn

Vor dreißig oder vierzig Jahren, in einer der grauen Städte an der Burlington-Bahnstrecke, die heute so viel grauer sind als damals, gab es ein Haus, das von Omaha bis Denver wegen seiner Gastlichkeit und eines gewissen Charmes seiner Atmosphäre wohlbekannt war. Wohlbekannt vor allem der Eisenbahn-Aristokratie jener Zeit: Männern, die mit der Bahn selbst zu tun hatten oder mit einer der "Landgesellschaften", ihren Nebenprodukten. Damals genügte es, wenn von einem Mann gesagt wurde, er "habe mit der Bahn zu tun".
 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Luisa Francia: In den Gärten der Kore. Visionen aus einem weiblichen Universum

Buchinfo
Kore ist die Frühlingsgöttin einer Göttinnentriade, Demeter die Mutter, Hekate die Alte. Wie kann Kore in die Unterwelt "verschleppt werden" und gleichzeitig deren Hüterin sein, wie es der Mythos berichtet?
Darum geht es: um die Erde und alles, was auf ihr wächst und Frauen nährt, einerseits und um die verborgenen Räume, die geheimen Wünsche, die dunkle Seite der weiblichen Kraft andererseits. Um die Magie der Frauen also, die sich aus dem Sichtbaren und dem Verborgenen nährt. Und um die Übergänge, in denen das größte magische Potential der Frauen liegt. Erst wenn wir uns die Übergänge bewusst machen - vom Mädchen zur menstruierenden Frau, von der menstruierenden Frau zur Alten -, entfaltet sich die weibliche Kraft in allen Facetten.



Frauenoffensive
1. Auflage 2003
160 Seiten
ISBN-10: ‎3881043608
ISBN-13: ‎978-3881043601  

Sonntag, 21. Juni 2026

Ulla Berkéwicz - die Bücher

 Michel, sag ich (Suhrkamp 1984)

 

Ulla Berkéwicz: Michel, sag ich

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"Viele sind aus dem Dorf in die Stadt gezogen. Zurückgeblieben sind die Alten, die Frauen, die Kinder. Auch Michel ist fortgegangen; sie wartet auf seine Rückkehr.
Weil sie vergeblich wartet, macht sie sich auf den Weg in die nie zuvor gesehene Stadt, um Michel zu suchen. Der Weg führt sie zu den Lebenden und den Toten und zu den Aufständischen, mit denen Michel arbeitet; sie bereiten den Untergang der Stadt vor. Sie träumen vorwärts, denn sie erträumen eine neue Welt.
Das Buch ist eine Liebesgeschichte, eine Parabel. Es ist ein apokalyptisches Bild, aus dessen Trümmern das Neue erwächst. Es ist eine Vision von Untergang und Rettung. Wo verläuft die Grenze zwischen Wirklichen und Unwirklichem? Die traumsicheren Bilder fangen die Hoffnung ein."



Suhrkamp Verlag
1. Auflage 1988
100 Seiten
ISBN-10: ‎3518380303
ISBN-13: ‎978-3518380307 

Autorin
 

Luisa Francia

 Die Autorin und Filmemacherin Luisa Francia (2. August 1949 in Markt Grafing, heute Grafing bei München geboren) gilt als eine der bekanntesten Vertreterinnen des spirituellen Feminismus und der feministischen Hexenbewegung im deutschsprachigen Raum. Diese entstand in den 1980er Jahren am Schnittpunkt von Neuheidentum, Frauenbewegung und alternativer Spiritualität. Wie die US-amerikanische Autorin Starhawk vertritt Francia innerhalb dieser Strömung eine sozialistische und feministische Position.

2025 erwarb das Literaturarchiv Monacensia in München ihren künstlerischen Vorlass. Dieser umfasst mehr als dreißig handschriftliche Manuskripte und Typoskripte, Notizbücher, Fotografien, Video- und Super-8-Aufnahmen, Flugblätter sowie weitere Dokumente aus mehreren Jahrzehnten ihres literarischen und politischen Wirkens. Zum Bestand gehören zudem Korrespondenzen mit Persönlichkeiten der bayerischen Kultur- und Literaturszene wie Herbert Achternbusch, Annamirl und Josef Bierbichler sowie Franz Dobler. Briefe der US-amerikanischen Autorin Cathy Acker und der Künstlerin Nancy Spero dokumentieren darüber hinaus Francias internationale Vernetzung innerhalb der feministischen Avantgarde. 

Francoise Sagan: Ich glaube, ich liebe niemanden mehr

Buchinfo
Bereits ihr erster Roman "Bonjour Tristesse" machte Francoise Sagan zum Mythos. Wenige Jahre später überschlägt sich die knapp 22-Jährige bei hoher Geschwindigkeit mit ihrem Aston Martin.
Sie überlebt wie durch ein Wunder - und versucht, süchtig nach Schmerzmitteln, allmählich wieder ins Leben zurückzufinden.

Buchbeginn
Im Sommer 1957 war ich nach einem Autounfall drei Monate lang Schmerzen ausgesetzt, die hinlänglich unangenehm waren, dass man mir täglich einen Morphinersatz namens "875" (Palfium) verabreichte. Am Ende dieser drei Monate war ich dann hinlänglich vergiftet, dass ein Aufenthalt in einer Spezialklinik geboten schien. Es wurde ein schneller Aufenthalt, aber in seinem Verlauf schrieb ich dieses Tagebuch, das ich neulich wiederfand. 

Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze
Mit Originalzeichnungen von Bernard Buffet
Anaconda Verlag, 2017
Erstmals erschienen: 1964
96 Seiten
ISBN-10: ‎3730604678
ISBN-13: ‎978-3730604670
Originaltitel: ‎Toxique 
 

Francoise Sagan: Lieben Sie Brahms...

Buchinfo
Bei seinem Erscheinen war der Roman über die Liebe von Paule zu dem 15 Jahre jüngeren Mann eine Provokation – heute ist er ein Klassiker der französischen Literatur: Eine "offene Beziehung" praktizieren Paule und Roger im Paris der 1950er Jahre. Beide sind berufstätig, leben in getrennten Wohnungen und fragen nicht nach. Gelegentlich diniert man gemeinsam, besucht Nachtclubs, man verbringt den jährlichen Skiurlaub zu zweit, aber die Leidenschaft hat sich verflüchtigt. Simon heißt der Sohn einer Kundin von Paule, der sich Hals über Kopf in sie verliebt und alles daransetzt, sie für sich zu gewinnen.

Buchbeginn
Paule betrachtete ihr Gesicht im Spiegel und musterte, eine nach der anderen, die Niederlagen, die es in neununddreißig Jahren erfahren hatte; nicht etwa mit der in solchen Fällen üblichen Erregung und Bitterkeit, sondern mit einer fast zerstreuten Ruhe. Als gehörte die warme Haut, die sie manchmal mit zwei Fingern spannte, um eine Falte zu betonen oder einen Schatten hervorzuheben, jemand anderem, einer anderen Paule, die leidenschaftlich mit ihrer Schönheit beschäftigt war und die nur schwer aus der Klasse der jungen in die Klasse der jüngeren Frauen hinüberwechselte: einer Frau, die sie kaum wiedererkannte.

 

Das Buch wurde 1961 unter dem Titel "Lieben Sie Brahms?" mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle verfilmt. 


 


Verlag Klaus Wagenbach
1. Auflage 21. September 2023
Erstmals erschienen: 1959
144 Seiten
ISBN-10: ‎3803127971
ISBN-13: ‎978-3803127976
Originaltitel: ‎Aimez-vous Brahms...
 

Freitag, 19. Juni 2026

Agatha Christie: Blausäure

 Blausäure ist Agatha Christies 36. Krimi. Im Februar 1945 erschien er zunächst bei Dodd, Mead and Company in den USA und im Dezember im Collins Crime Club im Vereinigten Königreich. 1949 wurde die deutsche Erstausgabe im Scherz Verlag veröffentlicht.

Colonel Race, der schon in Der Mann im braunen Anzug, Mit offenen Karten und Der Tod auf dem Nil ermittelte, erleben wir hier zum letzten Mal. Er ist mit Hercule Poirot befreundet, in diesem Fall ermittelt er aber alleine.

Es gibt auch zwei Verfilmungen:

1983 von der CBS. Die Geschichte spielt in der Neuzeit und Colonel Race spielt keine Rolle. Der deutsche Filmtitel ist Zwei Leichen beim Souper.

In einem modernen Set spielt auch die Neuverfilmung von Laura Lamson für ITV1 aus dem Jahr 2003. Colonel Race wurde in Colonel Reece umbenannt und erhielt eine Partnerin, seine Frau Dr. Catherine Kendall. Die Beziehung zwischen beiden erinnert an Tommy und Tuppence Beresford.

Das Buch besteht aus drei Büchern. Im ersten Buch lerne ich sechs Personen kennen, die sich an Rosemary Barton erinnern, die vor fast einem Jahr gestorben war. Man ging von Selbstmord aus.

Da wäre zuerst Iris Marle. Sie war Rosemarys Schwester. Und sie hatte ein Jahr lang versucht, Rosemary zu vergessen. Doch nun musste sie sich an ihre Schwester erinnern. Nach einem Gespräch mit George gab es kein Zurück.

Iris erinnerte sich an die Kindheit, wie sie gemeinsam aufwuchsen. Durch den Altersunterschied, es lagen sechs Jahre zwischen den Schwestern, lebten sie quasi in unterschiedlichen Welten. Später hat Rosemary den älteren George Barton geheiratet. Und als Iris Mutter starb, zog sie zu Schwester und Schwager.

Als Iris auf dem Dachboden stöberte, fand sie einen Brief; von Rosemary geschrieben an einen Leopard. Einen Liebesbrief. Aus dem ging allerdings hervor, dass dieser sich von Rosemary trennen wollte.

Ein paar Monate nach Rosemarys Tod wurde Iris in die Gesellschaft eingeführt. Dort traf sie Anthony Browne. War er derjenige, für den dieser nicht abgeschickte Brief bestimmt war? Beim Tanzen bewegte er sich zumindest wie ein Leopard.

Dann begann George, Iris auszufragen. Über Rosemarys Freunde. Und ob sie vielleicht Feinde hatte.

Dann, eines Nachts, wurde Iris Georges Verhalten klar. Morgens um drei Uhr klopfte er an ihre Tür und bat sie in die Bibliothek. Er zeigte ihr zwei Briefe, in denen stand, dass Rosemary sich nicht umgebracht hat, sondern dass sie ermordet wurde.

Als Zweite erinnert sich Ruth Lessing an Rosemary. Sie ist die Sekretärin von George Barton und mochte Rosemary nie besonders. Aber sie erledigt alles für das Paar. Es scheint nichts zu geben, was Ruth nicht hinbekommt. Und George ist ihr dafür unendlich dankbar. "Ohne Sie wäre das Leben völlig undenkbar", sagte er zu ihr, als er sie bat, einen Schnorrer seiner Frau loszuwerden.

Ausgerechnet dieser Schnorrer machte ihr bewusst, wer sie war. Dass George, wäre Rosemary nicht da, sie sofort heiraten würde. Und so wächst ihr Hass auf Rosemary immer mehr.

Der Dritte im Bunde ist Anthony Browne. Ihr erinnert euch? Das ist der, von dem Iris dachte, er wäre der Leopard, mit dem Rosemary eventuell eine Affäre hatte.

Und während die beiden Damen schon einen Grund gehabt haben, Rosemary loszuwerden, dann noch mehr dieser Anthony Browne. Was natürlich nicht sein richtiger Name ist. Als Rosemary, die er anfangs begehrte und die er dann verachtete, ihn darauf ansprach, drohte er ihr unverhohlen.

Dann ist da Stephen Farraday. Er dachte "mit jenem ungläubigen Staunen, das ihr Bild immer in ihm hervorgerufen hatte", an Rosemary.

Stephen wusste schon von kleinauf, wie sein Leben aussehen sollte: erfolgreich. Und er arbeitete strikt darauf hinaus. Seinen Oxford-Abschluss hatte er mit 22 in der Tasche. Er wollte in die Politik, die Konservativen wurden auf ihn aufmerksam.

Aber als nach den Wahlen der Alltag begann, kam er nicht recht vorwärts. Eine vorteilhafte Heirat wäre wohl der nächste Schritt. Und er schaffte es tatsächlich, in die mächtige Kidderminster-Clique einzuheiraten. Und mit Sandra hatte er sogar Glück. Sie unterstützte ihn in seinen politischen Ambitionen, wo sie konnte.

Und dann lernte er Rosemary kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Für ein halbes Jahr. Dann nervte ihn ihre Oberflächlichkeit und Dummheit. Schlug sie doch tatsächlich vor, ihr Verhältnis öffentlich zu machen, sich von ihren Partnern zu trennen und zu heiraten. Doch das wäre für ihn eine Katastrophe. Irgendwie musste er es hinbekommen, dass Rosemary Vernunft annahm.

Und noch eine Frau im Bunde: Alexandra Farraday – Stephens Ehefrau. Wie sehr hatte Stephen sie doch verkannt. Beziehungsweise wollte er sie überhaupt richtig kennen? Er nahm von ihr nur, was er brauchte. Und er bildete sich ein, sein Verhältnis mit Rosemary gut zu kaschieren. Dabei kannte Alexandra genau den Tag, an dem die beiden das erste Mal intim miteinander waren.

Sie zeigte Stephen nicht, wie sehr sie litt. Und obwohl es offensichtlich war – sie magerte immer mehr ab und sah wegen schlafloser Nächte krank aus – sah er es nicht. Alexandra begann Rosemary zu hassen. Wenn Gedanken töten könnten, würde sie sie töten.

Zu guter Letzt noch kurz George Bartons Erinnerungen. Sein erster Heiratsantrag an Rosemary war ein wenig holprig. Und sie dachte da noch gar nicht ans Heiraten. Er hatte sich sowieso keine Hoffnungen gemacht. Und doch hatte sie ihn später genommen. Weil sie es satt hatte, sich immer wieder zu verlieben, um immer wieder enttäuscht zu werden. Er wusste also, dass sie ihn nicht liebte. Dass sie nur ein ruhiges Heim suchte.
Er ignorierte ihre kleinen Flirts. Doch es wurde anders, als er spürte, dass ein Verhältnis tiefer ging. Da spürte er Wut in sich aufsteigen.

So, das wären die sechs Hauptakteure. Einen Grund, sauer auf Rosemary zu sein, haben sie alle.

Morgen – George hatte alle ins „Luxembourg“ eingeladen – würde wohl herauskommen, wer wütend genug war, Rosemary zu töten.

Das werde ich hier aber nicht verraten.

 

Buchinfo

Die lebensfrohe Rosemary stirbt während ihres eigenen Geburtstagsdinners, nachdem sie mit Blausäure vergifteten Champagner getrunken hat. Ihr Tod wird als Selbstmord eingestuft. Doch war es tatsächlich so? Als Rosemarys Ehemann plötzlich Briefe erhält, in denen das Gegenteil angedeutet wird, ist er entschlossen, die Wahrheit herauszufinden. So organisiert er ein erneutes Dinner, um den Täter aus der Reserve zu locken.

Doch dann kommt alles ganz anders ...

 

Buchbeginn

Sechs Personen erinnern sich an Rosemary Barton, die vor nunmehr fast einem Jahr gestorben war...

Eins
Iris Marle

Iris Marle dachte über ihre Schwester Rosemary nach.
Fast ein Jahr lang hatte sie verzweifelt versucht, Rosemary aus ihrem Gedächtnis zu verbannen. Sie hatte sich nicht erinnern wollen.
Es war zu schmerzlich - zu grauenvoll! 

 

Atlantik
1. Auflage, 2018
288 Seiten
ISBN-10: ‎3455003265
ISBN-13: ‎ 978-3455003260 
 

Dienstag, 9. Juni 2026

Eleanor Marx-Aveling, Edward Aveling: Die Frauenfrage. The Woman Question

 Buchbeginn

Vorwort
Im ersten Quartal des Jahres 1886 veröffentlichten Eleanor Marx und Edward Aveling in der seit 1824 erscheinenden Vierteljahreszeitschrift "Westminster Revue" ihre gemeinsame Arbeit "The Woman Questions" (Die Frauenfrage). Damit griffen sie in die international latent vorhandene und rasch anschwellende Diskussion über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und der Gemeinschaft von Frau und Mann ein. Mit den von ihnen eingenommenen marxistischen Positionen, die noch heute von Interesse sind, suchten und gewannen sie Gehör und Mitstreiter.

 

Zitate

"In einem Buch von nur 264 Seiten eine Anhäufung von wenigstens 170 groben Fehlern vorzufinden, ist wirklich zu viel."

"Sich mit der Lage der Frauen zum gegenwärtigen Zeitpunkt im einzelnen zu befassen, heißt, eine tausendmal erzählte Geschichte zu wiederholen."

"Das alte Versprechen der heiligen Legende, ,du sollst unter Schmerzen gebären', wird nicht nur verwirklicht, sondern noch erweitert. Die Frau muß die Kinder über lange Jahre hinweg ohne eine Ruhepause und ohne einen Hoffnungsschimmer in einer Atmosphäre von ständiger Arbeit und Sorge aufziehen. Der Mann, so sehr er auch von der Arbeit erschöpft sein mag, hat wenigstens den Abend für sich. Die Frau dagegen ist bis zum Schlafengehen beschäftigt. Oft geht ihre Plackerei mit den kleinen Kindern bis weit in die Nacht hinein oder die ganze Nacht hindurch." 

 

Verlag für die Frau Leipzig, 1. Januar 1986
216 Seiten
ISBN-10: ‎ 3730400029
ISBN-13: ‎ 978-3730400029