Montag, 27. April 2026

A. S. Byatt: Das Geheimnis des Biographen

Buchinfo
Mit dem "Geheimnis des Biographen" entfaltet Antonia S. Byatt ironisch und ernsthaft zugleich ein ebenso amüsantes wie beziehungsreiches und anregendes Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart, mit Tatsachen und Vermutungen, mit Fiktion und Realität.

"Einer der Vorzüge von Byatts gut durchdachter, vielschichtiger Fiktion ist, daß sie uns daran erinnert, wie grob, wie vorläufig sich die Dinge darstellen." - John Updike
 

Insel-Verlag
Übersetzt von Melanie Walz
1. Auflage 2001
281 Seiten 

Louisa May Alcott

Am 6. März 1888 wurde Louisa May Alcott geboren.
Die US-amerikanische Schriftstellerin wurde für ihre Jugendbuch-Tetralogie Little Women, die auf Kindheitserlebnissen mit ihren Schwestern beruht, weltweit berühmt.
„Die Kraft, Schönheit in den einfachsten Dingen zu finden, macht das Zuhause glücklich und das Leben liebenswert.“
Louisas Mutter Abigail May Alcott kämpfte für die Abschaffung der Sklaverei, ihr Vater Amos Bronson Alcott war bekennender Transzendentalist. Die Familie, Louisa hatte zwei Schwestern, zog nach Boston, wo der Vater mithalf, die experimentelle Temple School zu gründen und mit Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau dem Transcendental Club beitrat.
Louisa wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf; der Vater konnte nicht mit Geld umgehen und das Schulmodell wurde ein Misserfolg. Mit dem Erbe der Mutter und durch Unterstützung des Freundes der Familie, Waldo Emerson, konnte sich die Familie ein Haus in Concord kaufen.
Die Schwestern wurden zu Hause unterrichtet, durften in Emersons Bibliothek stöbern, erkundeten mit Thoreau die Natur und Umgebung.
Louisas Leidenschaft fürs Schreiben begann schon früh, sie schrieb melodramatische Theaterstücke, die sie mit den Schwestern für Freunde aufführte. Ihr selbst lagen die Banditen, Räuber und Bösewichte.
Sie wollte aus den ärmlichen Familienverhältnissen hinaus und schwor sich, später reich zu werden. Sie nahm jede Stelle an, die sie kriegen konnte und arbeitete unter anderem als Näherin, Lehrerin und Haushälterin. In A Story of Experience (1873) konnte sie diese Erfahrungen verarbeiten.
Auch die Schriftstellerei fand ihren Ursprung auf dem Willen, die Familie zu unterstützen. Sie fing mit Kurzgeschichten und Gedichten in Magazinen an, bis sie dann 1854 ihr erstes Buch Flower Fabels veröffentlichte. In diesem Buch finden sich Märchen für Emersons Tochter Ellen.
1856 - Louises Schwester Elizabeth (Vorbild für die Figur der Beth in Little Women) starb an Scharlach, ihre Schwester Anna heiratete. Louisa schrieb wenig später für The Atlantic Monthly, nahm 1862 als Lazaretthelferin am amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten teil, wo sie sich mit Typhus ansteckte. An den Folgen der Behandlung mit Quecksilber hatte sie bis zum Lebensende zu leiden. 1863 veröffentlichte sie ihr Werk Hospital Sketches, die Grundlage dafür waren ihre Briefe aus dieser Zeit, mit dem sie erstmals einem breiteren Publikum bekannt wurde.
Unter dem Pseudonym A. M Barnard folgten Schauer- und Gruselromane - auch diese Seite findet sich in Jo aus Little Women wieder.
Später folgte sie dem Weg ihrer Mutter und sympathisierte mit der Sufragettenbewegung. Sie kämpfte für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht und engagierte sich für die Abschaffung der Sklaverei. Von dieser Bewegung ist auch ihr Erfolgsroman Vier Schwestern (1868/69) beeinflusst.
Mit ihren Kinderbüchern, in denen sie sich um moralisch-pädagogische Integrität und literarisches Niveau bemühte, wurde sie berühmt. Da wären zum Beispiel: Ein Mädchen aus der guten alten Schule (1870) oder Kleines Volk (1871). Ihre Bücher schafften es auch nach Europa.
Ihr Gesundheitszustand verschlimmerte sich durch die Quecksilbervergiftung stetig, doch sie hörte nie auf zu schreiben. Kurz nach dem Tod ihres Vaters starb sie selbst am 6. März 1888 an einem Schlaganfall. Sie wurde nur 55 Jahre alt.
Auch der Film hat sich den Werken von Louisa May Alcott angenommen.

Eine frühe, britische Verfilmung aus dem Jahre 1917 gilt als verschollen. Die erste US-Kinoverfilmung, mit Katharine Hepburn und Joan Bennett, entstand 1933 unter der Regie von George Cukor (dt. als Vier Schwestern). Es folgte 1949 eine Version mit Elizabeth Taylor und Janet Leigh unter der Regie von Mervyn LeRoy (dt. als Kleine tapfere Jo). Eine zweiteilige US-Fernsehversion wurde 1978 produziert. Im Jahr 1994 verfilmte Gillian Armstrong das Buch mit Winona Ryder (dt. als Betty und ihre Schwestern). 2019 erschien eine weitere Filmadaptation durch Greta Gerwig mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh und Eliza Scanlen.
In Japan entstanden mehrere Zeichentrickserien auf der Basis von Little Women; zum ersten Mal 1977 noch als eine Folge in der Serie Manga Sekai Mukashibanashi unter dem japanischen Titel der Romanreihe Wakakusa Monogatari (若草物語, dt. „Geschichten von jungem Gras“) und 1980 die erste vollständige Serie unter dem gleichen Titel. 1981 folgte mit Wakakusa no Yon Shimai (若草の四姉妹, dt. „die vier Schwestern des jungen Grases“) eine weitere. Die auch international bekannteste entstand als Teil der Literaturverfilmungen des World Masterpiece Theaters (WMT) 1987 mit Ai no Wakakusa Monogatari, das in Deutschland unter dem Titel Eine fröhliche Familie ausgestrahlt wurde. Auch die Romanfortsetzung Little Men wurde 1993 als WMT-Serie Wakakusa Monogatari: Nan to Jo-sensei, in Deutschland: Missis Jo und ihre fröhliche Familie, umgesetzt.
„Ich mag gute, starke Worte, die etwas bedeuten …“

Lina Bögli: Immer vorwärts

Lina Bögli (15. April 1858 - 22. Dezember 1941) gilt als erste Schweizer Weltreisende und Reiseschriftstellerin. In "Vorwärts" verarbeitete sie ihre zehnjährige Weltumrundung (Australien, Neuseeland, Samoa, Honolulu, die USA). Eine weitere Reise führte sie nach China und Japan, auch sie wurde veröffentlicht.
Was bis heute nicht veröffentlicht ist, sind ihre Tagebücher (26 Bände).


Immer vorwärts (1915)
Lenos Verlag, Erscheint im Februar 2026
3857878541

Buchinfo
Sie wurde die erste Reiseschriftstellerin der Schweiz: Lina Bögli, geboren 1858. Unternehmungslustig, vom Unbekannten fasziniert, brach sie in die Welt auf. Nach ihrer zehnjährigen Reise nach Australien, Ozeanien und Nordamerika, die sie in ihrem berühmten Bericht "Talofa" beschrieben hatte, führte ihre zweite große Tour sie 1910–1913 nach Japan, Korea und China. Lina Bögli fuhr mit wenig Erspartem los und schlug sich in Tokio als Sprachlehrerin durch. Sie ließ sich Sitten und Bräuche erklären, besuchte eine Parlamentssitzung, sah den japanischen Kaiser und folgte Einladungen zu Hoffesten und Militärparaden. China wiederum bereiste sie in einer turbulenten Zeit: Wenige Monate zuvor hatte der letzte Kaiser abgedankt, und die noch junge Republik war politisch instabil. Lina Böglis Beschreibungen aus jenen vergangenen Tagen sind eine kuriose Mischung aus Neugier, Mut und Witz, ein charmantes und wichtiges Dokument früher weiblicher Weltläufigkeit.
 

Sonntag, 26. April 2026

Dea Trier Morch

 geb. 9. Dezember 1941 in Kopenhagen
gest. 26. Mai 2001

Ich habe im Netz zwar einige deutsche Titel der dänischen Künstlerin und Schriftstellerin Dea Trier Morch gefunden, doch sie selbst scheint bei uns nicht so bekannt zu sein.

Sie studierte an der Königlich Dänischen Akademie der Schönen Künste Malerei. Ihr erstes Buch, Sorgmunter socialisme. Sovjetiske raderinger, erschienen 1968, ist mit eigenen Radierungen illustriert und berichtet von ihren Reisen in die Sowjetunion. Sie war Mitglied in der Dänischen Kommunistischen Partei und hat 1969 das sozial orientierte Kulturkollektiv "Rote Mutter" mitbegründet.

Das auch ins Deutsche übersetzte Vinterbørn (Winterkinder) (im DDR-Blog) basiert auf persönlicher Erfahrung, wurde in 22 Sprachen übersetzt und gipfelte 1979 in Astrid Henning-Jensens preisgekrönter Verfilmung. Auch in anderen Werken geht es um Familie und Sozialismus. Veröffentlicht wurden auch noch Reisebücher.

Friederike Mayröcker: Gesammelte Gedichte: 2004-2021

Das komplette lyrische Spätwerk versammelt in einem Band
Von Marcel Beyer herausgegeben und mit einem Nachwort versehen
Suhrkamp Verlag 2024
3518432079

Buchinfo
Friederike Mayröcker war eine der großen Dichterinnen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Immer wieder wurde sie für den Literaturnobelpreis ins Gespräch gebracht. Am 4. Juni 2021 verstarb sie mit 96 Jahren in ihrer Heimatstadt Wien. Der vorliegende Band knüpft an die Gesammelten Gedichte 1939-2003 (2004) an und trägt Friederike Mayröckers lyrisches Spätwerk bis zu ihrem allerletzten, 2021 entstandenen Proëm zusammen.

Als Friederike Mayröcker 2004 den 80. Geburtstag feierte und ihre Gesammelten Gedichte 1939-2003 erschienen waren, entschloss sie sich, noch einmal in eine ganz neue Richtung aufzubrechen. Nach und nach entwickelte sich so eine eigene Form, der sie den Namen "Proëm" gab – lyrische Erleuchtung und hellwache Weltbeobachtung, changierend zwischen Kurzprosa und Gedicht. Zu ihrem erklärten Ziel wurde es, schreibend den Tod, ihren erbitterten Feind, auf Distanz zu halten. Friederike Mayröcker tat es mit ungeahnter Produktivität und überbordendem Farbenreichtum, indem sie ihre Liebe zum Leben heraufbeschwor: In Erinnerungen an ihre wechselvolle Kindheit im Wien der zwanziger und dreißiger Jahre, an ihre Jahrzehnte an der Seite von Ernst Jandl, an zahllose Begegnungen mit Menschen, Kunstwerken und Musik. Dem Wechsel der Jahreszeiten folgte sie aufmerksamer denn je, und mit ihrer Sprachmacht verstand sie es, eine Blume auf dem Fensterbrett gegenüber zum Zentrum des Universums werden zu lassen.

 

Gila Lustiger: Die Schuld der anderen

Gila Lustiger (27. April 1963 geb.) studierte in Jerusalem Germanistik und Komparatistik. In diesem Zeitraum war sie auch Lektorin für Deutsche Literatur und Kinderliteratur in Tel-Aviv. 
1987 zog sie nach Paris, wo sie bis 1989 als Journalistin für das deutschsprachige Programm von Radio France Internationale und das ZDF arbeitete. Dann war sie als Lektorin für verschiedene französische Verlage tätig und veröffentlicht seit 1995 Romane.



Buchinfo
Schwüler Hochsommer beherrscht ganz Frankreich und lässt das Pariser Leben unter einer Hitzeglocke fast erstarren, als dem Redakteur Marc Rappaport ein besonderer Fahndungserfolg auffällt: Ein 27 Jahre zurückliegender Prostituiertenmord soll mit Hilfe modernster Technik endlich gelöst sein. Schnell steht für den investigativen Journalisten fest, dass es so einfach nicht sein kann. Er rollt den Fall neu auf. Seine Recherchen führen ihn bis tief in die französische Provinz und zu einem global agierenden Konzern, dessen Arbeiter seit dreißig Jahren an einer grausamen Krankheit sterben. Ein Abgrund an Korruption und Vertuschung tut sich auf, der schließlich auch Marc hinabzuziehen droht, denn alte Seilschaften sind in Funktion und wirken nicht nur in höchste politische Kreise, sondern auch bis in seine nächste Nähe. – Gila Lustiger gelingt mit "Die Schuld der anderen" ein atmosphärisch dichter und klug gebauter Roman über französische Verhältnisse als Spiegel unserer Gegenwart.

Buchbeginn
Es hatte ununterbrochen geregnet, doch schon in den frühen Morgenstunden war sämtliche Feuchtigkeit wieder verdunstet. Paris, für Sonne geradezu erschaffen, strahlte unter einem makellos blauen Himmel. Das Licht tanzte auf dem Fluss, während ein Boot voller träger, selbstvergessener Touristen vorbeizog und unter einer Brücke hindurchglitt. Die Ufermauern waren wie weiß gewaschen. Überhaupt schien dieses Vormittagslicht alle Farben zu schlucken. Nur noch hell, dunkel, Weiß, Ocker, Blau. Und dort, bei den akkurat gepflanzten Bäumen neben der Mauer des Seineufers, ein paar Flecken Grün.

Berlin Verlag, 2015
496 Seiten
ISBN-10: ‎3827012279
ISBN-13: ‎978-3827012272 
 

Samstag, 25. April 2026

Gabriele Wohmann: Eine souveräne Frau: Die schönsten Erzählungen

Buchinfo
Würden alle Figuren plötzlich lebendig werden, die in Gabriele Wohmanns unzähligen Erzählungen vorkommen, könnte man wohl eine Kleinstadt mit ihnen bevölkern. Man hätte das alltägliche Welttheater vor sich, allerdings eines, bei dem hinter den banalen Verrichtungen und Problemen die Bruchlinien der Existenz ausgeleuchtet werden. Es wäre mit Nachsicht gegenüber Unzulänglichkeiten und einem Humor ausgestattet, der selbst dem Scheitern noch eine überraschende Leichtigkeit und Komik verleiht. Damit sich der Leser nicht verliert in diesem verlockenden Figuren- und Geschichtengewimmel aus fünf Jahrzehnten, wurden nun die schönsten Erzählungen ausgewählt und mit dem Bonus einiger neuer Geschichten versehen.

Buchbeginn
Das Ganze liegt jetzt schon ein Jahr zurück, und es ist eigentlich traurig, dass ich mit Weihnachten nichts Besseres anzufangen weiß, als eine Geschichte zu Papier zu bringen, die ausgesprochen unweihnachtlich ist. Das Weihnachtsfest einer alten Jungfer, die es verschmäht, eine fortschreitende Ergrauung ihrer Haare in Zusammenarbeit mit einem tüchtigen Friseur zu bekämpfen, kann aber vielleicht nicht sinnvoller begangen werden als mit der intensiven Versenkung in eine Vergangenheit, die ihr die Erbärmlichkeit ihres Jungfernstandes recht grausam vor Augen führte.

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Georg Magirius
Aufbau, 1. Auflage 2012
286 Seiten
ISBN-10: ‎3351033931
ISBN-13: ‎978-3351033934