Sonntag, 7. Juni 2026

Zitat am Sonntag

 


Auf Spurensuche: Frauen in der Literaturgeschichte


 Ein Karteikarten-Archiv zu Schriftstellerinnen und Bücherfrauen


Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

in manchen Dingen bin ich altmodisch. Zum Beispiel notiere ich mir noch vieles auf Papier: Leselisten, Listen von Autorinnen, von denen ich alles lesen möchte, oder Namen von Frauen, deren Leben und Werk ich genauer erforschen möchte.

In den vergangenen Jahren habe ich begonnen, hauptsächlich Frauen zu lesen. Männer haben mir jahrzehntelang die Welt erklärt.

Die meiste Lesezeit meines Lebens liegt inzwischen hinter mir. Das scheint mir allerdings kein Grund zu sein, weniger neugierig zu werden. Im Gegenteil: Mit über sechzig beginne ich gerade ein neues Archiv und begebe mich auf die Suche nach Frauen, die in den Regalen der Literaturgeschichte oft nur schwer zu finden sind. 

Dabei möchte ich nach Frauen suchen, die nicht vergessen wurden, wie wir oft sagen, sondern die gar nicht erst im literarischen Kanon auftauchten. Und ich möchte nach den Frauen hinter den Büchern fragen: nach den Verlegerinnen, Übersetzerinnen, Lektorinnen und Wegbereiterinnen, die dazu beigetragen haben, dass Bücher entstehen konnten und ihren Weg zu den Leserinnen und Lesern fanden.

Dabei möchte ich den Blick nicht nur auf die westliche Welt richten, sondern auch weiter nach Osten schauen.

Für diese Frauen möchte ich ein Karteikarten-Archiv anlegen. 

In den vergangenen Wochen bin ich bei meinen Recherchen – nicht zuletzt mithilfe von KI – auf so viele Namen gestoßen, dass die Beschäftigung mit diesen Frauen beinahe zu einem Zweitberuf werden könnte.

Natürlich werdet ihr hier weiterhin Kurzbiografien und Buchtipps finden. Das Karteikarten-Archiv soll mein Arbeitsinstrument werden: der Ort, an den ich zuerst greife, wenn ich auf einen neuen Namen stoße und nachsehen möchte, ob diese Frau bereits im Archiv vertreten ist.

Eine wichtige Karte wird dabei die Netzwerk-Karte sein: Wer kannte wen? Wer arbeitete mit wem zusammen? Welche Verbindungen gab es über Länder- und Sprachgrenzen hinweg?

Wenn ihr Vorschläge habt oder zusätzliche Informationen zu den im Blog vorgestellten Frauen beisteuern möchtet, schreibt sie gern in die Kommentare.

Ich freue mich auf den Austausch mit euch.

Montag, 1. Juni 2026

Bärbel Wegner (Hg.): Die Freundinnen der Bücher - Buchhändlerinnen - Teil 1 + 2

 Ulrike Helmer Verlag, 2001


Buchinfo

In der großen Mehrzahl sind es Frauen, die ihre Leselust und Wissensfreude zum Beruf gemacht haben, gestern wie heute: Buchhändlerinnen wie jene legendären - Sylvia Beach und Adrienne Monnier in Paris, Mary S. Rosenberg in New York, Ilse Feltrinelli in Mailand - und wie so viele andere, die heute in großen und kleinen Orten, in Ost und West, in Buchhandlungen mit speziellem oder allgemeinem Sortiment sich und anderen die Liebe zum Buch bewahren. Und der Branche ihre Vielfalt verleihen. Dieses Buch will die Aufmerksamkeit einmal auf sie lenken und zugleich ihren Auszubildenden, Kundinnen und Kunden, generell allen Freundinnen und Freunden des Buchhandels einen ebenso kurzweiligen wie informativen Blick hinter die Kulissen eröffnen.


Buchbeginn

Richtig aufmerksam wurde ich auf mein Gefühl erst, als ein blutjunger Azubi mit feuerroten Apfelbäckchen, strahlend, liebenswürdig, mir gestand: "Weißt du, ich liebe diesen Beruf. Gut bezahlt ist er ja nicht gerade, aber die Bücher, die vielen Bücher um mich herum, jeden Tag ... Ich springe jeden Morgen voller Freude aus dem Bett und freue mich unbändig auf die Arbeit."

 

Teil 2

Buchinfo
Sie wirken in Sortimenten oder in Antiquariaten, verbinden in Bibliotheken und literarischen Salons Leselust mit Wissensfreude: die "Freundinnen der Bücher". Einfallsreichtum, originelle Ideen und, nicht zu vergessen, die alltäglichen Leistungen von Frauen in der Buchbranche zu würdigen ist Anliegen dieses Buches, der damit mehr Licht in den ,Dunklen Kontinent' des Buchhandels bringt. Denn noch immer ist "der Buchhändler" meistens eine Frau...
Im Mittelpunkt steht diesmal zugleich der Brückenschlag zwischen höchst unterschiedlichen Bücherwelten: dem umsatzorientierten Handel mit halbjährlichen Neuerscheinungen auf der einen Seite, Stätten des Hortens, Sammelns und Bewahrens alter Bücherschätze auf der anderen. Vermittlerinnen eröffnen hier wie dort erlebnisreiche Zugänge.

Buchbeginn
Eine Woche als Chefin in einer anderen Buchhandlung: Dazu gehört eine Menge Mut. Sara Willwerth und Gesine Klack haben den Rollentausch probiert - und so manches umgekrempelt.


Ulrike Helmer Verlag, 2003
205 Seiten
ISBN-10: 3897411024
 


Mittwoch, 27. Mai 2026

Brigitte Doppagne: Clara

Buchinfo
Ein Sommerabend 1900 in Worpswede. Die Bildhauerin Clara Westhoff ist zusammen mit ihren Malerfreunden Paula Becker und Otto Modersohn bei Heinrich Vogeler in seinen gastfreundlichen "Barkenhoff" eingeladen. Neben dem Kamin sitzt an diesem Abend ein Fremder: Rainer Maria Rilke, der, aus Rußland kommend, auf der Durchreise ist.

Mit wenigen Strichen, aber präzise und genau schildert die Autorin die ersten Stunden der Begegnung von Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke und fängt dabei die Aufbruchstimmung in der Worpsweder Künstlergemeinschaft ein: die Beziehungen der Freunde untereinander, ihr Suchen nach einem eigenständigen Weg, bei dem Kunst und Leben vereint sind, und nicht zuletzt die Faszination, die die Worpsweder Landschaft in ihrer Ruhe und Schönheit auf alle ausübt.

Buchbeginn
Zwischen hohen Kiefern schimmerten die weißen Wände eines großen Hauses. Eine Gestalt in einem hellen Kleid sprang vom Fahrrad und schob es den Waldhang hinauf, der Giebelfassade des Hauses und der davorgelegenen Estrade, an der rote und weiße Rosen emporrankten, entgegen. Vor der Tür und an den Enden der Estrade standen kleine Lorbeer- und Oleanderbäume. Die grünen Läden an den Fenstern waren aufgeklappt.

Zitate
"Tanzen Sie? fragte Clara atemlos, als hätte sie bereits etliche Runden durch den Raum gedreht. Verzeihen Sie. Nein. Ich hasse den Tanz, sagte Rilke. Er preßte die Lippen leicht aufeinander. Als hätte er eine Speise angeboten bekommen, deren Anblick ihm widerwärtig ist, dachte Clara. Sie tanzte."

"Ich will die Dinge so malen, wie sie sind, sagte Paula, riß einen blühenden Grashalm ab und begann, damit Muster in Claras Gesicht zu zeichnen. Oft fällt es mir schwer, die Zeit abzuwarten, bis ich etwas kann. Ich bin atemlos in der Arbeit, will weiter und weiter. Das Zeichnen befriedigt mich nicht, auch wenn ich weiß, daß es wichtig ist. Die Ölfarben, die liebe ich, sie sind so saftig, man kann seinen ganzen Schwung und seine Lust hineinlegen. Ich möchte zur Einfachheit der Form kommen, zur Tiefe der Farbe, zur Bewegung in der Farbe. Ich will erreichen, daß ein Gegenstand durch die Farbe des anderen vibriert. Und ich glaube, ich weiß jetzt, wie ich die Farben im Schatten, in der Dämmerung, zum Leuchten bringe:..."


Luchterhand Literaturverlag, Muenchen
2. Auflage, 1. März 1993
128 Seiten
ISBN-10: ‎3630868088
ISBN-13: ‎978-3630868080 
 

Montag, 25. Mai 2026

Hertha Vogel-Voll

Hertha Vogel-Voll, geb. Hertha Romana Voll (1898 – 1975)
von Sabine Neuhauß


Hertha Vogel-Voll wurde am 15. Oktober 1898 als Hertha Romana Voll in Bad Kissingen geboren. Ihre Eltern waren Künstler: der Bildhauer Roman Voll und eine Malerin, deren Name nicht zu finden war. Nach dem frühem Tod des Vaters an Tuberkulose geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mehrere Kinder wurden zeitweise in katholischen Waisenhäusern und Klostereinrichtungen untergebracht. Die dortigen Erfahrungen prägten die Autorin nachhaltig und finden in ihrem späteren Werk in Form religiöser Bildsprache sowie wiederkehrender Motive von Prüfung, Angst und Erlösung ihren Niederschlag.
Im Alter von acht Jahren kehrte Hertha zur Mutter, die erneut geheiratet hatte, zurück. Die Familie zog in die Nähe von Dresden; der Stiefvater plante für Hertha eine Laufbahn als Lehrerin. Im Zuge der geplanten Ausbildung zur Lehrerin besuchte sie das Dominikanerinnenkloster Wettenhausen. Dort erhielt sie neben schulischer Bildung auch musikalische und religiöse Prägungen, die sich später in ihren Werken widerspiegelten. Anschließend absolvierte sie eine Handelsschule in Dresden. Nach dem ersten Weltkrieg nahm sie eine Berufstätigkeit zunächst außerhalb des literarischen Betriebs auf.
Parallel dazu begann sie mit dem Verfassen von Märchen und fantastischen Erzählungen. Ihre frühen Texte zeigen Einflüsse romantischer Traditionen sowie eine deutliche Orientierung an symbolisch aufgeladenen Erzählformen. Einige der Arbeiten wurden in Zeitschriften veröffentlicht.
Im Jahr 1926 wirkte Hertha Voll am Aufbau großer Ausstellungen mit. Dabei lernte sie den Arzt Dr. Martin Vogel kennen, der am Deutschen Hygiene-Museum tätig war. Sie heirateten noch im selben Jahr. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Annemarie zur Welt. Die Familie lebte in Dresden-Hellerau, einem kulturell geprägten Stadtteil mit reformorientiertem Umfeld.
Neben ihrer familiären Tätigkeit arbeitete Hertha Vogel-Voll kontinuierlich an literarischen Texten. Bereits in den 1930er Jahren begann sie mit der Ausarbeitung des Stoffes, aus dem später ihr Hauptwerk Die Silberne Brücke hervorging.
1933 musste ihr Mann, der es zum Professor und wissenschaftlichen Direktor gebracht hatte, aus dem Hygiene-Museum ausscheiden. Er ließ sich als Arzt in Dresden nieder und begründete ab 1937 ein Forschungsinstitut für Ernährung.
Der Zweite Weltkrieg brachte erneut tiefe Einschnitte. Die Zerstörung Dresdens vernichtete auch das wissenschaftliche Institut ihres Mannes. Zwar baute er sich zu Hause eine neue Praxis auf, jedoch starb Martin Vogel 1947 bei einem Motorradunfall. Für Hertha Vogel-Voll brach damit nicht nur die Existenzgrundlage weg; durch den Verlust und die Trauer wäre sie selbst beinahe zerbrochen.
Gerade in dieser Zeit gelang ihr jedoch der literarische Durchbruch. 1948 wurde ihr Theaterstück Verwunschen, verzaubert in Dresden uraufgeführt und mit großem Erfolg aufgenommen. In einer frühen Aufführung spielte der junge Schauspieler Rolf Ludwig eine der Rollen. Der Erfolg ermutigte die Autorin, die bereits länger geplante Prosafassung zu veröffentlichen.
1949 erschien schließlich Die Silberne Brücke. Das Kinderbuch erzählt auf märchenhafte Weise von den Kindern Rose und Heinrich, die losziehen, um die Blaue Blume zu suchen, ohne die die Menschenherzen zu Stein werden und keine Freude mehr auf der Erde herrscht. Außerdem treibt das „Dicke Ende“ sein Unwesen, ein Ungeheuer, das die beiden
Kinder verfolgt. Nur wer ein reines Herz hat, kann die Blaue Blume finden; nur Kinder sind dazu in der Lage.
Das Buch versteht es, Kindern von der Welt zu erzählen und ein wenig Philosophie einfach nahezubringen, etwa dass Menschen leicht auf andere hören und blind für viele Dinge sind. Das Märchen verbindet klassische Motive der Romantik mit den Erfahrungen einer zerstörten Nachkriegswelt. Viele Leser empfanden das Buch als Trostschrift in einer Zeit moralischer und materieller Verwüstung.
Das Buch erreichte hohe Auflagen und wurde später durch weitere Märchensammlungen ergänzt, darunter Das blaue Wunder. Besonders in der DDR entwickelte sich Die Silberne Brücke zu einem viel gelesenen Werk, das bis heute aus den Köpfen der - eher älteren -Leserinnen und Leser nicht verschwunden ist. Das ist vermutlich auf die ungewöhnliche und ergreifende emotionale Tiefe der Geschichte zurückzuführen.
Die letzte Ausgabe der DDR erschien 1958, danach war es zwar nicht verboten, Neudrucke scheiterten jedoch, obwohl es durchaus eine Nachfrage gegeben hätte, immer wieder an den verweigerten staatlichen Papierzuteilungen.
Ende der 1950er Jahre schrieb Hertha Vogel-Voll das Theaterstück … und dann das goldene Lachen, einen Einakter über Frieden und Menschlichkeit. Obwohl das Stück zunächst erfolgreich aufgeführt wurde, wurde die Theaterleitung nach wenigen Wochen zur Absetzung des Stückes angewiesen. Eine offizielle Begründung erhielt die Autorin nie. Danach wurden ihre Werke in der DDR faktisch nicht mehr gedruckt.
Als Ursache wird in der Forschung vor allem die schwierige Vereinbarkeit ihres literarischen Ansatzes mit den kulturpolitischen Vorgaben des sozialistischen Realismus gesehen. Vogel-Volls Texte konzentrieren sich weniger auf gesellschaftspolitische Entwicklungen als auf moralische und spirituelle Fragestellungen. Ihre Werke zeichnen sich durch symbolische Verdichtung, religiöse Motive und eine ausgeprägt metaphysische Perspektive aus. Damit stand die Autorin nicht im Rahmen der kulturpolitischen Erwartungen der DDR.
In den folgenden Jahren arbeitete sie weiter an Romanen und fantastischen Erzählungen, darunter Das Licht auf dem vergessenen Stern. Veröffentlichungen blieben ihr jedoch weitgehend verwehrt. Die Autorin wurde kulturell isoliert und geriet zunehmend in Vergessenheit.
Hertha Vogel-Voll starb am 13. Juli 1975 in Dresden. Als Todesursache wird ein langjähriges Magenleiden genannt, das sie seit ihrer Kindheit belastete.
Erst Jahrzehnte später wurde ihr Werk erneut stärker wahrgenommen. 2004 erschien Die Silberne Brücke in einer Neuauflage mit einem Vorwort von Peter Sodann. Später folgte auch eine Hörbuchfassung, gelesen von Volker Lechtenbrink. Zusätzliche Bekanntheit erlangte das Werk durch eine Verfilmung im Rahmen der ARD-Märchenreihe Sechs auf einen Streich.
Hertha Vogel-Volls Werke stehen in der Tradition des deutschen Kunstmärchens. Sie verbinden fantastische Handlungselemente mit religiösen und symbolischen Motiven. Inhaltlich beschäftigen sich ihre Texte häufig mit den Themen Angst, Mitgefühl, Hoffnung und moralischer Bewährung.
Literaturwissenschaftlich wird ihr Werk gelegentlich in die Nähe romantischer Märchentraditionen gestellt. Gleichzeitig spiegeln ihre Texte die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts wider, insbesondere Krieg, Verlust und gesellschaftliche Umbrüche.

Heute gilt Hertha Vogel-Voll als eine eigenständige Stimme der deutschsprachigen Märchenliteratur, deren Werk nach längerer Vergessenheit wieder zunehmende Aufmerksamkeit erfährt.
Allerdings ist die Aufmerksamkeit noch nicht so groß, dass wirklich viel über sie zu erfahren wäre. Die Datenlage ist eher eingeschränkt.

https://taz.de/Von-Exponat-zu-Exponat/!734680/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hertha_Vogel-Voll
https://coloradio.org/?p=11642
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Silberne_Br%C3%BCcke
https://scifinet.org/scifinetboard/index.php/blog/70/entry-7891-hertha-vogel-voll-die-silberne-br%C3%BCcke/ 

Doris Hermanns: Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela: Die Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe

Kennt jemand Christa Winsloe? Ehrlich gesagt, bisher wusste ich nichts von ihr, obwohl ich mir das Buch schon im März 2020 gekauft habe. Dabei war sie in den 1930er Jahren weltberühmt.
Vielleicht könnte man sich an den Namen erinnern, sofern er denn im Vor- oder Abspann des Films "Mädchen in Uniform" aufgeführt wurde: "Nach einem Theaterstück von Christa Winsloe" in etwa.
Über Christa Winsloe ist nur wenig bekannt, und das oftmals fehlerhaft, was Doris Hermanns dazu bewegte, "weiter in Archiven zu forschen und Unbekanntes zutage zu fördern".

Ich war wirklich neugierig auf diese Künstlerin, zumal ich beim AvivA Verlag schon öfter auf ihren Namen gestoßen war. Was mich aber doch enttäuscht, sind die vielen vorhandenen Schreibfehler. Wenn es sich um einen Roman gehandelt hätte, hätte ich das Buch abgebrochen.

Buchinfo
Für kurze Zeit war sie weltberühmt. Nach ihrer Karriere als Bildhauerin widmete sich Christa Winsloe (1888-1944) dem Schreiben. Ihr erstes Theaterstück wurde 1931 unter dem Titel "Mädchen in Uniform" mit großem Erfolg verfilmt.
Die erste Biografie über Christa Winsloes bewegtes Leben von Deutschland nach Italien, Ungarn, Amerika und Frankreich, das mit ihrer Ermordung tragisch endete.

"Sie war immer eine ,von denen'. Immer zwischen allen Stühlen, zwischen den Fronten. Keine menschliche Gesellschaft fing sie auf." - Christa Reinig

Buchbeginn
"Die so entsetzlich unbegabten Engländer..."

Am 23.12.1888 wurde Christa Winsloe in Darmstadt geboren. Ihre Eltern waren der Rittmeister Arthur Winsloe und Katharina Elisabeth Winsloe, geborene Scherz.

Zitate
"Rückblickend auf ihre Jugend schrieb Winsloe später: ,Ich persönlich habe mich (…) unbeschreiblich langsam entwickelt, obwohl ich äußerlich sehr selbständig war. Aber erotisch und geistig von einer rührenden Naivität, verschwärmt und unreif bis weit über die zwanzig Jahre. Sehr unglücklich und sehr verlassen.'"

"Frauen wurde um die Jahrhundertwende lediglich Zeichnen, Malen, Musizieren (vornehmlich Klavier und Gesang), Sticken und Fremdsprachen als Äußerungen ihrer Kreativität zugestanden. Bildhauerei galt als Männersache, für die Muskeln und Stärke benötigt wurden. Bei der Arbeit bekam man rauhe Hände, wurde dreckig und staubig.
Das konnte nichts für bürgerliche Frauen sein, deren erstes Ziel im Leben eine Ehe war und die auf ihr Äußeres Wert legen sollten. Zudem galt die Arbeit an großen Werken als gefährlich, ermüdend und erforderte Ausdauer, auch dies war etwas, das man Frauen nicht zutraute."

Klaus Mann in einem Brief an die Malerin Eva Herrmann:
",Gleichfalls hingerichtet: meine Freundin Christa Hatvany-Winsloe (Du kanntest sie doch auch?); diese von der französischen ,résistance'. In ihrem Riviera-Haus sollen deutsche Offiziere versteckt gewesen sein. So wurde ihr dann der Prozeß gemacht, ein sehr kurzer Prozeß, der mit standrechtlicher Erschießung endete. War dies ungerecht? Vielleicht; denn für die Nazis hatte unsere Christa gewiß nichts übrig. Aber sie war wohl gar zu großzügig und zu tolerant, tolerant bis zur Schlampigkeit. Wenn man nichts für die Nazis übrig hat, tut man gut daran, den Umgang mit Nazi-Offizieren zu meiden, besonders in einem noch besetzten, fast schon befreiten Land. Die Unterdrückten verstehen keinen Spaß, wenn ihre Stunde kommt. Trotzdem tut es uns leid um unsere Christa, braves altes Stück. Es tut mir ganz entschieden leid um sie.'
Klaus Mann maßt sich hier ein Urteil über eine Situation an, über die er nur Gerüchte gehört hatte. Dieses Urteil wurde jedoch von zahlreichen Nachschlagewerken übernommen, die Winsloe aufgrund dieser Bemerkung bis heute als Nazi-Kollaborateurin verurteilen."


AvivA Verlag
1. Auflage 2012
317 Seiten
ISBN-10: 3932338537
ISBN-13: 978-3932338533