Montag, 25. Mai 2026

Hertha Vogel-Voll

Hertha Vogel-Voll, geb. Hertha Romana Voll (1898 – 1975)
von Sabine Neuhauß


Hertha Vogel-Voll wurde am 15. Oktober 1898 als Hertha Romana Voll in Bad Kissingen geboren. Ihre Eltern waren Künstler: der Bildhauer Roman Voll und eine Malerin, deren Name nicht zu finden war. Nach dem frühem Tod des Vaters an Tuberkulose geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mehrere Kinder wurden zeitweise in katholischen Waisenhäusern und Klostereinrichtungen untergebracht. Die dortigen Erfahrungen prägten die Autorin nachhaltig und finden in ihrem späteren Werk in Form religiöser Bildsprache sowie wiederkehrender Motive von Prüfung, Angst und Erlösung ihren Niederschlag.
Im Alter von acht Jahren kehrte Hertha zur Mutter, die erneut geheiratet hatte, zurück. Die Familie zog in die Nähe von Dresden; der Stiefvater plante für Hertha eine Laufbahn als Lehrerin. Im Zuge der geplanten Ausbildung zur Lehrerin besuchte sie das Dominikanerinnenkloster Wettenhausen. Dort erhielt sie neben schulischer Bildung auch musikalische und religiöse Prägungen, die sich später in ihren Werken widerspiegelten. Anschließend absolvierte sie eine Handelsschule in Dresden. Nach dem ersten Weltkrieg nahm sie eine Berufstätigkeit zunächst außerhalb des literarischen Betriebs auf.
Parallel dazu begann sie mit dem Verfassen von Märchen und fantastischen Erzählungen. Ihre frühen Texte zeigen Einflüsse romantischer Traditionen sowie eine deutliche Orientierung an symbolisch aufgeladenen Erzählformen. Einige der Arbeiten wurden in Zeitschriften veröffentlicht.
Im Jahr 1926 wirkte Hertha Voll am Aufbau großer Ausstellungen mit. Dabei lernte sie den Arzt Dr. Martin Vogel kennen, der am Deutschen Hygiene-Museum tätig war. Sie heirateten noch im selben Jahr. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Annemarie zur Welt. Die Familie lebte in Dresden-Hellerau, einem kulturell geprägten Stadtteil mit reformorientiertem Umfeld.
Neben ihrer familiären Tätigkeit arbeitete Hertha Vogel-Voll kontinuierlich an literarischen Texten. Bereits in den 1930er Jahren begann sie mit der Ausarbeitung des Stoffes, aus dem später ihr Hauptwerk Die Silberne Brücke hervorging.
1933 musste ihr Mann, der es zum Professor und wissenschaftlichen Direktor gebracht hatte, aus dem Hygiene-Museum ausscheiden. Er ließ sich als Arzt in Dresden nieder und begründete ab 1937 ein Forschungsinstitut für Ernährung.
Der Zweite Weltkrieg brachte erneut tiefe Einschnitte. Die Zerstörung Dresdens vernichtete auch das wissenschaftliche Institut ihres Mannes. Zwar baute er sich zu Hause eine neue Praxis auf, jedoch starb Martin Vogel 1947 bei einem Motorradunfall. Für Hertha Vogel-Voll brach damit nicht nur die Existenzgrundlage weg; durch den Verlust und die Trauer wäre sie selbst beinahe zerbrochen.
Gerade in dieser Zeit gelang ihr jedoch der literarische Durchbruch. 1948 wurde ihr Theaterstück Verwunschen, verzaubert in Dresden uraufgeführt und mit großem Erfolg aufgenommen. In einer frühen Aufführung spielte der junge Schauspieler Rolf Ludwig eine der Rollen. Der Erfolg ermutigte die Autorin, die bereits länger geplante Prosafassung zu veröffentlichen.
1949 erschien schließlich Die Silberne Brücke. Das Kinderbuch erzählt auf märchenhafte Weise von den Kindern Rose und Heinrich, die losziehen, um die Blaue Blume zu suchen, ohne die die Menschenherzen zu Stein werden und keine Freude mehr auf der Erde herrscht. Außerdem treibt das „Dicke Ende“ sein Unwesen, ein Ungeheuer, das die beiden
Kinder verfolgt. Nur wer ein reines Herz hat, kann die Blaue Blume finden; nur Kinder sind dazu in der Lage.
Das Buch versteht es, Kindern von der Welt zu erzählen und ein wenig Philosophie einfach nahezubringen, etwa dass Menschen leicht auf andere hören und blind für viele Dinge sind. Das Märchen verbindet klassische Motive der Romantik mit den Erfahrungen einer zerstörten Nachkriegswelt. Viele Leser empfanden das Buch als Trostschrift in einer Zeit moralischer und materieller Verwüstung.
Das Buch erreichte hohe Auflagen und wurde später durch weitere Märchensammlungen ergänzt, darunter Das blaue Wunder. Besonders in der DDR entwickelte sich Die Silberne Brücke zu einem viel gelesenen Werk, das bis heute aus den Köpfen der - eher älteren -Leserinnen und Leser nicht verschwunden ist. Das ist vermutlich auf die ungewöhnliche und ergreifende emotionale Tiefe der Geschichte zurückzuführen.
Die letzte Ausgabe der DDR erschien 1958, danach war es zwar nicht verboten, Neudrucke scheiterten jedoch, obwohl es durchaus eine Nachfrage gegeben hätte, immer wieder an den verweigerten staatlichen Papierzuteilungen.
Ende der 1950er Jahre schrieb Hertha Vogel-Voll das Theaterstück … und dann das goldene Lachen, einen Einakter über Frieden und Menschlichkeit. Obwohl das Stück zunächst erfolgreich aufgeführt wurde, wurde die Theaterleitung nach wenigen Wochen zur Absetzung des Stückes angewiesen. Eine offizielle Begründung erhielt die Autorin nie. Danach wurden ihre Werke in der DDR faktisch nicht mehr gedruckt.
Als Ursache wird in der Forschung vor allem die schwierige Vereinbarkeit ihres literarischen Ansatzes mit den kulturpolitischen Vorgaben des sozialistischen Realismus gesehen. Vogel-Volls Texte konzentrieren sich weniger auf gesellschaftspolitische Entwicklungen als auf moralische und spirituelle Fragestellungen. Ihre Werke zeichnen sich durch symbolische Verdichtung, religiöse Motive und eine ausgeprägt metaphysische Perspektive aus. Damit stand die Autorin nicht im Rahmen der kulturpolitischen Erwartungen der DDR.
In den folgenden Jahren arbeitete sie weiter an Romanen und fantastischen Erzählungen, darunter Das Licht auf dem vergessenen Stern. Veröffentlichungen blieben ihr jedoch weitgehend verwehrt. Die Autorin wurde kulturell isoliert und geriet zunehmend in Vergessenheit.
Hertha Vogel-Voll starb am 13. Juli 1975 in Dresden. Als Todesursache wird ein langjähriges Magenleiden genannt, das sie seit ihrer Kindheit belastete.
Erst Jahrzehnte später wurde ihr Werk erneut stärker wahrgenommen. 2004 erschien Die Silberne Brücke in einer Neuauflage mit einem Vorwort von Peter Sodann. Später folgte auch eine Hörbuchfassung, gelesen von Volker Lechtenbrink. Zusätzliche Bekanntheit erlangte das Werk durch eine Verfilmung im Rahmen der ARD-Märchenreihe Sechs auf einen Streich.
Hertha Vogel-Volls Werke stehen in der Tradition des deutschen Kunstmärchens. Sie verbinden fantastische Handlungselemente mit religiösen und symbolischen Motiven. Inhaltlich beschäftigen sich ihre Texte häufig mit den Themen Angst, Mitgefühl, Hoffnung und moralischer Bewährung.
Literaturwissenschaftlich wird ihr Werk gelegentlich in die Nähe romantischer Märchentraditionen gestellt. Gleichzeitig spiegeln ihre Texte die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts wider, insbesondere Krieg, Verlust und gesellschaftliche Umbrüche.

Heute gilt Hertha Vogel-Voll als eine eigenständige Stimme der deutschsprachigen Märchenliteratur, deren Werk nach längerer Vergessenheit wieder zunehmende Aufmerksamkeit erfährt.
Allerdings ist die Aufmerksamkeit noch nicht so groß, dass wirklich viel über sie zu erfahren wäre. Die Datenlage ist eher eingeschränkt.

https://taz.de/Von-Exponat-zu-Exponat/!734680/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hertha_Vogel-Voll
https://coloradio.org/?p=11642
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Silberne_Br%C3%BCcke
https://scifinet.org/scifinetboard/index.php/blog/70/entry-7891-hertha-vogel-voll-die-silberne-br%C3%BCcke/ 

Doris Hermanns: Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela: Die Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe

Kennt jemand Christa Winsloe? Ehrlich gesagt, bisher wusste ich nichts von ihr, obwohl ich mir das Buch schon im März 2020 gekauft habe. Dabei war sie in den 1930er Jahren weltberühmt.
Vielleicht könnte man sich an den Namen erinnern, sofern er denn im Vor- oder Abspann des Films "Mädchen in Uniform" aufgeführt wurde: "Nach einem Theaterstück von Christa Winsloe" in etwa.
Über Christa Winsloe ist nur wenig bekannt, und das oftmals fehlerhaft, was Doris Hermanns dazu bewegte, "weiter in Archiven zu forschen und Unbekanntes zutage zu fördern".

Ich war wirklich neugierig auf diese Künstlerin, zumal ich beim AvivA Verlag schon öfter auf ihren Namen gestoßen war. Was mich aber doch enttäuscht, sind die vielen vorhandenen Schreibfehler. Wenn es sich um einen Roman gehandelt hätte, hätte ich das Buch abgebrochen.

Buchinfo
Für kurze Zeit war sie weltberühmt. Nach ihrer Karriere als Bildhauerin widmete sich Christa Winsloe (1888-1944) dem Schreiben. Ihr erstes Theaterstück wurde 1931 unter dem Titel "Mädchen in Uniform" mit großem Erfolg verfilmt.
Die erste Biografie über Christa Winsloes bewegtes Leben von Deutschland nach Italien, Ungarn, Amerika und Frankreich, das mit ihrer Ermordung tragisch endete.

"Sie war immer eine ,von denen'. Immer zwischen allen Stühlen, zwischen den Fronten. Keine menschliche Gesellschaft fing sie auf." - Christa Reinig

Buchbeginn
"Die so entsetzlich unbegabten Engländer..."

Am 23.12.1888 wurde Christa Winsloe in Darmstadt geboren. Ihre Eltern waren der Rittmeister Arthur Winsloe und Katharina Elisabeth Winsloe, geborene Scherz.

Zitate
"Rückblickend auf ihre Jugend schrieb Winsloe später: ,Ich persönlich habe mich (…) unbeschreiblich langsam entwickelt, obwohl ich äußerlich sehr selbständig war. Aber erotisch und geistig von einer rührenden Naivität, verschwärmt und unreif bis weit über die zwanzig Jahre. Sehr unglücklich und sehr verlassen.'"

"Frauen wurde um die Jahrhundertwende lediglich Zeichnen, Malen, Musizieren (vornehmlich Klavier und Gesang), Sticken und Fremdsprachen als Äußerungen ihrer Kreativität zugestanden. Bildhauerei galt als Männersache, für die Muskeln und Stärke benötigt wurden. Bei der Arbeit bekam man rauhe Hände, wurde dreckig und staubig.
Das konnte nichts für bürgerliche Frauen sein, deren erstes Ziel im Leben eine Ehe war und die auf ihr Äußeres Wert legen sollten. Zudem galt die Arbeit an großen Werken als gefährlich, ermüdend und erforderte Ausdauer, auch dies war etwas, das man Frauen nicht zutraute."

Klaus Mann in einem Brief an die Malerin Eva Herrmann:
",Gleichfalls hingerichtet: meine Freundin Christa Hatvany-Winsloe (Du kanntest sie doch auch?); diese von der französischen ,résistance'. In ihrem Riviera-Haus sollen deutsche Offiziere versteckt gewesen sein. So wurde ihr dann der Prozeß gemacht, ein sehr kurzer Prozeß, der mit standrechtlicher Erschießung endete. War dies ungerecht? Vielleicht; denn für die Nazis hatte unsere Christa gewiß nichts übrig. Aber sie war wohl gar zu großzügig und zu tolerant, tolerant bis zur Schlampigkeit. Wenn man nichts für die Nazis übrig hat, tut man gut daran, den Umgang mit Nazi-Offizieren zu meiden, besonders in einem noch besetzten, fast schon befreiten Land. Die Unterdrückten verstehen keinen Spaß, wenn ihre Stunde kommt. Trotzdem tut es uns leid um unsere Christa, braves altes Stück. Es tut mir ganz entschieden leid um sie.'
Klaus Mann maßt sich hier ein Urteil über eine Situation an, über die er nur Gerüchte gehört hatte. Dieses Urteil wurde jedoch von zahlreichen Nachschlagewerken übernommen, die Winsloe aufgrund dieser Bemerkung bis heute als Nazi-Kollaborateurin verurteilen."


AvivA Verlag
1. Auflage 2012
317 Seiten
ISBN-10: 3932338537
ISBN-13: 978-3932338533
 

Donnerstag, 21. Mai 2026

Barbara Sichtermann und Ingo Rose: Frauen, einfach genial - 18 Erfinderinnen, die unsere Welt verändert haben

Fantastische Erfindungen

Die Welt ist voller phantastischer Erfindungen. Erfindungen, die man damals wie heute wohl kaum mit einer Frau in Verbindung bringen würde. Bis lange ins 20. Jahrhundert hinein wirkten Frauen vorwiegend für die Familie. Und doch, oder gerade deshalb, konnte es geschehen, dass die Kreativen unter ihnen Dinge erfanden - für Haushalt, Kindererziehung, Körperpflege oder Mode. Aber auch in männliche Domänen wagten sich einige Mutige. Die Schauspielerin Hedy Lamarr entwickelte in den 1930er Jahren eine Fernsteuerung für Torpedos, deren Prinzip noch heute in Geräten wie dem Funktelefon genutzt wird. Auch der Scheibenwischer, den Mary Anderson austüftelte, der Paketfallschirm von der Luftfahrtpionierin Käthe Paulus und das Tortendiagramm von Florence Nightingale kommen nicht aus der häuslichen Welt.

In Vertretung der vielen einfallsreichen Frauen sei hier eine näher vorgestellt: Josephine  M. Cochrane, die Erfinderin des Geschirrspülers.

Josephine M. Cochrane wurde am 8. März 1839 in Ashtabula County, Ohio, in den USA geboren. Bis zum Tod ihres Mannes lebte sie im Wohlstand. Sie hatte Angestellte, die alle häuslichen Arbeiten verrichteten, doch waren sie unachtsam im Umgang mit dem wertvollen Familien-Porzellan. So übernahm die Dame des Hauses den Abwasch lieber selbst, obwohl sie diese Arbeit hasste. 

So entstand die Idee zu einer Maschine, die das Geschirr reinigen sollte. Nachdem ihr Mann 1883 gestorben war und ihr 1000 Dollar hinterlassen hatte, begann sie mit der Umsetzung ihres Vorhabens. Mit Hilfe des Eisenbahnmechanikers George Butters entwickelte sie die erste funktionierende Geschirrspülmaschine. Auf der Weltausstellung in Chicago erhielt sie dafür 1893 einen Preis für "die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung". 

Zunächst interessierten sich vor allem Restaurants und Hotels für die neue Erfindung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Geschirrspülautomat so erschwinglich, dass er auch in Privathaushalten Einzug hielt.

Zwar konnte Josephine Cochrane von den Erträgen ihrer Erfindung leben, doch musste sie dafür viel reisen und Kundenkontakte pflegen. Das lag ihr wenig. Sie war viel mehr eine Erfinderin als Unternehmerin. Kurz vor ihrem Tod sagte sie: "Wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich nie den Mut gehabt, anzufangen."

Josephine M. Cochrane starb am 3. August 1913 im Alter von 74 Jahren.

 
Knesebeck, 2010
128 Seiten
ISBN-10: ‎3868731172
ISBN-13: ‎978-3868731170 

Vicki Baum: Vor Rehen wird gewarnt

Buchinfo 

"Vor Rehen wird gewarnt." Diesen Satz, den er einmal in einem Wildpark gelesen hat, kann Rechtsanwalt Watts nur jedem entgegnen, der von der zarten und aufopferungsvollen Ann Ambros spricht. Denn so rehäugig Ann auch durchs Leben geht, so rücksichtslos nimmt sie sich, was sie will. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, treibt nicht nur San Francisco, sondern auch Wien zur Verzweiflung, sorgt dafür, dass sie stets das Beste bekommt und dass man ihr noch dankbar ist, wenn man ihr das letzte Hemd schenken darf. Vicki Baum erzählt von einer Frau, der man nicht in die Quere kommen will – und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.


 Buchbeginn
"Ach, du liebe Güte", seufzte die schmächtige alte Dame beim Anblick der hohen Stufen, die es zu besteigen galt, um in den Eisenbahnwagen zu gelangen; ihre gebrechliche Zierlichkeit, ihr halb humoristischer, halb verzweifelt-hilfloser Ausdruck machten aus diesen drei einfachen Stufen ein Hindernis ersten Grades, eine uneinnehmbare Festung, ein unbezwingliches Gebirge. Selbst der Pullmanschaffner spürte etwas davon, und mit einem fröhlich-verlegenen "Entschuldigen die Dame -" unterstützte er sachte das zierliche Leichtgewicht am Ellbogen und hob es behutsam hinauf. 

Arche Literatur Verlag AG
Aus dem amerikanischen Englisch von Carl Heinz Ostertag
2. Auflage 23. April 2021
Auflage ‏ : ‎ 2.
416 Seiten
ISBN-10: ‎3716040320
ISBN-13: ‎978-3716040324 

Dienstag, 19. Mai 2026

Julie Phillips: Das Doppelleben der Alice B. Sheldon

James Tiptree Jr (eigentlich Alice B. Sheldon; 24.8.1915 - 19.5.1987) benutzte dieses Pseudonym zwischen 1968 und 1987 für die Veröffentlichung der meisten ihrer Science-Fiction-Kurzgeschichten sowie zweier SF-Romane. Weitere Erzählungen erschienen auch unter dem Pseudonym Raccoona Sheldon. Alice Sheldon gilt heute als eine der besten Kurzgeschichten-Autorinnen des Science-Fiction-Genres.
Der Septime-Verlag hat ihr Gesamtwerk rausgebracht.

Buchinfo
Tiptrees geheimnisvolle Identität faszinierte die Fans und gab Anlass zu vielen Spekulationen, freilich glaubten alle, sie sei ein Mann. Die Aufdeckung noch zu Lebzeiten war ein Schlag: Diese knappen, harten und frechen Kurzgeschichten, die nur allzu häufig mit dem Tod endeten, waren von einer alten Dame mit weißen Federlöckchen geschrieben worden … Alice Bradley Sheldon, die mit 51 Jahren erste Erzählungen unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree Jr. veröffentlichte und schnell zu Ruhm kam, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein ungewöhnliches und dichtes Leben hinter sich. Als bildhübsche, intelligente und verwöhnte Tochter einer oberen Mittelschichtfamilie aus Chicago verbringt sie große Teile ihrer Kindheit in Afrika, wird Malerin und Kunstkritikerin und ist im 2. Weltkrieg in der US-Armee tätig. Sie arbeitet für die CIA, bewirtschaftet eine Hühnerfarm, promoviert in Psychologie. Die amerikanische Journalistin Julie Phillips erzählt die spannende Biografie einer faszinierenden Persönlichkeit. Es wird die komplexe und tragische Geschichte einer Frau geschildert, die ein halbes Jahrhundert zu früh geboren wurde: immerfort im Schatten der erfolgreichen Mutter, frühe dysfunktionale Ehe, ein tiefgründiges Unbehagen über die eigene, vor allem sexuelle Identität und das damit einhergehende Gefühl der Isolation; langfristige Amphetaminabhängigkeit und Depressionen. Nach einem vorab geschlossenen Selbstmordpakt erschießt Sheldon im Alter von 71 Jahren erst ihren Mann und dann sich selbst.
 

Marie Under

Marie Under wurde am 27. März 1883 in Tallinn geboren und starb am 25. September 1980 in Stockholm. Sie war eine estnische Dichterin, deren Gedichte vom Lebensdurst sowie einer Hingabe an Liebe und Natur geprägt sind.

Marie Under wurde als Tochter des Schullehrers Priidu (Friedrich) Under und seiner Frau Leena Under (geborene Kerner) geboren. Die Familie stammte ursprünglich von der Insel Hiiumaa. Von 1891 bis 1900 besuchte sie die Deutsche Mädchenschule in Tallinn. Marie Under begann bereits als Elfjährige, erste Gedichte zu schreiben, zunächst vor allem in deutscher Sprache. 1902 heiratete sie Carl Hacker und war als Buchhändlerin tätig. Die Familie lebte bis 1906 in Moskau.

Gefördert durch den Maler Ants Laikmaa widmete sich Marie Under mehr und mehr der Dichtkunst in estnischer Sprache. Sie gehörte von Anfang an der stark dem Symbolismus verpflichteten Bewegung Siuru an. Bereits ihr erster Gedichtband Sonetid ("Sonette") wurde 1917 ein literarischer Erfolg. Ihre Gedichte sind geprägt vom Lebensdurst sowie einer Hingabe an Liebe und Natur. 1927 heiratete sie den estnischen Dichter Artur Adson und wurde eine der einflussreichsten estnischen Lyrikerinnen.

1944 floh Marie Under vor der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion nach Schweden. Dort mischten sich verstärkt Töne des Heimwehs nach Estland in ihr Werk. Von 1945 bis 1957 war sie am Theatermuseum von Stockholm tätig. 

Freitag, 15. Mai 2026

Maria Gustaava Jotuni

Maria Gustaava Jotuni wurde am 9. April 1880 in Kuopio (eine kleine Stadt in Ostfinnland) geboren. Sie war eine große finnische Schriftstellerin und Dramatikerin.

Ihr Vater war Schmied und Alkoholiker. Obwohl die Familie arm war, ermöglichte sie es den sechs Kindern (Maria war die zweitälteste), höhere Schulen zu besuchen. Maria Jotuni studierte an der Universität von Helsinki Geschichte, vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Während des Studiums lernte sie Autoren kennen wie Strindberg, Ibsen, Hamsun, Altenberg und Tschechov.

Sie war ihrer Zeit immer voraus. Ihr Werk wurde anerkannt und gleichzeitig kritisiert. Sie engagierte sich sozial, schreckte nicht davor zurück, gesellschaftliche Tabu-Themen anzusprechen. Das machte sie in der etablierten finnischen Gesellschaft nicht gerade beliebt. Viljo Tarkiainen jedoch, Professor für finnische Literatur an der Universität Helsinki und ihr späterer Ehemann, war unter vielen anderen einer der großen Verteidiger des dramatischen Werkes von Maria Jotuni.

Maria Gustaava Jotuni starb am 30. September 1943 in Helsinki.