Dienstag, 11. August 2026

Ruth Jordan: George Sand. Die große Liebende

Buchinfo
George Sand (1804-1876) war eine der schillerndsten Gestalten im Frankreich des 19. Jahrhunderts, berühmt geworden durch ihre zahllosen Liebesaffären, vor allem mit Alfred de Musset und Frédéric Chopin. Und doch tut man ihr unrecht, sie nur als große Liebhaberin zu sehen, denn sie war eine ungewöhnlich geistreiche Frau, deren Interesse an Politik enorm war, und die sich - ungewöhnlich für das Jahrhundert, in dem sie lebte - mit unzähligen Fragen sozialer Natur beschäftigte. George Sand war schon nach ihrer Herkunft eine außergewöhnliche Frau: Väterlicherseits stammte sie von polnischen Aristokraten, mütterlicherseits von einer Putzmacherin ab, und ihr Pseudonym nahm sie von ihrem ersten Liebhaber, Jules Sandeau, an. Die Verfasserin dieser Biographie zeigt in einer brillanten Darstellung nicht nur den ganzen Bogen dieses teilweise skandalösen Lebens, sondern wird auch der hochbegabten Schriftstellerin gerecht, die ein bedeutendes literarisches Werk hinterlassen hat.


Heyne, 1978
Übersetzt von Otto von Czernicki
Reihe: Heyne Biographien
ISBN-10: ‎3453550471
ISBN-13: ‎978-3453550476 

 

Montag, 10. August 2026

Mary Shelley: Verwandlung/Derfalsche Vers/Die Trauernde

 Buchinfo
Als Schöpferin des "Frankenstein" erlangte Mary Shelley (1797-1851) Weltruhm. Dieser Band versammelt drei ihrer schönsten Erzählungen, von denen zwei erstmals auf deutsch erscheinen. "Verwandlung" und "Der falsche Vers" entführen den Leser in die Zeit der Renaissance. "Die Trauernde", in der ein Knabe das Schicksal einer geheimnisvollen Einsiedlerin enthüllt, zeugt eindringlich von Melancholie und Todessehnsucht der englischen Romantik.

Buchbeginn
Verwandlung
Man erzählt sich, daß, wenn jemandem ein seltsames, übernatürliches und gespenstisches Abenteuer widerfahren ist, diese Person sich manchmal fühlt, als hätte ein seelisches Erdbeben ihren Geist erschüttert, und sie den Zwang spürt, ihr tiefstes Inneres einem Menschen offenzulegen, wie sehr sie auch den Wunsch hegen mag, alles zu verbergen. Ich kann bezeugen, daß dies der Wahrheit entspricht. Ich habe mir innig geschworen, niemals menschlichen Ohren das Grauen zu offenbaren, dem ich mich einst, in einem Überschwang bösen Stolzes, hingegeben habe. Der heilige Mann, der meine Beichte hörte und mich mit der Kirche versöhnte, ist tot. Niemand weiß, daß einst...


Manesse, 2003
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort von Alexander Pechmann
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Februar 2003
96 Seiten
ISBN-10: ‎3717540351
ISBN-13: ‎978-3717540359 

Sonntag, 9. August 2026

Sofie Frank

 Das "Nürnberger Künstlerlexikon: Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte" ´, herausgegeben von Manfred H. Grieb, enthält über Sofie Frank nur diesen Eintrag:

"Frank, Sofie geb. Tuchmann, Mundartdichterin, * 5. 2. 1854 Uehlfeld b. Neustadt/Aisch - † 16. 8. 1930 Nürnberg. MuS: NÜRNBERG,StadtB. Ausst.: 1966/5."

Da bietet uns Sophie Patacky in ihrem Lexikon deutscher Frauen der Feder schon ein paar mehr Informationen über die Dichterin.

Sofie Frank wurde am 5. Februar 1854 in Nürnberg, Neudörferstrasse 15, zu Fürth in Bayern geboren, wo ihr Vater Kaufmann war. Mit sechs und sieben Jahren besuchte sie die Töchterinstitute der Stadt. Sie war anders als die anderen Mädchen: ihr Sinn war ernst, laute Spiele und Lustigkeiten waren ihr fremd. Sie las und lernte gerne. Die Neigung zur Poesie hatte sie wohl vom Varer. Die Mutter bestärkte sie darin und so schuf sie viele Gelegenheitsdichtungen.

Mit 21 Jahren heiratete sie den Kaufmann Frank. Als Hausfrau und Mutter widmete sie sich mit regem Eifer dichterischer und schriftstellerischer Tätigkeit - ging mit diesen Versuchen auch an die Öffentlichkeit. Aufführungen, Chorlieder und Ähnliches schrieb sie für Vereine und Privatkreise. Sie verfasste auch Rätselaufgaben. Gut 300 Rätsel von ihr sind in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt worden. Vornehmlich in Nürnberg wurden auch Feuilletons, Humoresken, Erzählungen, Berichte, Gedichte, hochdeutsch und in allen Dialekten, veröffentlicht.

Sie war Mitglied der angesehensten litterarischen Vereinigungen und bekleidete beim dortigen Journalisten- und Schriftstellerverein das Ehrenamt der 1. Schriftführerin. Belohnt wurde sie mit Preisen und Auszeichnungen. Zur nationalen Ausstellung in Nürnberg im Jahre 1896 erschien ein "Bayerisches Dichteralbum", in dem von ihr ein größeres humoristisches Gedicht veröffentlicht wurde, das den Wettstreit der beiden Städte München und Nürnberg behandelte.


Samstag, 8. August 2026

Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Buchinfo
Mit unbedingter Aufrichtigkeit erzählt hier eine der klügsten Frauen des Jahrhunderts die Geschichte ihrer Jugend bis zur Begegnung mit Jean-Paul Sartre. Dies ist zugleich die Geschichte aus dem Bann der konventionellen Denk- und Lebensformen des Elternhauses und damit ihrer Befreiung zu sich selbst.

Buchbeginn
Ich bin am 9. Januar 1908 um vier Uhr morgens geboren, und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspail zu lag. Auf Familienfotografien, die aus dem folgenden Sommer stammen, sieht man junge Damen in langen Kleidern und straußfedergeschmückten Hüten sowie Herren mit ,Kreissägen' und Panamas auf dem Kopf, die einem Baby zulächeln; das sind meine Eltern, mein Großvater, meine Onkel und Tanten - und ich.


Rowohlt Taschenbuch, 1975
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens
496 Seiten
ISBN-10: ‎3499110660
ISBN-13: ‎978-3499110665
Originaltitel: ‎Mémoires d'une jeune fille rangée, 1958

Donnerstag, 6. August 2026

Christina Ama Ata Aidoo

 Die ghanaische Schriftstellerin und Politikerin Christina Ama Ata Aidoo wurde am 23. März 1942 in Saltpond geboren. Ihr Vater war der Häuptling der Fante aus Abeadzi Kyiakor in der Central Region Ghanas. Zu dieser Zeit war die Region noch englische Kolonie und trug den Namen Goldküste.

Ihr Großvater wurde von Neokolonialisten ermordet, was für den Vater der Grund war, eine Dorfschule zu errichten, damit die Kinder und Familien des Dorfes über die Geschichte und die Ereignisse der Zeit unterrichtet werden.

Sie besuchte die High-School und studierte von 1961 bis 1964 Anglistik. An der Uni spielte sie in einer Theatergruppe und nahm an einem Workshop für Schriftsteller teil. Hier entstand 1964 ihr erstes Stück „The Dilemma of a Ghost“. Bis 1967 lehrte sie selbst an dieser Uni.

Zu Beginn der 1980er Jahre war Aidoo Erziehungsministerin im Kabinett Ghanas unter Präsident Jerry Rawlings. Ihr Ziel war freie Bildung für alle, doch nach 18 Monaten legte sie ihr Amt nieder, da sich ihre Vorstellungen nicht verwirklichen ließen. Sie kritisierte jene gebildeten Afrikaner, die angeben, ihr Land zu lieben, sich aber von den Vorteilen der Industrieländer verführen lassen. Sie persönlich glaubt an eine ausgeprägte afrikanische Identität, die sie aus weiblicher Perspektive betrachtet.

Aidoo unterrichtete auch viel im Ausland: In Großbritannien, Deutschland, Simbabwe und den USA (hier erhielt sie ein Stipendium für kreatives Schreiben an der Stanford University in Kalifornien).

In ihren Werken findet sich die ereignisreiche Geschichte ihres Landes wieder, auch mit Blick auf Politik und Religion. 

Für ihren Roman Die Zweitfrau/Changes erhielt sie neben vielen anderen Preisen den Commonwealth Writers Prize für das beste Buch (Afrika). Leider ist dieses Buch auch das einzige, das es ins Deutsche geschafft hat.

Im Jahr 2000 gründete Aidoo die Mbaasem Foundation, um die Arbeit afrikanischer Schriftstellerinnen zu fördern und zu unterstützen.

Mittwoch, 5. August 2026

Kerstin Ehmer: Heldinnen der Meere. Sechzehn Frauen und ihr Leben für die Ozeane

Ich lernte in diesem Buch durchweg interessante und mutige Frauen kennen. 
Wahnsinnig spannend die Geschichte von Isabelle Autissier. Vielleicht erinnert sich jemand an ihr Buch "Herz auf Eis"? In der Geschichte konnte sie aus dem Vollen aus ihrem Leben schöpfen.

Buchinfo
Eine Umweltaktivistin, die allein auf einer abgelegenen Insel lebt. Eine Schwimmerin, die als erste Frau den Ärmelkanal durchquert. Eine Freibeuterin, die sich am König rächt. Auch wenn Epochen und Kontinente zwischen Zoe Lucas, Trude Ederle und Jeanne de Clisson liegen, verbindet sie doch eines: das Meer.

Kerstin Ehmer erzählt von klugen und unerschrockenen Frauen der Ozeane aus Wissenschaft, Kunst, Sport, Kultur und Mythologie.
Biografien wie die von Virginia Woolf, Isabelle Autissier Elisabeth Mann Borgese zeigen eindrücklich, dass das Meer schon immer auch Schauplatz weiblicher Heldengeschichten war.

Buchbeginn
Vorwort
Die Frauen der Meere

Wir haben das Meer ins Herz geschlossen. In seinen von großen Himmeln überspannten Weiten, in der Ferne seiner Horizonte suchen und finden wir Entspannung oder Inspiration, Raum für neues Denken. Glücklich verlieren wir uns im Anblick des Meeres, berauschte Protagonistinnen und Protagonisten einer seltsam unbestimmten Offenbarung. Das Meer ist für uns ein Geschenk, sein Wasser wirkmächtig, sein salziger Atem Medizin

Zitat
Im Kapitel über Isabelle Autissier:
Es war also nicht die Gefahr, die sie immer wieder aufs Meer lockte, nicht der Nervenkitzel oder der Ehrgeiz. Auf die oft gestellte Frage, warum sie sich das alles antat, fand sie eine einigermaßen überraschende Antwort. Es sei das Erleben der ungeheuren, grenzenlosen Macht des Meeres gewesen, das sie reizte, und dieser Macht begegnete sie als Seglerin am liebsten allein. An Land könne der Mensch Häuser und Straßen bauen, ein Chaos anrichten, all das sei auf dem Meer möglich. Eine Seglerin erkundet den Wind, die Wellen, die Strömung. Ihre Sicherheit hängt davon ab, wie gut sie es versteht, mit dem Wind zu gehen und mit ihm zu spielen. Sie kämpft nicht gegen, sondern mit dem Meer, denn das Meer ist unbezwingbar. 


Im Kapitel über Imap Ukûa:
Im Fjord schob der Sturm die Eisschollen zusammen, schleuderte sie auf die Schären, türmte sie zu weißen, kantigen Gebilden übereinander, ließ sie knacken und knirschen und schließlich wimmern und heulen wie lebendige Wesen. Dann kam Schnee. Er verwandelte die Nacht in ein himmel- und bodenloses Durcheinander aus wirbelndem Weiß, das schließlich auch das Feuer unter sich begrub. Sturm und Nacht hatten sich durchgesetzt.


mareverlag, 2026
Mit Illustrationen von Astrid und Robert Nippoldt
224 Seiten
ISBN-10: ‎3866487460
ISBN-13: ‎978-3866487468
 

Montag, 3. August 2026

Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Frauen beschimpfen Frauen

Buchinfo
Frauen schimpfen anders als Männer. Zumindest in der Öffentlichkeit. Das macht Evelyne Polt-Heinzl deutlich, die mit detektivischem Gespür Biographien, Briefwechsel und Rezensionen gesichtet und dabei herzhafte wie subtile Bösartigkeiten von Schriftstellerinnen, Frauenrechtlerinnen, Schauspielerinnen, Schwiegermüttern und anderen Frauen des öffentlichen Lebens zusammengetragen hat.
Wo Männer rauhbeinig, aber dafür unmißverständlich ins Feld ziehen, da gehen Frauen oft zweideutiger vor. Nicht immer entledigen sie sich ihres angestauten Mißmuts mit befreienden verbalen Rundumschlägen. Sie bedienen sich auch gerne scheinbar wohlwollender Sympathiebekundungen, die hinter der freundlichen Tarnkappe alles, nur nichts Gutes vermuten lassen. Ob sie das so herrlich effektiv macht - die weibliche Häme? Grund genug, ihr ein kleines Denkmal zu setzen.

Zitat
Die Herabsetzung von Frauen durch Frauen wird überall gelehrt - in der Schule, in den Jobs, im Journalismus. Frauen werden nicht mit dem Wissen geboren, wie man andere Frauen niedermacht. Es wird ihnen sorgfältig beigebracht. Sie lernen, daß es nur Platz für eine Alibifrau, einen Lehrerliebling, einen weiblichen Kapo gibt, deren Job es sein wird, die Nicht-Existenz von Diskriminierung zu zeigen. Sie hat es trotz schlechter Chancen geschafft. Sie ist da, um zu beweisen, daß es jede schaffen kann. - Erica Jong

Reclam 1997
ASIN: B00HP37FSU