Donnerstag, 13. August 2026

Anna Elisabet Weirauch: Der Skorpion

Buchinfo
Ein Klassiker der LGBTQ+-Literatur — Jetzt in einer neuen, ungekürzten englischen Übersetzung

Als Anna Elisabet Weirauch 1919 in Berlin den ersten Band von "Der Skorpion" veröffentlichte — neun Jahre vor Radclyffe Halls "The Well of Loneliness" — fand er sofort eine begeisterte Leserschaft. 1926 zensiert, weil man befürchtete, er könnte die Jugend verderben, und auf den nationalsozialistischen Index der gefährlichen Literatur gesetzt, überlebte er dennoch: von Hand zu Hand weitergegeben, übersetzt, neu aufgelegt, gekürzt und von Groschenheft-Verlagen verstümmelt.

Diese Ausgabe enthält:

Eine neue, ungekürzte englische Übersetzung aus dem deutschen Original
Sowohl Buch Eins (1919) als auch Buch Zwei (1921) — den vollständigen Bogen, den Weirauch als eine einzige Geschichte konzipiert hatte
Eine umfassende Einleitung der Herausgeberin
Wissenschaftliche Analysen beider Bände
Historische Anmerkungen zu jedem Kapitel
Eine umfassende Bibliographie zu Anna Elisabet Weirauch

Buchinfo

Mette Rudloff wächst mutterlos in Berlin auf, erzogen von einem wohlmeinenden, aber distanzierten Vater und einer herrschsüchtigen Tante. Als junge Frau treibt sie durch eine beengende gesellschaftliche Welt aus Handarbeitskreisen und langweiligen französischen Lesekreisen, bis eines Tages eine Tür aufgeht und Olga Radó in ihr Leben tritt.

Was folgt, ist eine der großen Liebesgeschichten der Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Olga ist brillant, kultiviert, bestimmend, schwer zu fassen — eine Frau, die ein goldenes Zigarettenetui trägt, in das ein Skorpion eingraviert ist.

Sie wird Mettes Lehrerin, ihr geistiges Erwachen und schließlich ihre große Liebe. Doch ihre Beziehung existiert in einer Gesellschaft, die keinerlei Toleranz dafür aufbringt, und Mettes Familie — angeführt von der unerbittlichen Tante Emilie — mobilisiert jede Waffe, die ihr zur Verfügung steht: Privatdetektive, Psychiater, erzwungene Trennung und den unablässigen Druck der Wohlanständigkeit.

Der Skorpion ist keine Tragödie, und es ist auch keine Geschichte triumphaler Befreiung. Es ist etwas Selteneres und Ehrlicheres: die Geschichte einer Frau, die lernt, mit dem vollen Gewicht dessen zu leben, wer sie ist.

Die LGBTQ+-Bibliothek der Ovid Publishing Group bringt vergessene und übersehene Werke der queeren Literatur durch neue englische Übersetzungen und sorgfältig kommentierte Ausgaben wieder in den Druck. Die Reihe ist auf gemeinfreie Werke vom achtzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert spezialisiert und rettet Stimmen, die zensiert, strafrechtlich verfolgt, anonym veröffentlicht oder schlicht dem Vergessen anheimgefallen waren. 


Ovid Publishing Group, 2026
421 Seiten
ISBN-10: ‎1972807102
ISBN-13: ‎978-1972807101

Mittwoch, 12. August 2026

Georg Hamann: Bertha von Suttner auf Reisen: Postkarten an Haushälterin und Hund

Buchinfo
Unterwegs für den Frieden 

Der Welterfolg ihres Antikriegsromans "Die Waffen nieder!" machte Bertha von Suttner 1889 schlagartig berühmt. Als Galionsfigur der internationalen Friedensbewegung reiste sie von nun an unermüdlich durch Europa und die USA, nahm an pazifistischen Kongressen teil und hielt mitreißende Vorträge, die Tausende Menschen begeisterten. Wo immer sie war, sandte sie Postkarten an ihre treue Haushälterin Kathi Buchinger nach Wien. Diese kurzen, bislang unveröffentlichten Schreiben ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Leben der gefeierten Schriftstellerin auf Reisen. Zusammen mit den Einordnungen des Historikers Georg Hamann ergibt sich anlässlich des 120. Jubiläums der Nobelpreisverleihung ein überraschend neues Bild von Bertha von Suttner, deren Friedensbotschaft wieder besonders aktuell ist.


Leseprobe
Arthurs Gesundheit verschlechterte sich derweil immer weiter. Er klagte über Schmerzen, und die gemeinsamen Freunde erschraken über sein elendes Aussehen. Seine Frau durchlebte nun "alle Phasen des Bangens und Hoffens, des Verzagens und Verzweifelns". Konnte ein weiterer Kuraufenthalt Linderung bringen?

Amalthea Signum
1. Auflage 2025
224 Seiten
ISBN-10: ‎3990502905
ISBN-13: ‎978-3990502907 
 

Dienstag, 11. August 2026

Ruth Jordan: George Sand. Die große Liebende

Buchinfo
George Sand (1804-1876) war eine der schillerndsten Gestalten im Frankreich des 19. Jahrhunderts, berühmt geworden durch ihre zahllosen Liebesaffären, vor allem mit Alfred de Musset und Frédéric Chopin. Und doch tut man ihr unrecht, sie nur als große Liebhaberin zu sehen, denn sie war eine ungewöhnlich geistreiche Frau, deren Interesse an Politik enorm war, und die sich - ungewöhnlich für das Jahrhundert, in dem sie lebte - mit unzähligen Fragen sozialer Natur beschäftigte. George Sand war schon nach ihrer Herkunft eine außergewöhnliche Frau: Väterlicherseits stammte sie von polnischen Aristokraten, mütterlicherseits von einer Putzmacherin ab, und ihr Pseudonym nahm sie von ihrem ersten Liebhaber, Jules Sandeau, an. Die Verfasserin dieser Biographie zeigt in einer brillanten Darstellung nicht nur den ganzen Bogen dieses teilweise skandalösen Lebens, sondern wird auch der hochbegabten Schriftstellerin gerecht, die ein bedeutendes literarisches Werk hinterlassen hat.


Heyne, 1978
Übersetzt von Otto von Czernicki
Reihe: Heyne Biographien
ISBN-10: ‎3453550471
ISBN-13: ‎978-3453550476 

 

Montag, 10. August 2026

Mary Shelley: Verwandlung/Der falsche Vers/Die Trauernde

 Buchinfo
Als Schöpferin des "Frankenstein" erlangte Mary Shelley (1797-1851) Weltruhm. Dieser Band versammelt drei ihrer schönsten Erzählungen, von denen zwei erstmals auf deutsch erscheinen. "Verwandlung" und "Der falsche Vers" entführen den Leser in die Zeit der Renaissance. "Die Trauernde", in der ein Knabe das Schicksal einer geheimnisvollen Einsiedlerin enthüllt, zeugt eindringlich von Melancholie und Todessehnsucht der englischen Romantik.

Buchbeginn
Verwandlung
Man erzählt sich, daß, wenn jemandem ein seltsames, übernatürliches und gespenstisches Abenteuer widerfahren ist, diese Person sich manchmal fühlt, als hätte ein seelisches Erdbeben ihren Geist erschüttert, und sie den Zwang spürt, ihr tiefstes Inneres einem Menschen offenzulegen, wie sehr sie auch den Wunsch hegen mag, alles zu verbergen. Ich kann bezeugen, daß dies der Wahrheit entspricht. Ich habe mir innig geschworen, niemals menschlichen Ohren das Grauen zu offenbaren, dem ich mich einst, in einem Überschwang bösen Stolzes, hingegeben habe. Der heilige Mann, der meine Beichte hörte und mich mit der Kirche versöhnte, ist tot. Niemand weiß, daß einst...


Manesse, 2003
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort von Alexander Pechmann
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Februar 2003
96 Seiten
ISBN-10: ‎3717540351
ISBN-13: ‎978-3717540359 

Sonntag, 9. August 2026

Sofie Frank

 Das "Nürnberger Künstlerlexikon: Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte" ´, herausgegeben von Manfred H. Grieb, enthält über Sofie Frank nur diesen Eintrag:

"Frank, Sofie geb. Tuchmann, Mundartdichterin, * 5. 2. 1854 Uehlfeld b. Neustadt/Aisch - † 16. 8. 1930 Nürnberg. MuS: NÜRNBERG,StadtB. Ausst.: 1966/5."

Da bietet uns Sophie Patacky in ihrem Lexikon deutscher Frauen der Feder schon ein paar mehr Informationen über die Dichterin.

Sofie Frank wurde am 5. Februar 1854 in Nürnberg, Neudörferstrasse 15, zu Fürth in Bayern geboren, wo ihr Vater Kaufmann war. Mit sechs und sieben Jahren besuchte sie die Töchterinstitute der Stadt. Sie war anders als die anderen Mädchen: ihr Sinn war ernst, laute Spiele und Lustigkeiten waren ihr fremd. Sie las und lernte gerne. Die Neigung zur Poesie hatte sie wohl vom Varer. Die Mutter bestärkte sie darin und so schuf sie viele Gelegenheitsdichtungen.

Mit 21 Jahren heiratete sie den Kaufmann Frank. Als Hausfrau und Mutter widmete sie sich mit regem Eifer dichterischer und schriftstellerischer Tätigkeit - ging mit diesen Versuchen auch an die Öffentlichkeit. Aufführungen, Chorlieder und Ähnliches schrieb sie für Vereine und Privatkreise. Sie verfasste auch Rätselaufgaben. Gut 300 Rätsel von ihr sind in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt worden. Vornehmlich in Nürnberg wurden auch Feuilletons, Humoresken, Erzählungen, Berichte, Gedichte, hochdeutsch und in allen Dialekten, veröffentlicht.

Sie war Mitglied der angesehensten litterarischen Vereinigungen und bekleidete beim dortigen Journalisten- und Schriftstellerverein das Ehrenamt der 1. Schriftführerin. Belohnt wurde sie mit Preisen und Auszeichnungen. Zur nationalen Ausstellung in Nürnberg im Jahre 1896 erschien ein "Bayerisches Dichteralbum", in dem von ihr ein größeres humoristisches Gedicht veröffentlicht wurde, das den Wettstreit der beiden Städte München und Nürnberg behandelte.


Samstag, 8. August 2026

Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Buchinfo
Mit unbedingter Aufrichtigkeit erzählt hier eine der klügsten Frauen des Jahrhunderts die Geschichte ihrer Jugend bis zur Begegnung mit Jean-Paul Sartre. Dies ist zugleich die Geschichte aus dem Bann der konventionellen Denk- und Lebensformen des Elternhauses und damit ihrer Befreiung zu sich selbst.

Buchbeginn
Ich bin am 9. Januar 1908 um vier Uhr morgens geboren, und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspail zu lag. Auf Familienfotografien, die aus dem folgenden Sommer stammen, sieht man junge Damen in langen Kleidern und straußfedergeschmückten Hüten sowie Herren mit ,Kreissägen' und Panamas auf dem Kopf, die einem Baby zulächeln; das sind meine Eltern, mein Großvater, meine Onkel und Tanten - und ich.


Rowohlt Taschenbuch, 1975
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens
496 Seiten
ISBN-10: ‎3499110660
ISBN-13: ‎978-3499110665
Originaltitel: ‎Mémoires d'une jeune fille rangée, 1958

Donnerstag, 6. August 2026

Christina Ama Ata Aidoo

 Die ghanaische Schriftstellerin und Politikerin Christina Ama Ata Aidoo wurde am 23. März 1942 in Saltpond geboren. Ihr Vater war der Häuptling der Fante aus Abeadzi Kyiakor in der Central Region Ghanas. Zu dieser Zeit war die Region noch englische Kolonie und trug den Namen Goldküste.

Ihr Großvater wurde von Neokolonialisten ermordet, was für den Vater der Grund war, eine Dorfschule zu errichten, damit die Kinder und Familien des Dorfes über die Geschichte und die Ereignisse der Zeit unterrichtet werden.

Sie besuchte die High-School und studierte von 1961 bis 1964 Anglistik. An der Uni spielte sie in einer Theatergruppe und nahm an einem Workshop für Schriftsteller teil. Hier entstand 1964 ihr erstes Stück „The Dilemma of a Ghost“. Bis 1967 lehrte sie selbst an dieser Uni.

Zu Beginn der 1980er Jahre war Aidoo Erziehungsministerin im Kabinett Ghanas unter Präsident Jerry Rawlings. Ihr Ziel war freie Bildung für alle, doch nach 18 Monaten legte sie ihr Amt nieder, da sich ihre Vorstellungen nicht verwirklichen ließen. Sie kritisierte jene gebildeten Afrikaner, die angeben, ihr Land zu lieben, sich aber von den Vorteilen der Industrieländer verführen lassen. Sie persönlich glaubt an eine ausgeprägte afrikanische Identität, die sie aus weiblicher Perspektive betrachtet.

Aidoo unterrichtete auch viel im Ausland: In Großbritannien, Deutschland, Simbabwe und den USA (hier erhielt sie ein Stipendium für kreatives Schreiben an der Stanford University in Kalifornien).

In ihren Werken findet sich die ereignisreiche Geschichte ihres Landes wieder, auch mit Blick auf Politik und Religion. 

Für ihren Roman Die Zweitfrau/Changes erhielt sie neben vielen anderen Preisen den Commonwealth Writers Prize für das beste Buch (Afrika). Leider ist dieses Buch auch das einzige, das es ins Deutsche geschafft hat.

Im Jahr 2000 gründete Aidoo die Mbaasem Foundation, um die Arbeit afrikanischer Schriftstellerinnen zu fördern und zu unterstützen.