Dienstag, 21. April 2026

Pat O'Shea: Die Meute der Mórrigan

Aus dem Englischen von Bettine Braun
Verlag Freies Geistesleben

Buchinfo
Beste irische Erzähltradition - Abenteuer trifft Fantasy und verzaubert beim Lesen! Die Welt der irischen Götter ist in Aufruhr - Mórrígan, die Göttin des Krieges und des Schlechten überhaupt, will die Herrschaft über alle Lebewesen übernehmen. Der zehnjährige Pidge und seine kleine Schwester Brigit geraten zwischen die Fronten von Gut und Böse. Ein ungleicher Kampf beginnt... Können sie die mächtige Mórrígan und ihre Meute aufhalten? Pat O’Shea hat eine einzigartige Geschichte über zwei mutige Kinder im Kampf zwischen Gut und Böse in der Welt der irischen Mythologie geschaffen. Ein fantasiereiches Buch voller Spannung, Humor und Tiefe in bester irischer Erzähltradition.

Buchbeginn
Prolog
Sie stiegen auf, hoch in die Lüfte und durchflogen die Himmel. Von Westen und von jenseits des Westens her, mit dem Wind und gegen den Wind, an zahllosen Monden und Sonnen vorbei. Die eine lachte und trug für Augenblicke einen Schleier aus Regentropfen im Haar; dann trat sie boshaft nach einer Wolke, sodass deren Regen ein ganzes Boot füllte.
 

Freies Geistesleben
1. Auflage 2023
575 Seiten
ISBN-10: ‎3772529100
ISBN-13: ‎978-3772529108
Ab 12 Jahren
Originaltitel: ‎The Hounds of the Mórrigan  

Vera Lourié: Briefe an Dich. Erinnerungen an das russische Berlin

Die russisch-deutsche Dichterin Vera Lourié (21. April 1901 - 11. September 1998) war im Petrograder "Haus der Künste" Schülerin des Dichters Nikolaj Gumiljow. Dort gehörte sie einem Kreis junger Dichter an, der sich "Die tönende Muschel" nannte. Nach der Ermordung Gumiljows emigrierte sie im Herbst 1921 mit ihrer Familie aus Petrograd nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tode lebte.
Sie gehörte in den 1920er Jahren zur russischen literarischen Szene Berlins. 

Herausgegeben von Doris Liebermann

Schöffling & Co., 2014
280 Seiten

Buchinfo
"Briefe an Dich" sind die Erinnerungen der letzten Zeitzeugin des "russischen Berlins" der zwanziger Jahre. In einer Mischung aus Tagebuch und Briefen schildert Vera Lourié ihre Kindheit und Jugend in St. Petersburg, wo sie behütet aufwuchs und sich als junge Frau der Schauspiel- und Dichtkunst zuwandte. Sie erzählt von der dramatischen Flucht der Familie nach der Oktoberrevolution ebenso anschaulich wie von den russischen Kreisen in Berlin. Hier verkehrte sie in einer Bohème aus Künstlern und Literaten, erlebte Intrigen und Liebesaffären. Die Zeit des Nationalsozialismus überlebte sie trotz Kontakten zum deutschen Widerstand, der Festnahme durch die Gestapo und der Inhaftierung ihrer Mutter im KZ Theresienstadt. Ihre beherzte Geistesgegenwart kam ihr auch zugute, als die sowjetische Armee einmarschierte, die den bürgerlichen russischen Flüchtlingen feindlich gesonnen war. Sie überstand Not und Hunger der Nachkriegszeit und war dann lange vergessen, bis sie als Literatin und Zeitzeugin wiederentdeckt wurde und sich im hohen Alter noch einmal verliebte. Dies beflügelte sie zur Niederschrift ihrer Memoiren, die hier, um autobiographische Texte, Dokumente und Fotos aus dem Nachlass ergänzt, erstmals vollständig veröffentlicht werden.

Buchbeginn
Liebste,
das Wetter ist kühl, regnerisch, keine Sonne. Die schreckliche Stille in der Wohnung. Du würdest es sicher wunderschön finden! Aber die letzten Tage habe ich sogar Angst, bis zum Bäcker allein zu gehen, und dieser Zwang, zu Hause zu bleiben, geht auf die Nerven. Schluss mit dem Jammern, es wird dich nur ärgern.
Heute will ich weit zurückwandern in das Jahr 1917. 
 

Montag, 20. April 2026

Dorothea Zeemann: Reise mit Ernst

Die österreichische Schriftstellerin Dorothea Zeemann (20. April 1909 - 11. Dezember 1993) begann Anfang der 1930er Jahre, ermutigt durch den engen Freund Egon Friedell, ihre literarische Karriere; doch erst zehn Jahre später wurde ihr erstes Werk veröffentlicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie freiberufliche Publizistin und Kritikerin.

1979 hatte sie dann endlich mit ihren zwei autobiographischen Romanen den literarischen Durchbruch. In ihrem Spätwerk befasst sie sich mit dem Thema der weiblichen Sexualität im Alter.


Deuticke Verlag, 1. Auflage 1991
122 Seiten
ISBN-10: ‎3854631073
ISBN-13: ‎978-3854631071

Buchinfo

Ein Mann und eine Frau reisen nach Rom, in die "ewige Stadt". Unterwegs lernt man einander kennen oder findet bestätigt, was man ohnedies schon voneinander weiß. Es ist die Reise einer Frau, die sich im Klimakterium befindet, mit einem homosexuellen Intellektuellen. Ernst - so heißt der Mann - bedient sich ihrer, sie dient ihm - aber wer da wirklich der Stärkere ist, ist durch den Anschein nicht ausgemacht. Ernst hat soviel Ordnung in seinem Kopf geschaffen, daß kein Chaos mehr in der Lage ist, ihn für länger aus seiner Ordnung hervorzulocken. Die Frau an seiner Seite macht dagegen Erfahrungen, aber wie weit sie damit kommen wird, bleibt ihr selber in dieser ach so geordneten, männlichen Welt ungewiß.

Freitag, 17. April 2026

Tania Blixen: Gespensterpferde - Nachgelassene Erzählungen

Aus dem Dänischen von Ursula Gunsilius
Übertragung der Gedichte von Kristian Pech
Hinstorff Verlag, 1982
ISBN-10: ‎3356002082
ISBN-13: ‎978-3356002089 

Buchinfo
Die alte Sattelkammer bewahrt ihr kostbares Geheimnis; ein "schwarzes Schaf" garantiert einer bürgerlichen Familie von Generation zu Generation Ansehen und Wohlstand; der Scharfrichter erweist der Delinquentin vor der Hinrichtung seine Reverenz; ein Kindermörder wird von seinem eigenen Gewissen in den Tod getrieben; der Kuß einer uralten Lappin macht einem armen Studenten die Märchenwelt des Nordlandes lebendig.
Phantastisches und Mystisches begibt sich in den Erzählungen Tania Blixens. Sie versetzt den Leser in vergangene Zeiten und in fremde Länder.
Eine Meisterin dänischer Kurzprosa mit zehn Geschichten, die über fünfzig Jahre ihres schriftstellerischen Wirkens umreißen.

Buchbeginn
Meine Leser, ich will euch nicht dazu verleiten, etwas zu lesen, was ihr später bereuen könntet. Hier ist eine Geschichte, die kein anderes Verdienst hat als eine ganz ausgezeichnete Moral.
Aber es gab vor hundert Jahren in Amsterdam eine Familie, und es gibt sie vielleicht noch, die, obwohl sie bürgerlich war, in Achtbarkeit und Rechtschaffenheit alle anderen übertraf. Da das viele Jahre so gewesen war und es den Anschein hatte, daß sich ihre große Rechtschaffenheit vom Vater auf den Sohn vererbte, war bald im ganzen Land die Zugehörigkeit zur Familie de Cats gleichbedeutend mit dem Ruf, ein ausgezeichneter Mensch zu sein. Sie hatten die höchsten Ämter inne, sowohl geistliche als auch weltliche, und das entsprach dem Wunsch des ganzen Volkes, denn sie waren nicht nur für ihre Rechtschaffenheit bekannt, sie waren auch tüchtige Leute, sie waren klug und stark und sehr reich. 
 

Donnerstag, 16. April 2026

Aphra Behn: Werke

"Ein wildes Fest der Geschlechter

Oroonoko ist ein westafrikanischer Prinz, der als Sklave in die Kolonien verkauft wird und dort einen Aufstand anzettelt. Die schöne Miranda nutzt ihr blendendes Aussehen, um daraus Profit zu schlagen, und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Der Freibeuter Willmore stellt auf dem Karneval von Neapel Frauen nach und wird von Hellena gebändigt, die ein Leben in – sexueller – Freiheit dem Kloster vorzieht. Der an ,Mondwahn' leidende Doktor Baliardo schließlich erlebt sein blaues Wunder, als ihm vermeintlich Außerirdische einen Besuch abstatten.

Aphra Behn – eine Feministin avant la lettre – ist die erste bekannte freie Schriftstellerin Englands und "Erfinderin" des realistischen Romans, wie wir ihn kennen. Ob in ihrem Prosawerk oder in ihren Erfolgskomödien, ihr Figurenarsenal könnte unterschiedlicher nicht sein. Doch all ihre Heldinnen und Helden eint, dass sie sich keinen Zwängen und Konventionen fügen wollen. Behns Themenspektrum reicht von Gender Trouble bis zur Zivilisationskritik und stets begehrt sie auf gegen die unterdrückte Stellung der Frauen in ihrer Epoche.

Virginia Woolf und Vita Sackville-West machten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Aphra Behn aufmerksam. Ist sie die berühmte Schwester Shakespeares, die Woolf in ihrem Essay "Ein Zimmer für sich allein" imaginiert?
Ja und nein. Sie schrieb einige der erfolgreichsten Komödien der englischen Restaurationszeit, beeinflusste Schriftstellerinnen wie Delarivier Manley, Charlotte Lennox, Eliza Haywood und Mary Astell und kritisierte die Kolonialgeschichte Englands, kaum dass es sie gab. Trotzdem geriet sie fast vollständig in Vergessenheit. Ihre Renaissance in England läuft hochtourig. In Deutschland ist sie bislang lediglich ein Geheimtipp – höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert.

Neben dem autofiktionalen Roman ,Oroonoko' enthält diese Werkauswahl in Neu- und Erstübersetzungen die Erzählungen ,Die schöne Scheinheilige', ,Liebesbriefe an einen Edelmann' und ,Die Abenteuer der schwarzen Lady', die Komödien ,Der Freibeuter' und ,Der Herrscher des Mondes' sowie eine breite Auswahl aus Aphra Behns lyrischem Schaffen."

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Pressestimmen gibt es beim AvivA-Verlag, der vergessene Autorinnen dem Vergessen entreißt und sie ins rechte Licht rückt: https://www.aviva-verlag.de/programm/ich-lehne-es-ab-meine-zunge-im-zaum-zu-halten-fliegen-sollst-du/

AvivA, 2021
620 Seiten
ISBN-10: ‎ 3949302018
ISBN-13: ‎ 978-3949302015

Dienstag, 14. April 2026

Liesbet Dill: Tagebuch einer Mutter

Herausgegeben von Magda Birkmann und Nicole Seifert
Rowohlt-Verlag
Reihe: rororo-Entdeckungen, 2024 (1943)
432 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3499014688
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499014680 

Buchinfo
Eine literarische Wiederentdeckung von großer erzählerischer und emotionaler Kraft, ein mitreißendes Leseerlebnis. Ein Roman über Mutterschaft, über Möglichkeiten, über Lebensentwürfe von Frauen.

Oliva Nordeck lebt nach dem Kriegstod ihres Mannes nahezu mittellos und allein mit vier kleinen Kindern. Jahrelang schlägt sich die Familie mehr schlecht als recht in einer namenlos bleibenden mitteldeutschen Stadt durch, bevor sie schließlich ein kleines, baufälliges Häuschen am Stadtrand beziehen. Hier hat Oliva alle Hände voll zu tun mit den großen und kleinen Katastrophen des Alltags als alleinerziehende Mutter von vier äußerst lebhaften Teenagern, deren Eigenheiten und Bedürfnissen sie immer wieder mit großer Gelassenheit, Verständnis und Selbstaufopferung begegnet. Nur hier und da gelingt es ihr, ein paar Minuten Zeit für sich selbst zu stehlen, um auf ihrem geliebten Flügel zu spielen, Bücher zu lesen oder selbst kleine literarische Versuche zu unternehmen, die sie dann heimlich an Zeitungen verschickt. Und immer wieder gerät sie in Situationen, in denen sie die Möglichkeiten eigener Selbstverwirklichung gegen das Glück ihrer Kinder abwägen muss ...

Buchbeginn
"Wie kommt es, Ma, dass die Kleider im Schrank immer kürzer werden?" Ulla, die mir hilft, die Wintersachen auf dem Balkon auszuklopfen, hat festgestellt, dass ihre Kleider ihr alle nicht mehr passen, denn Ulla wächst schrecklich rasch und schießt in die Höhe, dass einem angst werden kann. Sie ist darüber nicht unglücklich, denn nun wird sie die Sachen von ihrer Schwester Margot bekommen, und da Margot meine Kleider aufträgt, die noch aus meiner besseren Zeit stammen und von guten Schneidern gemacht sind freut sie sich darauf. Auf Ullas Leib ist noch nie ein neues Stück gekommen außer einer Wachstuchschürze oder wenn Tante Constanze aus Dresden mal eine selbst gehäkelte Mütze oder einen Schal schickt.
 

Links
"Nacht und Tag"-Blog von Nicole Seifert
 

Alice Schwarzer: Simone de Beauvoir. Weggefährtinnen im Gespräch

Kiepenheuer & Witsch
1. Auflage 2007
122 Seiten
ISBN-10: ‎ 3462039563
ISBN-13: ‎ 978-3462039566 

Klappentext
Zum ersten Mal begegnet Alice Schwarzer in Paris Simone de Beauvoir im Jahre 1971. Aus der politischen Zusammenarbeit wird eine persönliche Freundschaft. In den Jahren 1972 bis 1982 führt Schwarzer fünf Interviews mit der bedeutendsten feministischen Theoretikerin des 20. Jahrhunderts. Diese Gespräche mit der Schriftstellerin und Philosophin gelten nicht nur als die persönlichsten, die je mit ihr geführt wurden, sondern erregten auch weltweit Aufsehen als Dokument einer politischen Wende. Die Weggefährtinnen sprechen über Politik, die Frauenbewegung und die Linke, über Liebe, Sexualität und Männer, über Leidenschaft und Alter.

Buchbeginn
Simone de Beauvoir:
Ich konnte ganz offen antworten

Diese Interviews mit Alice Schwarzer haben zwischen Anfang 1972 und September 1982 stattgefunden: zehn Jahre. Dank unserer feministischen wie persönlichen Freundschaft war sie in der Lage, mir die Fragen zu stellen, die mich interessierten, und konnte ich ihr ganz und gar offen antworten. Diese Gespräche spiegeln also sehr genau meine Haltung zum Feminismus in der Zeitspanne, in der sie geführt wurden - eine Haltung, die ich bis heute habe.

Zitate
"Nichts war ihr zu radikal. Doch in ihrem Auftritt war sie oft überraschend wohlerzogen - die Art, wie sie ihre Handtasche auf den Knien umklammert halten konnte..." - (Alice Schwarzer) 


"Da man den Frauen nicht die Schönheit des Geschirrspülens preisen kann, preist man ihnen die Schönheit der Mutterschaft." - (Simone de Beauvoir)