Dienstag, 24. März 2026
Christian Grawe: "Darling Jane" - Jane Austen - Eine Biographie
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Buchinfo
Elizabeth Bennett, Emma und natürlich Mr Darcy – die Lieben und Leiden der Figuren aus Jane Austens Werken sind bekannt. Doch was weiß man über die Frau, die sie erschuf?
Die Biographie des Literaturwissenschaftlers und Austen-Experten Christian Grawe bietet eine lebendige Darstellung von Austens Leben und entwirft zugleich ein Gesamtbild des sozialen, politischen und literarischen Umfelds um 1800, das den Hintergrund der Romane bildet.
Buchbeginn
Erstes Kapitel
Steventon 1775-1801
Janes Lebenszeit (1775-1817) umfasst eine der ereignisreichsten und turbulentesten Epochen der europäischen Geschichte. In dieser Zeit wurde in Frankreich der Staat von 1789 bis 1799 durch die Revolution vollständig umgeformt und Europa durch Napoleons Herrschaft von 1799 bis 1815 in Krieg und Chaos gestürzt. Die politische Ordnung des europäischen Kontinents wurde erschüttert, die soziale vorübergehend infrage gestellt.
Zitate
"Es ist deshalb auch kein Wunder, dass ihre Romane gerade in der höheren Gesellschaft besonders geschätzt wurden, wie der Brief einer Mrs Pele bestätigt, den Jane Austen kopierte:
,Alle Werke Miss Austens zu lesen ist ein besonderes Vergnügen. Sie sind so offensichtlich von einer Gentlewoman geschrieben. Die meisten Romanschriftstellerinnen versagen und verraten sich bei dem Versuch, Familienszenen in der höheren Gesellschaft zu beschreiben; irgendeine Vulgarität schleicht sich immer ein und zeigt, dass sie nicht aus eigener Anschauung das kennen, was sie schreiben, aber hier ist es ganz anders. Alles wirkt natürlich, und die Situationen und Ereignisse werden auf eine Weise erzählt, die deutlich beweist, dass die Autorin zu der Gesellschaft gehört, deren Lebensart sie so gekonnt schildert.'"
"Ich wähle eine Heldin, für die niemand außer mir viel übrighaben wird."
Jane Austen über 'Emma'
Sonntag, 22. März 2026
Isidora Sekulic: Briefe aus Norwegen
Ausgewählte Texte aus den Jahren 1913 bis 1951
Aus dem Serbischen übersetzt und herausgegeben von Tatjana Petzer
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Buchinfo
Im Herbst 1913 reist Isidora Sekulic durch Norwegen. Die junge Autorin lässt sich von der Natur verzaubern: von den steilen Fjorden und endlosen Fjells, von der majestätischen Stille und den Lichtern des Nordens. Neben Gastfreundschaft und Geselligkeit erlebt sie die Melancholie und Einsamkeit in den entlegenen Winkeln des Landes, lernt das Wesen der norwegischen Kultur und Gesellschaft kennen.
Besonders beeindruckt ist Isidora Sekulic davon, wie selbstverständlich auch alleinstehende Frauen dazugehören - etwas, das sie in ihrer Heimat Serbien schmerzlich vermisst.
Buchbeginn
Oslo (Kristiana), Ende August [1913]
Vor langer Zeit lebte ein König namens Gylfi, und es geschah einmal, dass durch sein Land eine seltsame Frau zog, die ihn unterhielt und betörte mit ihren Zauberkünsten. Der König versprach ihr als Belohnung so viel Land, wie vier Ochsen an einem Tag und in einer Nacht umpflügen können.
Ich liebe es, wenn jemand auf schöne Weise über Maritimes schreiben kann. Wenn ich solche Zeilen lese, bekomme ich Fernweh, obwohl ich mich doch lieber auf Land befinde. Ja, am Meer bin ich gerne, aber es zieht mich in Wirklichkeit nicht hinaus. Und schon gar nicht, wenn ich diese Zeilen lese:
"Wir stachen in eine graue, kalte, träge und schwere See und starrten aufmerksam in das Gesicht dieses sozusagen bösen Wassers. Das sind keine geschmeidigen Wellen, die sich wiegen, fließen und schäumen; das sind starre Platten, die aufeinanderstoßen, herabstürzen und zerbrechen. Dieser Raum ist nicht mit Wasser gefüllt, dieser Raum ist mit Wasser gepflastert. Wenn die Flüssigkeit an einer Stelle doch aufschäumt, ist der Schaum hart und scharf wie Steinsplitter, aber am häufigsten sieht man helle, gerade und scharfe Kanten auf den starren Wellen, die vermutlich kalt wie Messer sind. Und wenn nur ein leichter, flinker Wind aufkommt, der die Oberfläche des Mittelmeers in winzige blaue Schüsselchen mit etwas rosa oder grüner Farbe am Grund aufwirbelt, schnellen hier, gepeitscht und heftig, kantige kleine Wellen empor, deren weiße, harte Spitzen wie Eiszacken aussehen. Vielleicht treibt und trägt auch dieses seltsame Wasser Schwerter und Messer mit sich, so wie der Strom Slidur aus dem nordischen Epos, aus den Versen der ,Edda'.
Freitag, 20. März 2026
Almudena Grandes: Die wechselnden Winde
Buchinfo
"Ein andalusisches Vom Winde verweht." (Cosmopolitan)
Als Sara Gómez sich für das Haus Nr. 31 in einer südspanischen Ferienanlage entscheidet, will sie fliehen, vor sich und vor ihrem Leben in Madrid. Auch Juan Olmedo, ihr neuer Nachbar, hütet ein dunkles Geheimnis: die große Liebe seines Lebens war Charo, die Frau seines Bruders. Nun ist Charo tot und für Juan hat das Leben keinen Sinn mehr.
Sara und Juan eint nichts als eine Vergangenheit, der sie zu entkommen hoffen. Doch vielleicht könnten sie gerade deshalb eine Zukunft haben.
Ein Roman über eine Liebe, wie sie sein muss. In einem Leben, wie es ist.
Buchbeginn
Als die Olmedos zu ihrem neuen Haus kamen, blies der Ostwind. Er blähte die Markisen, riss sie aus ihrem Aluminiumgestänge hoch, ließ sie wieder in sich zusammensacken, um sie sogleich erneut aufzublasen. Das unablässige Wallen klang dumpf und schwer wie der Flügelschlag eines Schwarms großer Vögel. Sobald der Wind einen Augenblick abflaute, war hier und da das Quietschen von rostigem Metall zu hören. Die Nachbarn holten eilig an ihren Häusern die identisch grünen Markisen ein. Juan Olmedo deutete das Kurbelgeräusch der Eisenstangen in den Ösen auf Anhieb richtig und dachte: Pech gehabt.
Dienstag, 17. März 2026
Elizabeth Forsythe Hailey: Jeder Tag ein neuer Anfang
Buchinfo
Zu Beginn dieses außergewöhnlichen Briefromans ist Bess 18 Jahre alt. Am Ende ist sie 87.
Dreiviertel eines Jahrhunderts begleitet der Leser eine lebenslustige, warmherzige und ehrgeizige Frau durch ihr Leben. Glück und Liebe, aber auch stürmische Veränderungen, schweres Schicksal und tragische Ereignisse begegnen ihr - doch Bess' Mut ist nicht zu erschüttern.
Ihr Motto: Jeder Tag bringt eine neue Chance!
Buchbeginn
Honey Grove, Texas, den 10.12.1899
Lieber Rob,
eben habe ich Miss Appleton gebeten, dass sie uns für den Wettbewerb im Rechtschreiben in die gleiche Gruppe steckt. Wir sind die Einzigen in der Vierten, die ,perspicacious' richtig buchstabieren können, und damit ist der Sieg unser!
Kannst du nach der Schule vorbeikommen? Der Gärtner gräbt das Malvenbeet um, so dass wir mehr Platz zum Fangenspielen haben. Meine Idee! Bess
Sonntag, 15. März 2026
Helga Königsdorf: Der Lauf der Dinge (1982)
Buchinfo
"Besonderes Kennzeichen: unauffällig", hätte für alle Zeiten im Steckbrief dieser Leute stehen können, wenn nicht aus heiterem Himmel Unvorhergesehenes geschehen wäre. Der geheimnisvolle Nachbar bringt Mamas Regime ins Wanken, der renommierte Professor riskiert den Aufstand, und die unbescholtene Hausfrau erwacht eines Morgens als Dichterin. Die gewohnte Ordnung ist aus den Fugen geraten, und hinter den Rissen offenbaren sich plötzlich die Lebenslügen. Wie dieser und jener in solchen heiklen Momenten seine Haut und seinen Seelenfrieden rettet, erzählt Helga Königsdorf in ihren grotesken und absurden Parabeln auf den menschlichen Hang zum Selbstbetrug. "Wer Ähnlichkeiten findet, muß Gründe haben", heißt die Warnung der Autorin.
Buchbeginn
Ehrenwort - ich will nie wieder dichten
Hiermit gebe ich allen Anfragern, gleich welche Motive, Vorstellungen oder Gerüchte sie bewegen, zur Kenntnis: Noch geht es mir gut. Allerdings bitte ich, den folgenden Bericht, in dem ich ehrlich und selbstkritisch darlegen werde, wie es zu jenen peinlichen Entgleisungen kam, vertraulich zu behandeln.
Zitate
Die Wahrheit, vor allem die eigene innere, ist ein kompliziertes Ding. Wir tragen sie wie Sedimentgestein in uns. Hinter jede Schicht kommt eine neue, und ganz unten wird sie stets ein bißchen unangenehm. Deshalb ist es vielleicht gar nicht zweckmäßig, über sich selbst Auskunft zu geben. Auch sollten wir der Nachwelt eine Chance lassen, ihre Probleme in uns hineinzuinterpretieren.
Die Dichter vergangener Epochen sind fast immer Männer gewesen. Ihre Frauen durften sich als Musen betätigen oder hatten ihnen den trivialen Alltag vom Leib zu halten. Lösten sie diese Aufgabe gut, fiel ein schwacher Abglanz des Ruhmes auf sie. Aber uns fehlt jede historische Einstellung zum Ehemann einer Dichterin, und ich litt sehr darunter, daß ich Robert diese Schmach nicht ersparen konnte.
Samstag, 10. Januar 2026
Vicki Baum: Der große Ausverkauf
Buchinfo
Liebe und Intrigen im New York der 1930er: Nina und Erik arbeiten in einem großen Kaufhaus und schmieden Hochzeitspläne, als die ruchlose Lilian Erik verführt und in die Unterwelt zieht. Als Erik nach einem Einbruch im Gefängnis landet, reicht es selbst der sonst so sanftmütigen Nina. In der Konfektionsabteilung des Zentral-Warenhauses kommt es zum Showdown zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen …
Buchbeginn
"Du lieber Gott!", dachte Nina und schaute der Gestalt entgegen, die fünf Minuten vor sechs Uhr bei der Glastüre hereinkam, die das neue Gebäude vom alten und die Lebensmittelabteilung von den Porzellanwaren trennte. Was die Lebensmittel betraf, so war dort heute Fischtag gewesen, Einheitspreis, jede Sorte das Pfund zu zwanzig Cent; man roch es durch das ganze Stockwerk.
Somerville & Ross: Durch Connemara: Mit dem Eselskarren in Irland
Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Elvira Willems
AvivA, 2022
Buchinfo
Hinter dem Schreibduo »Somerville & Ross« verbergen sich die beiden irischen Großcousinen Edith OEnone Somerville (1858–1949) und Violet Florence Martin alias Martin Ross (1862–1915), die mit großem Erfolg Romane, Reisebücher, Kurzgeschichtensammlungen und zahlreiche Artikel und Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften schrieben. In dem 1893 erschienenen Bericht ihrer Reise durch Connemara bürsten sie das Bild Irlands als pittoreske Idylle gnadenlos gegen den Strich, voller Humor, mit großem Interesse und aufmerksamem Blick für das Kuriose und Außergewöhnliche, verfasst in einem wunderbar lakonischen, selbstironischen Stil. Die Autorinnen verbinden eine Leichtigkeit und eine leise Ironie im Tonfall mit messerscharfer Beobachtungsgabe und einer stimmigen Abbildung sozialer und politischer Verhältnisse. Ihr amüsanter Reisebericht ist zugleich eine scharfsinnige Auseinandersetzung mit den gewaltigen politischen und sozialen Umbrüchen in Irland zum Ende des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben, erstmals ins Deutsche übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Elvira Willems.
Buchbeginn
Mitte Juni letzten Jahres fuhren meine Großcousine und ich für zehn Tage nach London, und wir blieben ganze drei Wochen dort, denn wir warteten auf einen schönen Tag.
Wir sind Irinnen, und sämtliche Engländer, mit denen wir bis dato in Kontakt gekommen waren, hatten uns ausnahmslos eingeschärft, solange wir noch nie in England gewesen seien, könnten wir einfach nicht wissen, was schönes Wetter sei. Vielleicht hatten wir ja eine schlechte Zeit erwischt, in der das Wetter, genau wie die Läden, Ausverkauf machte.




