Montag, 4. Mai 2026

Margaret Goldsmith: Patience geht vorüber

Die US-amerikanische Schriftstellerin Margaret Goldsmith (4. Mai 1895 - 27. Juni 1970) schrieb ab 1928 sechs Romane und mehr als zwanzig Biografien und Sachbücher. Zudem übersetzte sie viele Bücher aus dem Deutschen ins Englische. In den 1930er Jahren deutsche Schriftsteller im Exil.

Buchinfo
Während im Frühjahr 1918 an der Front gekämpft wird, feiern Patience und Grete in einer kleinen Konditorei in Berlin ihr Abitur. Grete ist Sozialistin, Patience, deren englische Mutter aus adliger Familie stammt, gehört nirgends so recht dazu. 
So schwungvoll wie gelassen schildert Goldsmith in ihrem 1931 veröffentlichten Roman die Lebensentwürfe und Enttäuschungen ihrer sympathischen Hauptfigur Patience: Von der leidenschaftlichen Liebe zu Grete und der kurzen Ehe mit dem jungen Soldaten Joachim bis zum "neusachlichen" Umgang mit Beziehungen Ende der 1920er Jahre, der Arbeit als Journalistin zwischen Deutschland und England und der zweiten Karriere als Medizinerin. Aus dem Blickwinkel einer zwischen den Nationen stehenden "Outsiderin" entwirft Goldsmith dabei ein lebendiges Bild der deutschen und englischen Gesellschaften zwischen 1918 und 1930 - voller Humor und überraschend aktuell.

Buchbeginn
Damals war man eben noch sehr sentimental. Auch die jüngere Generation feierte alles: die Geburt eines strammen Jungen (zehn Pfund), Schulschluß, wenn man Oberregierungsrat wurde, nicht um sich sozusagen darüber lustig zu machen, sondern so richtig mit echtem Gemüt, beinah' wie vor dem Krieg, mit Tränen der Rührung, mit Händedruck und was dazu gehörte. Patience von Zimmern und Grete Linsenmeyer feierten ihr bestandenes Abiturexamen.


Herausgegeben und mit einem Nachwort von Eckhard Gruber
AvivA Verlag, 2020
224 Seiten
ISBN-10: ‎3932338944
ISBN-13: ‎978-3932338946 
 

Mittwoch, 29. April 2026

In fernen Gefilden - Werke 1

Die US-amerikanische Schriftstellerin Joanna Russ (22. Februar 1937 - 29. April 2011) war vor allem als Autorin feministisch orientierter Science-Fiction und Fantasy bekannt. Als wichtig gelten ihr Debütroman "Picnic on Paradise" (1968, deutsch als Alyx) und "The Female Man" (1975, deutsch als Planet der Frauen).

Buchinfo

Mit der wagemutigen, widerborstigen Abenteurerin Alyx schuf Joanna Russ ein Gegenbild zu den dominanten Heldenfiguren ihrer Zeit: In den vorliegenden fünf Erzählungen und dem Kurzroman »Picknick auf Paradies« kämpft eine Frau für ein selbstbestimmtes Dasein, ohne sich männlichem Rollenverhalten anzudienen. Alyx verschlägt es in antike Städte und auf ferne Planeten, aber eines bleibt stets gleich: Sie muss sich den Zumutungen entgegenstellen, mit denen voreingenommene Menschen und autoritäre Gesellschaftsformen sie konfrontieren. Band 1 der Werkausgabe enthält weiterhin eine repräsentative Auswahl von Essays und Rezensionen aus der ersten Schaffensphase von Joanna Russ. – Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Jeanne Cortiel, Professorin für Amerikanistik an der Universität Bayreuth und Autorin der Monografie "Demand My Writing: Joanna Russ, Feminism, Science Fiction".

Buchbeginn
Blaustrumpf
Dies ist die Geschichte einer Reise, die nur insofern von Interesse ist, als sie von den Taten einer kleinen, grauäugigen Frau handelt. Kleine Frauen gibt es zur Genüge - und solche mit grauen Augen auch -, aber diese Frau zählte zu den weisesten eines Geschlechtes, das überdurchschnittlich weise ist. Das ist nicht weiter überraschend (oder sollte es jedenfalls nicht sein), denn es gehört zum Allgemeinwissen, dass die Frau eine ganze Viertelstunde vor dem Mann erschaffen wurde und sich diesen Vorteil bis heute bewahrt hat.


Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Hannes Riffel, Erik Simon & Thomas Ziegler

Carcosa Verlag, 1. Auflage 2024

380 Seiten

ISBN-10: ‎3910914187

ISBN-13: ‎978-3910914186

Teil der Serie: ‎ Carcosa

 

Montag, 27. April 2026

A. S. Byatt: Das Geheimnis des Biographen

Buchinfo
Mit dem "Geheimnis des Biographen" entfaltet Antonia S. Byatt ironisch und ernsthaft zugleich ein ebenso amüsantes wie beziehungsreiches und anregendes Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart, mit Tatsachen und Vermutungen, mit Fiktion und Realität.

"Einer der Vorzüge von Byatts gut durchdachter, vielschichtiger Fiktion ist, daß sie uns daran erinnert, wie grob, wie vorläufig sich die Dinge darstellen." - John Updike
 

Insel-Verlag
Übersetzt von Melanie Walz
1. Auflage 2001
281 Seiten 

Louisa May Alcott

Am 6. März 1888 wurde Louisa May Alcott geboren.
Die US-amerikanische Schriftstellerin wurde für ihre Jugendbuch-Tetralogie Little Women, die auf Kindheitserlebnissen mit ihren Schwestern beruht, weltweit berühmt.
„Die Kraft, Schönheit in den einfachsten Dingen zu finden, macht das Zuhause glücklich und das Leben liebenswert.“
Louisas Mutter Abigail May Alcott kämpfte für die Abschaffung der Sklaverei, ihr Vater Amos Bronson Alcott war bekennender Transzendentalist. Die Familie, Louisa hatte zwei Schwestern, zog nach Boston, wo der Vater mithalf, die experimentelle Temple School zu gründen und mit Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau dem Transcendental Club beitrat.
Louisa wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf; der Vater konnte nicht mit Geld umgehen und das Schulmodell wurde ein Misserfolg. Mit dem Erbe der Mutter und durch Unterstützung des Freundes der Familie, Waldo Emerson, konnte sich die Familie ein Haus in Concord kaufen.
Die Schwestern wurden zu Hause unterrichtet, durften in Emersons Bibliothek stöbern, erkundeten mit Thoreau die Natur und Umgebung.
Louisas Leidenschaft fürs Schreiben begann schon früh, sie schrieb melodramatische Theaterstücke, die sie mit den Schwestern für Freunde aufführte. Ihr selbst lagen die Banditen, Räuber und Bösewichte.
Sie wollte aus den ärmlichen Familienverhältnissen hinaus und schwor sich, später reich zu werden. Sie nahm jede Stelle an, die sie kriegen konnte und arbeitete unter anderem als Näherin, Lehrerin und Haushälterin. In A Story of Experience (1873) konnte sie diese Erfahrungen verarbeiten.
Auch die Schriftstellerei fand ihren Ursprung auf dem Willen, die Familie zu unterstützen. Sie fing mit Kurzgeschichten und Gedichten in Magazinen an, bis sie dann 1854 ihr erstes Buch Flower Fabels veröffentlichte. In diesem Buch finden sich Märchen für Emersons Tochter Ellen.
1856 - Louises Schwester Elizabeth (Vorbild für die Figur der Beth in Little Women) starb an Scharlach, ihre Schwester Anna heiratete. Louisa schrieb wenig später für The Atlantic Monthly, nahm 1862 als Lazaretthelferin am amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten teil, wo sie sich mit Typhus ansteckte. An den Folgen der Behandlung mit Quecksilber hatte sie bis zum Lebensende zu leiden. 1863 veröffentlichte sie ihr Werk Hospital Sketches, die Grundlage dafür waren ihre Briefe aus dieser Zeit, mit dem sie erstmals einem breiteren Publikum bekannt wurde.
Unter dem Pseudonym A. M Barnard folgten Schauer- und Gruselromane - auch diese Seite findet sich in Jo aus Little Women wieder.
Später folgte sie dem Weg ihrer Mutter und sympathisierte mit der Sufragettenbewegung. Sie kämpfte für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht und engagierte sich für die Abschaffung der Sklaverei. Von dieser Bewegung ist auch ihr Erfolgsroman Vier Schwestern (1868/69) beeinflusst.
Mit ihren Kinderbüchern, in denen sie sich um moralisch-pädagogische Integrität und literarisches Niveau bemühte, wurde sie berühmt. Da wären zum Beispiel: Ein Mädchen aus der guten alten Schule (1870) oder Kleines Volk (1871). Ihre Bücher schafften es auch nach Europa.
Ihr Gesundheitszustand verschlimmerte sich durch die Quecksilbervergiftung stetig, doch sie hörte nie auf zu schreiben. Kurz nach dem Tod ihres Vaters starb sie selbst am 6. März 1888 an einem Schlaganfall. Sie wurde nur 55 Jahre alt.
Auch der Film hat sich den Werken von Louisa May Alcott angenommen.

Eine frühe, britische Verfilmung aus dem Jahre 1917 gilt als verschollen. Die erste US-Kinoverfilmung, mit Katharine Hepburn und Joan Bennett, entstand 1933 unter der Regie von George Cukor (dt. als Vier Schwestern). Es folgte 1949 eine Version mit Elizabeth Taylor und Janet Leigh unter der Regie von Mervyn LeRoy (dt. als Kleine tapfere Jo). Eine zweiteilige US-Fernsehversion wurde 1978 produziert. Im Jahr 1994 verfilmte Gillian Armstrong das Buch mit Winona Ryder (dt. als Betty und ihre Schwestern). 2019 erschien eine weitere Filmadaptation durch Greta Gerwig mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh und Eliza Scanlen.
In Japan entstanden mehrere Zeichentrickserien auf der Basis von Little Women; zum ersten Mal 1977 noch als eine Folge in der Serie Manga Sekai Mukashibanashi unter dem japanischen Titel der Romanreihe Wakakusa Monogatari (若草物語, dt. „Geschichten von jungem Gras“) und 1980 die erste vollständige Serie unter dem gleichen Titel. 1981 folgte mit Wakakusa no Yon Shimai (若草の四姉妹, dt. „die vier Schwestern des jungen Grases“) eine weitere. Die auch international bekannteste entstand als Teil der Literaturverfilmungen des World Masterpiece Theaters (WMT) 1987 mit Ai no Wakakusa Monogatari, das in Deutschland unter dem Titel Eine fröhliche Familie ausgestrahlt wurde. Auch die Romanfortsetzung Little Men wurde 1993 als WMT-Serie Wakakusa Monogatari: Nan to Jo-sensei, in Deutschland: Missis Jo und ihre fröhliche Familie, umgesetzt.
„Ich mag gute, starke Worte, die etwas bedeuten …“

Lina Bögli: Immer vorwärts

Lina Bögli (15. April 1858 - 22. Dezember 1941) gilt als erste Schweizer Weltreisende und Reiseschriftstellerin. In "Vorwärts" verarbeitete sie ihre zehnjährige Weltumrundung (Australien, Neuseeland, Samoa, Honolulu, die USA). Eine weitere Reise führte sie nach China und Japan, auch sie wurde veröffentlicht.
Was bis heute nicht veröffentlicht ist, sind ihre Tagebücher (26 Bände).


Immer vorwärts (1915)
Lenos Verlag, Erscheint im Februar 2026
3857878541

Buchinfo
Sie wurde die erste Reiseschriftstellerin der Schweiz: Lina Bögli, geboren 1858. Unternehmungslustig, vom Unbekannten fasziniert, brach sie in die Welt auf. Nach ihrer zehnjährigen Reise nach Australien, Ozeanien und Nordamerika, die sie in ihrem berühmten Bericht "Talofa" beschrieben hatte, führte ihre zweite große Tour sie 1910–1913 nach Japan, Korea und China. Lina Bögli fuhr mit wenig Erspartem los und schlug sich in Tokio als Sprachlehrerin durch. Sie ließ sich Sitten und Bräuche erklären, besuchte eine Parlamentssitzung, sah den japanischen Kaiser und folgte Einladungen zu Hoffesten und Militärparaden. China wiederum bereiste sie in einer turbulenten Zeit: Wenige Monate zuvor hatte der letzte Kaiser abgedankt, und die noch junge Republik war politisch instabil. Lina Böglis Beschreibungen aus jenen vergangenen Tagen sind eine kuriose Mischung aus Neugier, Mut und Witz, ein charmantes und wichtiges Dokument früher weiblicher Weltläufigkeit.
 

Sonntag, 26. April 2026

Dea Trier Morch

 geb. 9. Dezember 1941 in Kopenhagen
gest. 26. Mai 2001

Ich habe im Netz zwar einige deutsche Titel der dänischen Künstlerin und Schriftstellerin Dea Trier Morch gefunden, doch sie selbst scheint bei uns nicht so bekannt zu sein.

Sie studierte an der Königlich Dänischen Akademie der Schönen Künste Malerei. Ihr erstes Buch, Sorgmunter socialisme. Sovjetiske raderinger, erschienen 1968, ist mit eigenen Radierungen illustriert und berichtet von ihren Reisen in die Sowjetunion. Sie war Mitglied in der Dänischen Kommunistischen Partei und hat 1969 das sozial orientierte Kulturkollektiv "Rote Mutter" mitbegründet.

Das auch ins Deutsche übersetzte Vinterbørn (Winterkinder) (im DDR-Blog) basiert auf persönlicher Erfahrung, wurde in 22 Sprachen übersetzt und gipfelte 1979 in Astrid Henning-Jensens preisgekrönter Verfilmung. Auch in anderen Werken geht es um Familie und Sozialismus. Veröffentlicht wurden auch noch Reisebücher.

Friederike Mayröcker: Gesammelte Gedichte: 2004-2021

Das komplette lyrische Spätwerk versammelt in einem Band
Von Marcel Beyer herausgegeben und mit einem Nachwort versehen
Suhrkamp Verlag 2024
3518432079

Buchinfo
Friederike Mayröcker war eine der großen Dichterinnen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Immer wieder wurde sie für den Literaturnobelpreis ins Gespräch gebracht. Am 4. Juni 2021 verstarb sie mit 96 Jahren in ihrer Heimatstadt Wien. Der vorliegende Band knüpft an die Gesammelten Gedichte 1939-2003 (2004) an und trägt Friederike Mayröckers lyrisches Spätwerk bis zu ihrem allerletzten, 2021 entstandenen Proëm zusammen.

Als Friederike Mayröcker 2004 den 80. Geburtstag feierte und ihre Gesammelten Gedichte 1939-2003 erschienen waren, entschloss sie sich, noch einmal in eine ganz neue Richtung aufzubrechen. Nach und nach entwickelte sich so eine eigene Form, der sie den Namen "Proëm" gab – lyrische Erleuchtung und hellwache Weltbeobachtung, changierend zwischen Kurzprosa und Gedicht. Zu ihrem erklärten Ziel wurde es, schreibend den Tod, ihren erbitterten Feind, auf Distanz zu halten. Friederike Mayröcker tat es mit ungeahnter Produktivität und überbordendem Farbenreichtum, indem sie ihre Liebe zum Leben heraufbeschwor: In Erinnerungen an ihre wechselvolle Kindheit im Wien der zwanziger und dreißiger Jahre, an ihre Jahrzehnte an der Seite von Ernst Jandl, an zahllose Begegnungen mit Menschen, Kunstwerken und Musik. Dem Wechsel der Jahreszeiten folgte sie aufmerksamer denn je, und mit ihrer Sprachmacht verstand sie es, eine Blume auf dem Fensterbrett gegenüber zum Zentrum des Universums werden zu lassen.