Montag, 25. Mai 2026

Doris Hermanns: Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela: Die Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe

Kennt jemand Christa Winsloe? Ehrlich gesagt, bisher wusste ich nichts von ihr, obwohl ich mir das Buch schon im März 2020 gekauft habe. Dabei war sie in den 1930er Jahren weltberühmt.
Vielleicht könnte man sich an den Namen erinnern, sofern er denn im Vor- oder Abspann des Films "Mädchen in Uniform" aufgeführt wurde: "Nach einem Theaterstück von Christa Winsloe" in etwa.
Über Christa Winsloe ist nur wenig bekannt, und das oftmals fehlerhaft, was Doris Hermanns dazu bewegte, "weiter in Archiven zu forschen und Unbekanntes zutage zu fördern".

Ich war wirklich neugierig auf diese Künstlerin, zumal ich beim AvivA Verlag schon öfter auf ihren Namen gestoßen war. Was mich aber doch enttäuscht, sind die vielen vorhandenen Schreibfehler. Wenn es sich um einen Roman gehandelt hätte, hätte ich das Buch abgebrochen.

Buchinfo
Für kurze Zeit war sie weltberühmt. Nach ihrer Karriere als Bildhauerin widmete sich Christa Winsloe (1888-1944) dem Schreiben. Ihr erstes Theaterstück wurde 1931 unter dem Titel "Mädchen in Uniform" mit großem Erfolg verfilmt.
Die erste Biografie über Christa Winsloes bewegtes Leben von Deutschland nach Italien, Ungarn, Amerika und Frankreich, das mit ihrer Ermordung tragisch endete.

"Sie war immer eine ,von denen'. Immer zwischen allen Stühlen, zwischen den Fronten. Keine menschliche Gesellschaft fing sie auf." - Christa Reinig

Buchbeginn
"Die so entsetzlich unbegabten Engländer..."

Am 23.12.1888 wurde Christa Winsloe in Darmstadt geboren. Ihre Eltern waren der Rittmeister Arthur Winsloe und Katharina Elisabeth Winsloe, geborene Scherz.

Zitate
"Rückblickend auf ihre Jugend schrieb Winsloe später: ,Ich persönlich habe mich (…) unbeschreiblich langsam entwickelt, obwohl ich äußerlich sehr selbständig war. Aber erotisch und geistig von einer rührenden Naivität, verschwärmt und unreif bis weit über die zwanzig Jahre. Sehr unglücklich und sehr verlassen.'"

"Frauen wurde um die Jahrhundertwende lediglich Zeichnen, Malen, Musizieren (vornehmlich Klavier und Gesang), Sticken und Fremdsprachen als Äußerungen ihrer Kreativität zugestanden. Bildhauerei galt als Männersache, für die Muskeln und Stärke benötigt wurden. Bei der Arbeit bekam man rauhe Hände, wurde dreckig und staubig.
Das konnte nichts für bürgerliche Frauen sein, deren erstes Ziel im Leben eine Ehe war und die auf ihr Äußeres Wert legen sollten. Zudem galt die Arbeit an großen Werken als gefährlich, ermüdend und erforderte Ausdauer, auch dies war etwas, das man Frauen nicht zutraute."

Klaus Mann in einem Brief an die Malerin Eva Herrmann:
",Gleichfalls hingerichtet: meine Freundin Christa Hatvany-Winsloe (Du kanntest sie doch auch?); diese von der französischen ,résistance'. In ihrem Riviera-Haus sollen deutsche Offiziere versteckt gewesen sein. So wurde ihr dann der Prozeß gemacht, ein sehr kurzer Prozeß, der mit standrechtlicher Erschießung endete. War dies ungerecht? Vielleicht; denn für die Nazis hatte unsere Christa gewiß nichts übrig. Aber sie war wohl gar zu großzügig und zu tolerant, tolerant bis zur Schlampigkeit. Wenn man nichts für die Nazis übrig hat, tut man gut daran, den Umgang mit Nazi-Offizieren zu meiden, besonders in einem noch besetzten, fast schon befreiten Land. Die Unterdrückten verstehen keinen Spaß, wenn ihre Stunde kommt. Trotzdem tut es uns leid um unsere Christa, braves altes Stück. Es tut mir ganz entschieden leid um sie.'
Klaus Mann maßt sich hier ein Urteil über eine Situation an, über die er nur Gerüchte gehört hatte. Dieses Urteil wurde jedoch von zahlreichen Nachschlagewerken übernommen, die Winsloe aufgrund dieser Bemerkung bis heute als Nazi-Kollaborateurin verurteilen."


AvivA Verlag
1. Auflage 2012
317 Seiten
ISBN-10: 3932338537
ISBN-13: 978-3932338533
 

Donnerstag, 21. Mai 2026

Barbara Sichtermann und Ingo Rose: Frauen, einfach genial - 18 Erfinderinnen, die unsere Welt verändert haben

Fantastische Erfindungen

Die Welt ist voller phantastischer Erfindungen. Erfindungen, die man damals wie heute wohl kaum mit einer Frau in Verbindung bringen würde. Bis lange ins 20. Jahrhundert hinein wirkten Frauen vorwiegend für die Familie. Und doch, oder gerade deshalb, konnte es geschehen, dass die Kreativen unter ihnen Dinge erfanden - für Haushalt, Kindererziehung, Körperpflege oder Mode. Aber auch in männliche Domänen wagten sich einige Mutige. Die Schauspielerin Hedy Lamarr entwickelte in den 1930er Jahren eine Fernsteuerung für Torpedos, deren Prinzip noch heute in Geräten wie dem Funktelefon genutzt wird. Auch der Scheibenwischer, den Mary Anderson austüftelte, der Paketfallschirm von der Luftfahrtpionierin Käthe Paulus und das Tortendiagramm von Florence Nightingale kommen nicht aus der häuslichen Welt.

In Vertretung der vielen einfallsreichen Frauen sei hier eine näher vorgestellt: Josephine  M. Cochrane, die Erfinderin des Geschirrspülers.

Josephine M. Cochrane wurde am 8. März 1839 in Ashtabula County, Ohio, in den USA geboren. Bis zum Tod ihres Mannes lebte sie im Wohlstand. Sie hatte Angestellte, die alle häuslichen Arbeiten verrichteten, doch waren sie unachtsam im Umgang mit dem wertvollen Familien-Porzellan. So übernahm die Dame des Hauses den Abwasch lieber selbst, obwohl sie diese Arbeit hasste. 

So entstand die Idee zu einer Maschine, die das Geschirr reinigen sollte. Nachdem ihr Mann 1883 gestorben war und ihr 1000 Dollar hinterlassen hatte, begann sie mit der Umsetzung ihres Vorhabens. Mit Hilfe des Eisenbahnmechanikers George Butters entwickelte sie die erste funktionierende Geschirrspülmaschine. Auf der Weltausstellung in Chicago erhielt sie dafür 1893 einen Preis für "die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung". 

Zunächst interessierten sich vor allem Restaurants und Hotels für die neue Erfindung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Geschirrspülautomat so erschwinglich, dass er auch in Privathaushalten Einzug hielt.

Zwar konnte Josephine Cochrane von den Erträgen ihrer Erfindung leben, doch musste sie dafür viel reisen und Kundenkontakte pflegen. Das lag ihr wenig. Sie war viel mehr eine Erfinderin als Unternehmerin. Kurz vor ihrem Tod sagte sie: "Wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich nie den Mut gehabt, anzufangen."

Josephine M. Cochrane starb am 3. August 1913 im Alter von 74 Jahren.

 
Knesebeck, 2010
128 Seiten
ISBN-10: ‎3868731172
ISBN-13: ‎978-3868731170 

Vicki Baum: Vor Rehen wird gewarnt

Buchinfo 

"Vor Rehen wird gewarnt." Diesen Satz, den er einmal in einem Wildpark gelesen hat, kann Rechtsanwalt Watts nur jedem entgegnen, der von der zarten und aufopferungsvollen Ann Ambros spricht. Denn so rehäugig Ann auch durchs Leben geht, so rücksichtslos nimmt sie sich, was sie will. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, treibt nicht nur San Francisco, sondern auch Wien zur Verzweiflung, sorgt dafür, dass sie stets das Beste bekommt und dass man ihr noch dankbar ist, wenn man ihr das letzte Hemd schenken darf. Vicki Baum erzählt von einer Frau, der man nicht in die Quere kommen will – und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.


 Buchbeginn
"Ach, du liebe Güte", seufzte die schmächtige alte Dame beim Anblick der hohen Stufen, die es zu besteigen galt, um in den Eisenbahnwagen zu gelangen; ihre gebrechliche Zierlichkeit, ihr halb humoristischer, halb verzweifelt-hilfloser Ausdruck machten aus diesen drei einfachen Stufen ein Hindernis ersten Grades, eine uneinnehmbare Festung, ein unbezwingliches Gebirge. Selbst der Pullmanschaffner spürte etwas davon, und mit einem fröhlich-verlegenen "Entschuldigen die Dame -" unterstützte er sachte das zierliche Leichtgewicht am Ellbogen und hob es behutsam hinauf. 

Arche Literatur Verlag AG
Aus dem amerikanischen Englisch von Carl Heinz Ostertag
2. Auflage 23. April 2021
Auflage ‏ : ‎ 2.
416 Seiten
ISBN-10: ‎3716040320
ISBN-13: ‎978-3716040324 

Dienstag, 19. Mai 2026

Julie Phillips: Das Doppelleben der Alice B. Sheldon

James Tiptree Jr (eigentlich Alice B. Sheldon; 24.8.1915 - 19.5.1987) benutzte dieses Pseudonym zwischen 1968 und 1987 für die Veröffentlichung der meisten ihrer Science-Fiction-Kurzgeschichten sowie zweier SF-Romane. Weitere Erzählungen erschienen auch unter dem Pseudonym Raccoona Sheldon. Alice Sheldon gilt heute als eine der besten Kurzgeschichten-Autorinnen des Science-Fiction-Genres.
Der Septime-Verlag hat ihr Gesamtwerk rausgebracht.

Buchinfo
Tiptrees geheimnisvolle Identität faszinierte die Fans und gab Anlass zu vielen Spekulationen, freilich glaubten alle, sie sei ein Mann. Die Aufdeckung noch zu Lebzeiten war ein Schlag: Diese knappen, harten und frechen Kurzgeschichten, die nur allzu häufig mit dem Tod endeten, waren von einer alten Dame mit weißen Federlöckchen geschrieben worden … Alice Bradley Sheldon, die mit 51 Jahren erste Erzählungen unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree Jr. veröffentlichte und schnell zu Ruhm kam, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein ungewöhnliches und dichtes Leben hinter sich. Als bildhübsche, intelligente und verwöhnte Tochter einer oberen Mittelschichtfamilie aus Chicago verbringt sie große Teile ihrer Kindheit in Afrika, wird Malerin und Kunstkritikerin und ist im 2. Weltkrieg in der US-Armee tätig. Sie arbeitet für die CIA, bewirtschaftet eine Hühnerfarm, promoviert in Psychologie. Die amerikanische Journalistin Julie Phillips erzählt die spannende Biografie einer faszinierenden Persönlichkeit. Es wird die komplexe und tragische Geschichte einer Frau geschildert, die ein halbes Jahrhundert zu früh geboren wurde: immerfort im Schatten der erfolgreichen Mutter, frühe dysfunktionale Ehe, ein tiefgründiges Unbehagen über die eigene, vor allem sexuelle Identität und das damit einhergehende Gefühl der Isolation; langfristige Amphetaminabhängigkeit und Depressionen. Nach einem vorab geschlossenen Selbstmordpakt erschießt Sheldon im Alter von 71 Jahren erst ihren Mann und dann sich selbst.
 

Marie Under

Marie Under wurde am 27. März 1883 in Tallinn geboren und starb am 25. September 1980 in Stockholm. Sie war eine estnische Dichterin, deren Gedichte vom Lebensdurst sowie einer Hingabe an Liebe und Natur geprägt sind.

Marie Under wurde als Tochter des Schullehrers Priidu (Friedrich) Under und seiner Frau Leena Under (geborene Kerner) geboren. Die Familie stammte ursprünglich von der Insel Hiiumaa. Von 1891 bis 1900 besuchte sie die Deutsche Mädchenschule in Tallinn. Marie Under begann bereits als Elfjährige, erste Gedichte zu schreiben, zunächst vor allem in deutscher Sprache. 1902 heiratete sie Carl Hacker und war als Buchhändlerin tätig. Die Familie lebte bis 1906 in Moskau.

Gefördert durch den Maler Ants Laikmaa widmete sich Marie Under mehr und mehr der Dichtkunst in estnischer Sprache. Sie gehörte von Anfang an der stark dem Symbolismus verpflichteten Bewegung Siuru an. Bereits ihr erster Gedichtband Sonetid ("Sonette") wurde 1917 ein literarischer Erfolg. Ihre Gedichte sind geprägt vom Lebensdurst sowie einer Hingabe an Liebe und Natur. 1927 heiratete sie den estnischen Dichter Artur Adson und wurde eine der einflussreichsten estnischen Lyrikerinnen.

1944 floh Marie Under vor der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion nach Schweden. Dort mischten sich verstärkt Töne des Heimwehs nach Estland in ihr Werk. Von 1945 bis 1957 war sie am Theatermuseum von Stockholm tätig. 

Freitag, 15. Mai 2026

Maria Gustaava Jotuni

Maria Gustaava Jotuni wurde am 9. April 1880 in Kuopio (eine kleine Stadt in Ostfinnland) geboren. Sie war eine große finnische Schriftstellerin und Dramatikerin.

Ihr Vater war Schmied und Alkoholiker. Obwohl die Familie arm war, ermöglichte sie es den sechs Kindern (Maria war die zweitälteste), höhere Schulen zu besuchen. Maria Jotuni studierte an der Universität von Helsinki Geschichte, vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Während des Studiums lernte sie Autoren kennen wie Strindberg, Ibsen, Hamsun, Altenberg und Tschechov.

Sie war ihrer Zeit immer voraus. Ihr Werk wurde anerkannt und gleichzeitig kritisiert. Sie engagierte sich sozial, schreckte nicht davor zurück, gesellschaftliche Tabu-Themen anzusprechen. Das machte sie in der etablierten finnischen Gesellschaft nicht gerade beliebt. Viljo Tarkiainen jedoch, Professor für finnische Literatur an der Universität Helsinki und ihr späterer Ehemann, war unter vielen anderen einer der großen Verteidiger des dramatischen Werkes von Maria Jotuni.

Maria Gustaava Jotuni starb am 30. September 1943 in Helsinki.

 

Dienstag, 12. Mai 2026

Clara Schulte: Das Haus am Ring

Buchinfo

Die in diesem Roman geschilderte Entwicklung zweier Breslauer Firmen entspricht den geschichtlichen Tatsachen, wie sie in der Firmengeschichte der Bergwerksgesellschaft "Georg von Giesches Erben" und in der des Verlages Korn enthalten sind. Die Ausgestaltung der auftretenden Persönlichkeiten - seien diese dem Namen nach auch historisch - beruht auf freier Erfindung. - C. Sch.


Buchbeginn

Georg von Giesche
1712
 
Über den Breslauer Ring sank langsam die Dämmerung eines warmen, fast schwülen Septembertages. Nur auf dem Gipfel eines stattlichen Patrizierhauses spielte noch der farbige Abglanz des Sonnenunterganges und ließ die drei kleinscheibigen Dachfenster unter ihrer schöngeschwungenen Mauerumrahmung aufleuchten. Zu gleicher Zeit wurden in den beiden darunterliegenden Stockwerken die Kerzen angezündet. Bald drang aus den geöffneten Fenstern, die schon seit Stunden einen vielstimmigen Festlärm, vermischt mit den Klängen eines Konzerts, hinausströmen ließen, ein mattrötlicher Schimmer, der sich in der rasch einfallenden Dunkelheit vertiefte.


Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1941

Autorin