Dienstag, 12. Mai 2026

Clara Schulte: Das Haus am Ring

Buchinfo

Die in diesem Roman geschilderte Entwicklung zweier Breslauer Firmen entspricht den geschichtlichen Tatsachen, wie sie in der Firmengeschichte der Bergwerksgesellschaft "Georg von Giesches Erben" und in der des Verlages Korn enthalten sind. Die Ausgestaltung der auftretenden Persönlichkeiten - seien diese dem Namen nach auch historisch - beruht auf freier Erfindung. - C. Sch.


Buchbeginn

Georg von Giesche
1712
 
Über den Breslauer Ring sank langsam die Dämmerung eines warmen, fast schwülen Septembertages. Nur auf dem Gipfel eines stattlichen Patrizierhauses spielte noch der farbige Abglanz des Sonnenunterganges und ließ die drei kleinscheibigen Dachfenster unter ihrer schöngeschwungenen Mauerumrahmung aufleuchten. Zu gleicher Zeit wurden in den beiden darunterliegenden Stockwerken die Kerzen angezündet. Bald drang aus den geöffneten Fenstern, die schon seit Stunden einen vielstimmigen Festlärm, vermischt mit den Klängen eines Konzerts, hinausströmen ließen, ein mattrötlicher Schimmer, der sich in der rasch einfallenden Dunkelheit vertiefte.


Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1941

Autorin 

 

Clara Schulte: Genie im Schatten. Das Leben der Charlotte Brontë

Buchinfo
Das Buch schildert Charlottes Leben vor dem Hintergrund des viktorianischen England und konzentriert sich besonders auf ihren inneren Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und ihrem künstlerischen Anspruch.
 

Buchbeginn
Die Umwelt der ersten neun Jahre
Wie ein Bild von Picasso, in graubraun und violett gestimmt, liegt das Yorkshiredorf Haworth aufgebaut am Berghange. Kahle Steineinfassungen statt lebender Hecken, nüchterne, kubische Häuschen, hungrige Haferfelder, die gleich graugrünen Tupfen über der Landschaft verteilt sind - und darüber der großartig-unheimliche Bogenschwung der Hochmoore.


Wolfgang Jeß Verlag in Dresden, 1936
251 Seiten
Autorin

Zum Reinlesen
 

Clara Schulte

 Die Schriftstellerin Clara Schulte, geborene Clara Ebert, (12. Oktober 1888 - nach 1946) heiratete 1917 den Wirtschaftsjuristen Eduard Schulte, das Paar trennte sich 1946. 

Warum man so wenig über sie findet:

- offenbar kein erhaltener literarischer Nachlass,
- keine bekannte Korrespondenz,
- keine größere wissenschaftliche Rezeption,
- vermutlich nach 1945 literarisch schnell vergessen.

Ich habe nur drei Bücher von ihr gefunden, die auch nicht neu aufgelegt wurden:

Genie im Schatten. Das Leben der Charlotte Brontë. Jefs, Dresden 1936.
Das Haus am Ring. Stubenrauch, Berlin 1941.
Der Ritter mit dem Drachen. Ein Nettelbeckroman. Stubenrauch, Berlin 1943.

Diese sind keinem speziellen Genre zuzuordnen, sondern zeigen drei verschiedene Richtungen:

literarische Biografie,
Gesellschaftsroman,
historischer Roman.

Margit Kaffka

Margit Kaffka wurde am 10. Juni 1880 in Großkarol, Siebenbürgen (heute Rumänien) geboren. Sie war eine ungarische Schriftstellerin, Dichterin, Feministin und Publizistin.

Nach dem frühen Tod ihres Vaters konnte sie nur in einer Klosterschule studieren. Als sie 21 Jahre alt war, erschienen erste Gedichte von ihr in der Zeitschrift "Magyar Géniusz".

1902 erhielt sie das Lehrdiplom für bürgerliche Schulen und unterrichtete in Miskolc. Schon während ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Miskolc war sie ständige Mitarbeiterin der literarischen Gruppe Nyugat (deutsch West).

1905 heiratet sie Brunó Fröhlich, einen Forstingenieur. Die Ehe hält nur fünf Jahre, Kaffka geht nach Budapest, wo sie weitere fünf Jahre unterrichtet und Ervin Bauer, einen Arzt-Biologen heiratet, mit dem sie eine glückliche Ehe führt. Ab 1915 war Kaffka nur mehr literarisch tätig.

Die Schriftstellerin und auch ihr Sohn wurden 1918 Opfer der weltweiten Spanischen Grippe.

Die Krise des verarmten Adels und die Lage der zeitgenössischen Frau waren ihre zwei großen literarischen Themen. In ihrem zweiten Roman "Ameisennest" setzte sie sich kritisch mit der Klostererziehung auseinander. Kaffka erhob ihre Stimme gegen unvernünftiges Blutvergießen und Kriegspropaganda. Als Publizistin war sie hoch angesehen.

Margit Kaffka starb am 1. Dezember 1918 in Budapest. 

Sonntag, 10. Mai 2026

Man könnte meinen, die Autorin stammt aus dem 19. Jahrhundert und ward vergessen. Doch nein, sie wurde am 26. May 1934 geboren. Nach mehreren Kinderbüchern ist dies der erste und einzige Roman für Erwachsene, der 1981 erschien, sofort auf der Shortlist für den Booker Prize 1981 landete und nun erstmals für die Büchergilde ins Deutsche übersetzt wurde.

Buchinfo
Im Sommer 1851 begleitete Charlotte Morrison die Familie ihres Bruders auf einer Dampfschiffsreise von Baden-Baden bis nach Köln. Nach den Unruhen der Revolution von 1848 kommen englische Touristen wie sie wieder in den Genuss der romantischen Landschaften des Rheintals. Erst vor Kurzem ist Charlottes Großonkel verstorben, dessen Haushälterin sie lange war. Mit dem Geld, das er ihr vermacht hat, steht sie vor einem Neuanfang. Allerdings scheint es nahezu unumgänglich, dass sie als ledige Frau zu ihrem Bruder, einem frommen Reverend und seiner Familie zieht. Bereits an Bord des Schaufelraddampfers zeigt sich, dass man in ihr vor allem die Kammerzofe und Gouvernante der siebzehnjährigen Ellie sieht, die Charlotte wie ihr eigenes Kind liebt. Dass ihr selbst einst verwehrt wurde, eine eigene Familie zu gründen, wird Charlotte wieder schlagartig bewusst, als sie in Koblenz einen fremden und doch seltsam vertrauten Mann unter den Mitreisenden entdeckt. Und plötzlich werden schmerzhafte Erinnerungen und unterdrückte Sehnsüchte in ihr wach. Denn wie der Fluss, auf dem die Gesellschaft reist, birgt auch Charlottes Seele verborgene Abgründe.
Ein so zarter wie eindringlicher Roman über Reue und unerfüllte Träume, aber auch über die Hoffnung, entgegen gesellschaftlicher Widerstände selbstbestimmt zu leben.

Buchbeginn
Der Anleger von Koblenz
"Das Gepäck ist einfach auf Deck liegen geblieben", sagte Reverend Charles Morrison. "Ich dachte, du hättest darauf aufgepasst, Charlotte."
Charlotte, seine Schwester, für deren Sommerurlaub er großzügig aufkam (was ihr in diesem Moment überaus bewusst war) sagte: "Aber du hast mich doch nicht darum gebeten."

Büchergilde Gutenberg
1. Auflage 2026
Mit einem Nachwort von Lauren Groff
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
bedrucktes Leinen, farbiges Vorsatzpapier, Lesebändchen, 
208 Seiten
Einbandgestaltung von Franziska Neubert
ISBN: 978-3763277186

 

Samstag, 9. Mai 2026

Ilse Korn

 Ilse Korn wurde am 23. April 1907 in Dresden geboren. Der Vater war Steuerberater. In Leipzig erlernte sie den Beruf der Bibliothekarin und arbeitete nach der Ausbildung an der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Dort arbeitete sie bis zu ihrer Verhaftung im Jahr 1943.

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 war für sie ein so einschneidendes Erlebnis, dass sie beschloss, etwas gegen die Nazis zu unternehmen. Ihr Mann Vilmos Korn - mit ihm zusammen veröffentlichte sie das bekannte Kinderbuch "Mohr und die Raben von London" (Schullektüre) - lebte als kommunistischer Schriftsteller und Journalist illegal. Weil sie ihn nicht als Vater der am 19. Juni 1938 geborenen Tochter angeben konnte, musste sie diese zu Pflegeeltern geben.

Während des anglo-amerikanischen Bombenangriffs auf Dresden konnte sie aus dem Dresdner Frauengefängnis fliehen und sich im Erzgebirge verstecken.

Schon im Juni 1945 wurde sie von der Sowjetischen Militäradministration in der Dresdner Landesbibliothek als Leiterin eingesetzt. Sie war die geistige Urheberin des „Gesetzes über die Demokratisierung des Büchereiwesens“ und folgte dem Ruf ins Ministerium für Volksbildung der DDR. Sie übernahm die Leitung einer Sonderkommission, die damit beauftragt war, im ganzen Land Bibliotheken eigens für Kinder zu gründen. Da sie jedoch die Schriftstellerei und die Arbeit im Ministerium zeitlich nicht vereinbaren konnte, schied sie „aus persönlichen Gründen“ bereits 1952 dort aus und arbeitete fortan als freischaffende Autorin.

Bei Kinderbibliotheks-Eröffnungen trat sie mangels Büchern als Märchenerzählerin auf; Kinder wie Erwachsene waren so begeistert, dass sie immer öfter als Märchenerzählerin zu Veranstaltungen eingeladen wurde, als die sie bis zu ihrem Tod am 14. Juni 1975 bekannt und beliebt blieb.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Edith Holden: Vom Glück, mit der Natur zu leben - Das Tagebuch der Edith Holden. Naturbetrachtungen aus dem Jahre 1906

Buchinfo
"Dieses Buch ist eins der bezauberndsten Bücher, das ich je in der Hand hatte...
Der Text und die ausgesuchten liebenswerten Gedichte führen den Leser und Betrachter ruhig und gelassen beobachtend durch ein ganzes Jahr in der Natur." 

Hannelore (Loki) Schmidt

Flora und Fauna ihrer englischen Heimat im Wandel der Jahreszeiten: Alles, was Edith Holden auf ihren Spaziergängen und Wanderungen beobachten konnte, hat sie sorgfältig niedergeschrieben, ihre Lieblingsgedichte und Sprüche zur Jahreszeit hinzugesetzt, die Monatsnamen erläutert, vor allem aber ihre Eintragungen mit eigenen Aquarellen von Pflanzen und Tieren illustriert: Vögeln, Schmetterlingen, Bienen, Blumen und Kräutern.

Blatt für Blatt zeugt von ihrer Liebe zur Natur und ihrer Begabung, das Erlebte empfindungsreich zu vermitteln.

Leseprobe
April
Der Name dieses Monats ist abgeleitet vom griechischen Wort für "Öffnung". In vielen Ländern Europas gibt es seit langem einen witzigen Brauch, der an den ersten April gebunden und dessen Ursprung nie befriedigend geklärt worden ist: Einen ahnungs- oder arglosen Menschen "in den April zu schicken", ist das allgemeine Anliegen an diesem Tage.
In England nennt man das Opfer eines solchen Spaßes einen "Aprilnarren". In Schottland sagt man, daß der Nasgeführte "den Kuckuck jagt", und in Frankreich heißt er "poisson d'Avril", Aprilfisch. 



dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Aus dem Englischen von Anneke Lüders-Knegtsmans
1. Auflage März 1982
ISBN-10 ‏ : ‎ 342301766X
Originaltitel ‏ : ‎ The Country Diary of an Edwardian Lady