Mittwoch, 22. April 2026

Paula Fox: Was am Ende bleibt

Die US-amerikanische Schriftstellerin Paula Fox (22. April 1923 - 1. März 2017) war lange Zeit vergessen, bis man sie nun als eine Klassikerin der Moderne sieht. 
Wenn man Wikipedia glauben mag, hatte sie ein interessantes, nicht immer leichtes Leben. 

Buchinfo
Paula Fox’ bis heute berühmtester Roman "Was am Ende bleibt", der seinerzeit mit Shirley MacLaine verfilmt wurde, gehört inzwischen zum Kanon der amerikanischen Literatur. Er erzählt von Sophie und Otto Brentwood, einem kinderlosen, recht wohlhabenden Ehepaar, das ein Backsteinhaus in Brooklyn bewohnt. Sophie, die gelegentlich französische Bücher übersetzt und Drehbücher schreibt, lebt vor allem vom Geld ihres als Anwalt sehr gut verdienenden Mannes, fühlt sich in ihrer Ehe aber immer unwohler und leerer.
Ein kleiner Vorfall, der Biss einer streunenden Katze, wächst sich zur lebensbedrohenden Krise aus, Pannen, Missverständnisse und Streitigkeiten enthüllen die Fragilität ihres Ehe- und Gesellschaftslebens. Faszinierend ist, wie Paula Fox privates Unglück und gesellschaftliche Verfallserscheinungen subtil aufeinander bezieht und dabei ganz im Bereich des Menschlich- Abgründigen bleibt.

Buchbeginn
Mr. und Mrs. Otto Bentwood zogen ihre Stühle gleichzeitig hervor. Während Otto sich hinsetzte, betrachtete er das Strohkörbchen, in dem die Baguettescheiben lagen, eine Tonkasserolle, gefüllt mit sautierten Hühnerlebern, geschälte, aufgeschnittene Tomaten auf einem ovalen Porzellanteller mit chinesischem Weidenbaummotiv, den Sophie in einem Antiquitätenladen in Brooklyn Heights aufgestöbert hatte, und den Rsotto Milanese in einer grünen Keramikschüssel. Ein starkes Licht fiel, vom bunten Glas eines Tiffany-Lampenschirms ein wenig gedämpft, auf dieses Mahl. 


C.H.Beck
1. Auflage, 12. März 2013
251 Seiten
ASIN: ‎3406647111
ISBN-13: ‎978-3406647116
Originaltitel: ‎Desperate Characters  

Madame de Staël: Corinna oder Italien

  

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
1. Auflage, 1. März 1985
616 Seiten 
Das Original erschien 1807

Buchinfo
Corinna oder Italien (1807) ist ein Schlüsselwerk der europäischen Romantik, das in Form einer Reiseromanze die Begegnung zweier gegensätzlicher Charaktere nutzt, um über Kunst, Nation und Geschlechterrollen zu reflektieren. Der junge schottische Adlige Lord Oswald Nelvil reist, von Schuldgefühlen und nordischer Schwermut gezeichnet, nach Italien, um Heilung zu suchen. In Rom begegnet er Corinna, einer gefeierten Dichterin, Improvisatorin und Symbolfigur weiblicher Genialität. Ihre erste Begegnung auf dem Kapitol – Corinna wird gerade zur "Königin des Festes" gekrönt – setzt einen Dialog in Gang, der die Handlung trägt: Oswald begleitet sie durch Rom, Neapel, Florenz und Venedig, während Corinna ihm die Schätze antiker Kunst, die Musik Rossinis und die leidenschaftliche italienische Lebensart erschließt.
Die Beziehung bleibt von Konflikten durchzogen. Oswalds Pflichtgefühl gegenüber seinem streng protestantischen Vaterland und Corinnas Wunsch nach künstlerischer Autonomie kollidieren. Als Oswald nach England zurückkehrt und auf Druck seiner Familie die konventionelle Lucile heiratet, zerbricht Corinna an der Entwurzelung – ... (Spoiler entfernt).

Staël entfaltet hier ein Panorama des "Nord‑Süd‑Kontrasts": rationales Pflichtethos versus sinnliche Kreativität. Zugleich verteidigt sie das Recht der Frau auf geistige Größe und Selbstbestimmung. Der Roman prägte die romantische Italien‑Begeisterung, beeinflusste Autoren wie Stendhal und George Sand und bereitete die Idee des Bildungsreisens für Frauen vor. Seine Mischung aus Reisebericht, kulturhistorischem Essay und Liebestragödie macht ihn zu einem frühen interdisziplinären Kunstwerk.

Buchbeginn
Oswald, Lord Nelvil, Peer von Schottland, verließ im Winter der Jahre 1794 bis 1795 Edinburg, um nach Italien zu reisen. Er war von schöner und edler Gestalt, von vielem Geist, besaß einen großen Namen und ein unabhängiges Vermögen; aber tiefes Seelenleiden hatte seine Gesundheit zerrüttet, und die Aerzte, die für seine Brust fürchteten, verordneten ihm die Luft des Südens. Er folgte ihrem Rath, ob er gleich um die Erhaltung seines Lebens wenig besorgt schien; doch hoffte er in der Neuheit und Mannigfaltigkeit der wechselnden Umgebungen sich mindestens etwas zu zerstreuen. 

Dienstag, 21. April 2026

Pat O'Shea: Die Meute der Mórrigan

Aus dem Englischen von Bettine Braun
Verlag Freies Geistesleben

Buchinfo
Beste irische Erzähltradition - Abenteuer trifft Fantasy und verzaubert beim Lesen! Die Welt der irischen Götter ist in Aufruhr - Mórrígan, die Göttin des Krieges und des Schlechten überhaupt, will die Herrschaft über alle Lebewesen übernehmen. Der zehnjährige Pidge und seine kleine Schwester Brigit geraten zwischen die Fronten von Gut und Böse. Ein ungleicher Kampf beginnt... Können sie die mächtige Mórrígan und ihre Meute aufhalten? Pat O’Shea hat eine einzigartige Geschichte über zwei mutige Kinder im Kampf zwischen Gut und Böse in der Welt der irischen Mythologie geschaffen. Ein fantasiereiches Buch voller Spannung, Humor und Tiefe in bester irischer Erzähltradition.

Buchbeginn
Prolog
Sie stiegen auf, hoch in die Lüfte und durchflogen die Himmel. Von Westen und von jenseits des Westens her, mit dem Wind und gegen den Wind, an zahllosen Monden und Sonnen vorbei. Die eine lachte und trug für Augenblicke einen Schleier aus Regentropfen im Haar; dann trat sie boshaft nach einer Wolke, sodass deren Regen ein ganzes Boot füllte.
 

Freies Geistesleben
1. Auflage 2023
575 Seiten
ISBN-10: ‎3772529100
ISBN-13: ‎978-3772529108
Ab 12 Jahren
Originaltitel: ‎The Hounds of the Mórrigan  

Vera Lourié: Briefe an Dich. Erinnerungen an das russische Berlin

Die russisch-deutsche Dichterin Vera Lourié (21. April 1901 - 11. September 1998) war im Petrograder "Haus der Künste" Schülerin des Dichters Nikolaj Gumiljow. Dort gehörte sie einem Kreis junger Dichter an, der sich "Die tönende Muschel" nannte. Nach der Ermordung Gumiljows emigrierte sie im Herbst 1921 mit ihrer Familie aus Petrograd nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tode lebte.
Sie gehörte in den 1920er Jahren zur russischen literarischen Szene Berlins. 

Herausgegeben von Doris Liebermann

Schöffling & Co., 2014
280 Seiten

Buchinfo
"Briefe an Dich" sind die Erinnerungen der letzten Zeitzeugin des "russischen Berlins" der zwanziger Jahre. In einer Mischung aus Tagebuch und Briefen schildert Vera Lourié ihre Kindheit und Jugend in St. Petersburg, wo sie behütet aufwuchs und sich als junge Frau der Schauspiel- und Dichtkunst zuwandte. Sie erzählt von der dramatischen Flucht der Familie nach der Oktoberrevolution ebenso anschaulich wie von den russischen Kreisen in Berlin. Hier verkehrte sie in einer Bohème aus Künstlern und Literaten, erlebte Intrigen und Liebesaffären. Die Zeit des Nationalsozialismus überlebte sie trotz Kontakten zum deutschen Widerstand, der Festnahme durch die Gestapo und der Inhaftierung ihrer Mutter im KZ Theresienstadt. Ihre beherzte Geistesgegenwart kam ihr auch zugute, als die sowjetische Armee einmarschierte, die den bürgerlichen russischen Flüchtlingen feindlich gesonnen war. Sie überstand Not und Hunger der Nachkriegszeit und war dann lange vergessen, bis sie als Literatin und Zeitzeugin wiederentdeckt wurde und sich im hohen Alter noch einmal verliebte. Dies beflügelte sie zur Niederschrift ihrer Memoiren, die hier, um autobiographische Texte, Dokumente und Fotos aus dem Nachlass ergänzt, erstmals vollständig veröffentlicht werden.

Buchbeginn
Liebste,
das Wetter ist kühl, regnerisch, keine Sonne. Die schreckliche Stille in der Wohnung. Du würdest es sicher wunderschön finden! Aber die letzten Tage habe ich sogar Angst, bis zum Bäcker allein zu gehen, und dieser Zwang, zu Hause zu bleiben, geht auf die Nerven. Schluss mit dem Jammern, es wird dich nur ärgern.
Heute will ich weit zurückwandern in das Jahr 1917. 
 

Montag, 20. April 2026

Dorothea Zeemann: Reise mit Ernst

Die österreichische Schriftstellerin Dorothea Zeemann (20. April 1909 - 11. Dezember 1993) begann Anfang der 1930er Jahre, ermutigt durch den engen Freund Egon Friedell, ihre literarische Karriere; doch erst zehn Jahre später wurde ihr erstes Werk veröffentlicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie freiberufliche Publizistin und Kritikerin.

1979 hatte sie dann endlich mit ihren zwei autobiographischen Romanen den literarischen Durchbruch. In ihrem Spätwerk befasst sie sich mit dem Thema der weiblichen Sexualität im Alter.


Deuticke Verlag, 1. Auflage 1991
122 Seiten
ISBN-10: ‎3854631073
ISBN-13: ‎978-3854631071

Buchinfo

Ein Mann und eine Frau reisen nach Rom, in die "ewige Stadt". Unterwegs lernt man einander kennen oder findet bestätigt, was man ohnedies schon voneinander weiß. Es ist die Reise einer Frau, die sich im Klimakterium befindet, mit einem homosexuellen Intellektuellen. Ernst - so heißt der Mann - bedient sich ihrer, sie dient ihm - aber wer da wirklich der Stärkere ist, ist durch den Anschein nicht ausgemacht. Ernst hat soviel Ordnung in seinem Kopf geschaffen, daß kein Chaos mehr in der Lage ist, ihn für länger aus seiner Ordnung hervorzulocken. Die Frau an seiner Seite macht dagegen Erfahrungen, aber wie weit sie damit kommen wird, bleibt ihr selber in dieser ach so geordneten, männlichen Welt ungewiß.

Freitag, 17. April 2026

Tania Blixen: Gespensterpferde - Nachgelassene Erzählungen

Aus dem Dänischen von Ursula Gunsilius
Übertragung der Gedichte von Kristian Pech
Hinstorff Verlag, 1982
ISBN-10: ‎3356002082
ISBN-13: ‎978-3356002089 

Buchinfo
Die alte Sattelkammer bewahrt ihr kostbares Geheimnis; ein "schwarzes Schaf" garantiert einer bürgerlichen Familie von Generation zu Generation Ansehen und Wohlstand; der Scharfrichter erweist der Delinquentin vor der Hinrichtung seine Reverenz; ein Kindermörder wird von seinem eigenen Gewissen in den Tod getrieben; der Kuß einer uralten Lappin macht einem armen Studenten die Märchenwelt des Nordlandes lebendig.
Phantastisches und Mystisches begibt sich in den Erzählungen Tania Blixens. Sie versetzt den Leser in vergangene Zeiten und in fremde Länder.
Eine Meisterin dänischer Kurzprosa mit zehn Geschichten, die über fünfzig Jahre ihres schriftstellerischen Wirkens umreißen.

Buchbeginn
Meine Leser, ich will euch nicht dazu verleiten, etwas zu lesen, was ihr später bereuen könntet. Hier ist eine Geschichte, die kein anderes Verdienst hat als eine ganz ausgezeichnete Moral.
Aber es gab vor hundert Jahren in Amsterdam eine Familie, und es gibt sie vielleicht noch, die, obwohl sie bürgerlich war, in Achtbarkeit und Rechtschaffenheit alle anderen übertraf. Da das viele Jahre so gewesen war und es den Anschein hatte, daß sich ihre große Rechtschaffenheit vom Vater auf den Sohn vererbte, war bald im ganzen Land die Zugehörigkeit zur Familie de Cats gleichbedeutend mit dem Ruf, ein ausgezeichneter Mensch zu sein. Sie hatten die höchsten Ämter inne, sowohl geistliche als auch weltliche, und das entsprach dem Wunsch des ganzen Volkes, denn sie waren nicht nur für ihre Rechtschaffenheit bekannt, sie waren auch tüchtige Leute, sie waren klug und stark und sehr reich. 
 

Donnerstag, 16. April 2026

Aphra Behn: Werke

"Ein wildes Fest der Geschlechter

Oroonoko ist ein westafrikanischer Prinz, der als Sklave in die Kolonien verkauft wird und dort einen Aufstand anzettelt. Die schöne Miranda nutzt ihr blendendes Aussehen, um daraus Profit zu schlagen, und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Der Freibeuter Willmore stellt auf dem Karneval von Neapel Frauen nach und wird von Hellena gebändigt, die ein Leben in – sexueller – Freiheit dem Kloster vorzieht. Der an ,Mondwahn' leidende Doktor Baliardo schließlich erlebt sein blaues Wunder, als ihm vermeintlich Außerirdische einen Besuch abstatten.

Aphra Behn – eine Feministin avant la lettre – ist die erste bekannte freie Schriftstellerin Englands und "Erfinderin" des realistischen Romans, wie wir ihn kennen. Ob in ihrem Prosawerk oder in ihren Erfolgskomödien, ihr Figurenarsenal könnte unterschiedlicher nicht sein. Doch all ihre Heldinnen und Helden eint, dass sie sich keinen Zwängen und Konventionen fügen wollen. Behns Themenspektrum reicht von Gender Trouble bis zur Zivilisationskritik und stets begehrt sie auf gegen die unterdrückte Stellung der Frauen in ihrer Epoche.

Virginia Woolf und Vita Sackville-West machten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Aphra Behn aufmerksam. Ist sie die berühmte Schwester Shakespeares, die Woolf in ihrem Essay "Ein Zimmer für sich allein" imaginiert?
Ja und nein. Sie schrieb einige der erfolgreichsten Komödien der englischen Restaurationszeit, beeinflusste Schriftstellerinnen wie Delarivier Manley, Charlotte Lennox, Eliza Haywood und Mary Astell und kritisierte die Kolonialgeschichte Englands, kaum dass es sie gab. Trotzdem geriet sie fast vollständig in Vergessenheit. Ihre Renaissance in England läuft hochtourig. In Deutschland ist sie bislang lediglich ein Geheimtipp – höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert.

Neben dem autofiktionalen Roman ,Oroonoko' enthält diese Werkauswahl in Neu- und Erstübersetzungen die Erzählungen ,Die schöne Scheinheilige', ,Liebesbriefe an einen Edelmann' und ,Die Abenteuer der schwarzen Lady', die Komödien ,Der Freibeuter' und ,Der Herrscher des Mondes' sowie eine breite Auswahl aus Aphra Behns lyrischem Schaffen."

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Pressestimmen gibt es beim AvivA-Verlag, der vergessene Autorinnen dem Vergessen entreißt und sie ins rechte Licht rückt: https://www.aviva-verlag.de/programm/ich-lehne-es-ab-meine-zunge-im-zaum-zu-halten-fliegen-sollst-du/

AvivA, 2021
620 Seiten
ISBN-10: ‎ 3949302018
ISBN-13: ‎ 978-3949302015