Buchinfo
Mit unbedingter Aufrichtigkeit erzählt hier eine der klügsten Frauen des Jahrhunderts die Geschichte ihrer Jugend bis zur Begegnung mit Jean-Paul Sartre. Dies ist zugleich die Geschichte aus dem Bann der konventionellen Denk- und Lebensformen des Elternhauses und damit ihrer Befreiung zu sich selbst.
Buchbeginn
Ich bin am 9. Januar 1908 um vier Uhr morgens geboren, und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspail zu lag. Auf Familienfotografien, die aus dem folgenden Sommer stammen, sieht man junge Damen in langen Kleidern und straußfedergeschmückten Hüten sowie Herren mit ,Kreissägen' und Panamas auf dem Kopf, die einem Baby zulächeln; das sind meine Eltern, mein Großvater, meine Onkel und Tanten - und ich.
Rowohlt Taschenbuch, 1975
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens
496 Seiten
ISBN-10: 3499110660
ISBN-13: 978-3499110665
Originaltitel: Mémoires d'une jeune fille rangée, 1958
Samstag, 8. August 2026
Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause
Donnerstag, 6. August 2026
Christina Ama Ata Aidoo
Die ghanaische Schriftstellerin und Politikerin Christina Ama Ata Aidoo wurde am 23. März 1942 in Saltpond geboren. Ihr Vater war der Häuptling der Fante aus Abeadzi Kyiakor in der Central Region Ghanas. Zu dieser Zeit war die Region noch englische Kolonie und trug den Namen Goldküste.
Ihr Großvater wurde von Neokolonialisten ermordet, was für den Vater der Grund war, eine Dorfschule zu errichten, damit die Kinder und Familien des Dorfes über die Geschichte und die Ereignisse der Zeit unterrichtet werden.
Sie besuchte die High-School und studierte von 1961 bis 1964 Anglistik. An der Uni spielte sie in einer Theatergruppe und nahm an einem Workshop für Schriftsteller teil. Hier entstand 1964 ihr erstes Stück „The Dilemma of a Ghost“. Bis 1967 lehrte sie selbst an dieser Uni.
Zu Beginn der 1980er Jahre war Aidoo Erziehungsministerin im Kabinett Ghanas unter Präsident Jerry Rawlings. Ihr Ziel war freie Bildung für alle, doch nach 18 Monaten legte sie ihr Amt nieder, da sich ihre Vorstellungen nicht verwirklichen ließen. Sie kritisierte jene gebildeten Afrikaner, die angeben, ihr Land zu lieben, sich aber von den Vorteilen der Industrieländer verführen lassen. Sie persönlich glaubt an eine ausgeprägte afrikanische Identität, die sie aus weiblicher Perspektive betrachtet.
Aidoo unterrichtete auch viel im Ausland: In Großbritannien, Deutschland, Simbabwe und den USA (hier erhielt sie ein Stipendium für kreatives Schreiben an der Stanford University in Kalifornien).
In ihren Werken findet sich die ereignisreiche Geschichte ihres Landes wieder, auch mit Blick auf Politik und Religion.
Für ihren Roman Die Zweitfrau/Changes erhielt sie neben vielen anderen Preisen den Commonwealth Writers Prize für das beste Buch (Afrika). Leider ist dieses Buch auch das einzige, das es ins Deutsche geschafft hat.
Im Jahr 2000 gründete Aidoo die Mbaasem Foundation, um die Arbeit afrikanischer Schriftstellerinnen zu fördern und zu unterstützen.
Mittwoch, 5. August 2026
Kerstin Ehmer: Heldinnen der Meere. Sechzehn Frauen und ihr Leben für die Ozeane
Wahnsinnig spannend die Geschichte von Isabelle Autissier. Vielleicht erinnert sich jemand an ihr Buch "Herz auf Eis"? In der Geschichte konnte sie aus dem Vollen aus ihrem Leben schöpfen.
Buchinfo
Eine Umweltaktivistin, die allein auf einer abgelegenen Insel lebt. Eine Schwimmerin, die als erste Frau den Ärmelkanal durchquert. Eine Freibeuterin, die sich am König rächt. Auch wenn Epochen und Kontinente zwischen Zoe Lucas, Trude Ederle und Jeanne de Clisson liegen, verbindet sie doch eines: das Meer.
Kerstin Ehmer erzählt von klugen und unerschrockenen Frauen der Ozeane aus Wissenschaft, Kunst, Sport, Kultur und Mythologie.
Biografien wie die von Virginia Woolf, Isabelle Autissier Elisabeth Mann Borgese zeigen eindrücklich, dass das Meer schon immer auch Schauplatz weiblicher Heldengeschichten war.
Buchbeginn
Vorwort
Die Frauen der Meere
Wir haben das Meer ins Herz geschlossen. In seinen von großen Himmeln überspannten Weiten, in der Ferne seiner Horizonte suchen und finden wir Entspannung oder Inspiration, Raum für neues Denken. Glücklich verlieren wir uns im Anblick des Meeres, berauschte Protagonistinnen und Protagonisten einer seltsam unbestimmten Offenbarung. Das Meer ist für uns ein Geschenk, sein Wasser wirkmächtig, sein salziger Atem Medizin
Zitat
Im Kapitel über Isabelle Autissier:
Es war also nicht die Gefahr, die sie immer wieder aufs Meer lockte, nicht der Nervenkitzel oder der Ehrgeiz. Auf die oft gestellte Frage, warum sie sich das alles antat, fand sie eine einigermaßen überraschende Antwort. Es sei das Erleben der ungeheuren, grenzenlosen Macht des Meeres gewesen, das sie reizte, und dieser Macht begegnete sie als Seglerin am liebsten allein. An Land könne der Mensch Häuser und Straßen bauen, ein Chaos anrichten, all das sei auf dem Meer möglich. Eine Seglerin erkundet den Wind, die Wellen, die Strömung. Ihre Sicherheit hängt davon ab, wie gut sie es versteht, mit dem Wind zu gehen und mit ihm zu spielen. Sie kämpft nicht gegen, sondern mit dem Meer, denn das Meer ist unbezwingbar.
Im Kapitel über Imap Ukûa:
Im Fjord schob der Sturm die Eisschollen zusammen, schleuderte sie auf die Schären, türmte sie zu weißen, kantigen Gebilden übereinander, ließ sie knacken und knirschen und schließlich wimmern und heulen wie lebendige Wesen. Dann kam Schnee. Er verwandelte die Nacht in ein himmel- und bodenloses Durcheinander aus wirbelndem Weiß, das schließlich auch das Feuer unter sich begrub. Sturm und Nacht hatten sich durchgesetzt.
mareverlag, 2026
Mit Illustrationen von Astrid und Robert Nippoldt
224 Seiten
ISBN-10: 3866487460
ISBN-13: 978-3866487468
Montag, 3. August 2026
Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Frauen beschimpfen Frauen
Frauen schimpfen anders als Männer. Zumindest in der Öffentlichkeit. Das macht Evelyne Polt-Heinzl deutlich, die mit detektivischem Gespür Biographien, Briefwechsel und Rezensionen gesichtet und dabei herzhafte wie subtile Bösartigkeiten von Schriftstellerinnen, Frauenrechtlerinnen, Schauspielerinnen, Schwiegermüttern und anderen Frauen des öffentlichen Lebens zusammengetragen hat.
Wo Männer rauhbeinig, aber dafür unmißverständlich ins Feld ziehen, da gehen Frauen oft zweideutiger vor. Nicht immer entledigen sie sich ihres angestauten Mißmuts mit befreienden verbalen Rundumschlägen. Sie bedienen sich auch gerne scheinbar wohlwollender Sympathiebekundungen, die hinter der freundlichen Tarnkappe alles, nur nichts Gutes vermuten lassen. Ob sie das so herrlich effektiv macht - die weibliche Häme? Grund genug, ihr ein kleines Denkmal zu setzen.
Zitat
Die Herabsetzung von Frauen durch Frauen wird überall gelehrt - in der Schule, in den Jobs, im Journalismus. Frauen werden nicht mit dem Wissen geboren, wie man andere Frauen niedermacht. Es wird ihnen sorgfältig beigebracht. Sie lernen, daß es nur Platz für eine Alibifrau, einen Lehrerliebling, einen weiblichen Kapo gibt, deren Job es sein wird, die Nicht-Existenz von Diskriminierung zu zeigen. Sie hat es trotz schlechter Chancen geschafft. Sie ist da, um zu beweisen, daß es jede schaffen kann. - Erica Jong
Reclam 1997
ASIN: B00HP37FSU
Dienstag, 28. Juli 2026
Andrea Barnet: Am Puls der Zeit. Frauen in New York
New York in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aus ganz Amerika kommen Menschen in die Stadt auf der Flucht vor puritanischer Strenge, rigiden Moralvorstellungen und Prohibition. Und nicht nur sie – auch Kriegsdienstverweigerer, die Europa den Rücken gekehrt haben. Hier träumen sie ihren Traum von einer kulturellen Revolution – in den Jazz- und Nachtclubs und in den unzähligen Flüsterkneipen. Besonders Greenwich Village und Harlem scheint in dieser Aufbruchsstimmung eine einzige Party. Und zum ersten Mal haben Frauen einen großen Anteil daran. Es ist, als lebten sie in einer Zeitenlücke. Im Gefühl, das Leben könne jeden Moment neu beginnen, schreiben sie Gedichte, Theaterstücke und Romane, singen, tanzen, geben Zeitschriften heraus, gründen Verlage und führen Salons.
Am Puls der Zeit: Frauen in New York enthält aufregende, erstaunliche und ermutigende Geschichten von weißen und schwarzen Frauen, die aus dem Gefängnis eines herkömmlichen Frauenlebens ausbrachen. Andrea Barnet zeigt, wie sie die revolutionäre und kreative Atmosphäre im New York der zwanziger Jahre mit erschufen und prägten, wie sie von ihr profitierten und nach dem Ende der Euphorie, in den Härten der dreißiger Jahre, um ihr künstlerisches und oft auch materielles Überleben kämpften. Auch wenn einem die spannenden, außergewöhnlichen Lebensläufe manchmal exzentrisch erscheinen mögen – ein Verdienst ist diesen Frauen sicher: Sie entfachten in den nachfolgenden Generationen die Vorstellungskraft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Buchbeginn
Einleitung
Wild-Weiblich-Wagemutig
"Wer nie in New York gelebt hat, hat nie in der modernen Welt gelebt. - Mina Loy
In dem Hochgefühl und Überschwang der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts erwarb sich die New Yorker Boheme - ähnlich wie die in Paris und Berlin - einen geradezu legendären Ruf. New York war das Neue schlechthin, der Brennpunkt künstlerischer und intellektueller Energien. Ein respektloser, wagemutiger Geist lag in der Luft; Spontaneität und Experimentierfreude, Kreativität und öffentliche Zurschaustellung wurden regelrecht zelebriert.
Montag, 27. Juli 2026
Hilde Domin: Aber die Hoffnung
Buchinfo
Deutschland
von innen und außen:
ein Lebensthema für mich.
Die Sehnsucht
nach Gerechtigkeit
nimmt nicht ab.
Aber die Hoffnung.
Die Sehnsucht
nach Frieden nicht.
Es ist diese gefährdete Hoffnung, es ist diese aufrecht gehaltene Sehnsucht, die das Lebensgefühl der 70er und 80er Jahre für mich und gewiß nicht nur für mich ausmachen, schreibt Hilde Domin zu diesem Buch, das eine Fortführung der autobiographischen Essays von "Von der Natur nicht vorgesehen" ist.
Buchbeginn
Heimat
"Unverlierbares Exil, du trägst es bei dir, Wüste, einsteckbar", habe ich irgendwann geschrieben, als ich schon wieder in Heidelberg ansässig war. Heimat, der Gegenpol zum Exil? Nein, das ist nicht richtig: Das Exil ist der Gegenpol, die Negation. Heimat wäre das Selbstverständliche, wenn sie selbstverständlich wäre.
Piper
3. Auflage, 1. Januar 1987
208 Seiten
ISBN-10: 3492107036
ISBN-13: 978-3492107037
Samstag, 25. Juli 2026
Christine Heidrich: Frauen erneuern Havanna
Zum 500-jährigen Stadtjubiläum von Havanna stellt diese Publikation zwölf kubanische Architektinnen und Ingenieurinnen vor. Frauen in leitenden Positionen in der Architektur sind weltweit in der Minderheit. Anders jedoch in Havanna, dessen Stadterneuerung beispielhaft ist und ihr Können beweist. Das vorliegende Projekt will Frauen im Bauwesen zu mehr Öffentlichkeit verhelfen und sie am Beispiel von Kuba zum Engagement in leitenden Positionen ermutigen. Es werden die Leistungen von Architektinnen und Ingenieurinnen in Havannas Altstadt gewürdigt. Zwölf kubanische Planerinnen und ihre Werke werden in Interviews und Fotografien vorgestellt, ergänzt durch Architekturpläne der Gebäude. Weitere Textbeiträge liefern Informationen zur Rolle der Frau in der kubanischen Architektur seit der Revolution. Neben wenigen kubanischen Zeitschriftenartikeln ist dies die erste Publikation zu Architektinnen in Havanna.
Zitat
Bedauerlich ist allerdings, dass in ehemals sozialistischen Ländern wie der DDR oder Polen, in denen die Gleichstellung ähnlich wie in Kuba gefördert wurde, seit der Wende die Zahl der Architektinnen in verantwortungsvollen Positionen wieder stark zurückgegangen ist.




