Montag, 17. August 2026

Agatha Christie: Meine gute alte Zeit

 Buchinfo
Agatha Mary Clarissa Miller, geschiedene Christie, lebte ein ungemein interessantes, abwechslungsreiches Leben - reich genug an Situationen und Ereignissen, dass sie beschloss, es bis in die faszinierenden Verästelungen ihrer Person und Zeit hinein aufzuzeichnen. Ohne Poirot oder Miss Marple zu vernachlässigen, schrieb sie nahezu zwanzig Jahre daran.
Und so haben ihre Memoiren das, was echte Größe ausmacht: Lebendigkeit, farbige Dichte, Distanz, Beobachtungslust, Humor, den Blick für das wesentliche einer Zeit und ihrer Menschen, Toleranz und unglaublich viel Charme.

Buchbeginn
Eine glückliche Kindheit
Eine glückliche Kindheit zu haben, ist eines der wertvollsten Dinge, die einem im Leben passieren können. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit. Ich hatte ein schönes Zuhause und einen Garten, den ich liebte; eine weise und geduldige Kinderfrau; einen Vater und eine Mutter, die einander vergötterten, eine ausgezeichnete Ehe führten und wunderbare Eltern waren.

Zitate

Wenn man den Blick zurückwendet auf die lange Reise, die unser Leben ist, hat man das Recht, die Erinnerungen, die einem zuwider sind, zu ignorieren? Oder ist das feige?
Man sollte vielleicht, denke ich, einen kurzen Blick zurückwerfen und dann sagen: "Ja, das ist ein Teil meines Lebens, aber ich bin damit fertig. Es ist ein Faden in der Tapisserie meines Daseins. Ich muss mich dazu bekennen, weil es ein Teil meiner selbst ist. Aber es besteht keine Notwendigkeit, länger dabei zu verweilen."

Seltsam verschwommen ist die Erinnerung an meine schriftstellerische Tätigkeit während jener Zeit in meinem Gedächtnis haften geblieben. Soviel ich weiß, betrachtete ich mich auch damals noch nicht als echte Schriftstellerin. Gewiß, ich schrieb - Bücher und Geschichten. Sie wurden veröffentlicht, und ich begann mich an die Tatsache zu gewöhnen, daß ich mit einem ständigen Einkommen rechnen konnte. Nie und nimmer aber wäre es mir in den Sinn gekommen, beim Ausfüllen eines Formulars bei der Sparte "Beruf" etwas anderes hinzuschreiben als das altehrwürdige Wort Hausfrau. Ich war eine verheiratete Frau, das war mein Status, und das war mein Beruf. Nebenbei schrieb ich auch noch Bücher. Meine schriftstellerische Tätigkeit als Beruf aufzufassen, wäre mir lächerlich erschienen.


Scherz, 2. Auflage der Sonderausgabe 1990 zu Agatha Christies 100. Geburtstag
Aus dem Englischen von Hans Erik Hausner
538 Seiten
ISBN-10: ‎3502181209
ISBN-13: ‎978-3502181200 

Buchinfo
Es ist der Sommer des Jahres 1925. Die Schriftstellerin Charlotte Overbeck und ihre Freundin Ellen reisen nach Rockcliff Isle, eine malerische Insel vor der kanadischen Atlantikküste. Charlotte will an ihrem neuen Roman arbeiten, Ellen ihr gemeinsames Sommerhaus einrichten. Bei der Ankunft mit dem Postschiff treffen sie im Hafen auf Crawford Maker, einen Einheimischen in Fischerkleidung, der einen toten Vogel mit mächtigen Schwingen unter dem Arm trägt. Ellen besucht ihn in seiner Werkstatt, wo er den Vogel präpariert. Sie fühlt sich erinnert an ihre kurze Karriere als Künstlerin, die sie für Charlotte aufgegeben hat, um ihre Begleiterin zu werden. Crawford erkennt ihr Talent und lädt sie ein, mit ihm auf eine Expedition in den Kongo zu gehen…

Agnes Krup erzählt die ebenso mitreißende wie zeitlose Geschichte dreier Liebender, die ein Leben gegen jede Konvention führen. Der bewegende Roman ist angelehnt an die Biografien der Schriftstellerin Willa Cather und des Ornithologen Allan Moses.

Buchbeginn
Es war schon acht Uhr, als Crawford Maker den Hafen erreichte. Der Nebel war an diesem Morgen so dicht, dass es keinen Zweck gehabt hätte, früher aufs Wasser zu gehen, und auch jetzt war die Pier fast menschenleer. Die meisten Fischer hatten das Wetter ebenso im Blut wie Crawford, und alle ahnten, dass die Sicht heute kaum mehr besser werden würde. 

Zitat
Charlotte hatte dort gelesen; sie war jeden Tag gründlich die Zeitung durchgegangen, als dürfe sie nicht ein einziges Detail des furchtbaren Krieges verpassen. Ansonsten war sie zu ihren alten Favoriten zurückgekehrt, zu Dickens und Walter Scott und den Franzosen, Maupassant, Hugo, vor allem Flaubert. Die Literatur der Gegenwart interessierte sie weniger denn je; für Joyce oder Hemingway, Woolf oder Nabokov hatte sie kaum ein Achselzucken übrig.


Piper, 2020
368 Seiten
ISBN-10: ‎3492059147
ISBN-13: ‎978-3492059145
 

Sonntag, 16. August 2026

Edith Wharton: Der Prüfstein

Buchinfo
Als er zufällig eine Anzeige im Spectator liest, erkennt Stephen Glennard darin den Weg, ein neues Leben zu beginnen und die Hand der schönen Alexa Trent zu gewinnen. In seinem Besitz befindet sich etwas von höchstem Wert: Briefe, die ihm die große verstorbene Autorin Margaret Aubyn vor Jahren geschrieben hat. Alles, was er tun muß, ist sein schlechtes Gewissen beruhigen und ihre Briefe gegen einen hohen Vorschuß einem Verlag anbieten. Die Publikation von Mrs Aubyns Briefen wird ein großer Erfolg, das Buch ein Bestseller und der Gesprächsstoff der gehobenen New Yorker Gesellschaft, zu der Glennards neu erworbener Reichtum ihm nun Zutritt verschafft. Die Faszination der Leser liegt in der Anonymität des Mannes, den Aubyn so geliebt hat.

Buchbeginn
Im Namen von Professor Joslin, der, wie unsere geneigte Leserschaft wissen wird, mit der Abfassung von Mrs. Aubyns Biographie betraut ist, bitten wir alle Freunde der großen Schriftstellerin, die noch Informationen zu ihrem Leben vor der Zeit in England beisteuern können, um Mithilfe. Mrs. Aubyn hatte so wenige enge Freunde und folglich ist die Korrespondenz so schmal, daß jeder Brief von größtem Interesse wäre. Professor Joslins Adresse lautet Augusta Gardens 10, Kensington, und er bittet uns zu versichern, daß er alle ihm anvertrauten Dokumente umgehend zurückerstatten wird.

Dörlemann, 2004
200 Seiten
ISBN-10: ‎3908777119
ISBN-13: 978-3908777113
Originaltitel: ‎The Touchstone, 1900
 

Samstag, 15. August 2026

Dorothy B. Hughes: Ein einsamer Ort

Buchinfo
Die Wiederentdeckung im Spannungsgenre: Ein Meilenstein in der Geschichte der Kriminalliteratur.

Los Angeles in den späten 1940ern: Der ehemalige Jagdflieger Dix Steele streift durch die Stadt, vorzugsweise nachts. Seit seiner Rückkehr nach L. A. sucht er nach dem Rausch des Fliegens, doch kaum etwas scheint dem nahe zu kommen. Stattdessen stellt er nun Frauen nach, denen er auf seinen Streifzügen begegnet. Als er einen alten Freund wiedertrifft, ist er fasziniert von Brubs schöner, sanfter Ehefrau, die ihn zugleich verunsichert und beflügelt, und von dessen Arbeit als Detective. Unmittelbar kann Dix mitverfolgen, wie Brub die Morde an einer Reihe junger Frauen untersucht. Und es beginnt ein Spiel, bei dem immer unklarer wird, wer eigentlich auf der Jagd nach wem ist.

Buchbeginn
Er genoss es, auf der Klippe zu stehen und hinauszusehen auf den abendlichen Ozean, während Nebelschwaden aufzogen, um wie Schleier aus Gaze sein Gesicht zu berühren. Dieses Gefühl, dem irdischen Getümmel enthoben und ein Teil der entfesselten Elemente zu sein, war dem Fliegen nicht unähnlich. Dieses Gefühl, zugleich eingeschlossen zu sein in diesen unvertrauten, sonderbaren Weltenraum aus Nebel und Wolken und Wind. Nachts war er immer gern geflogen; die Nachtflüge fehlten ihm, seit der Krieg vorbei war. Eine klapprige Privatmaschine zu fliegen war nicht dasselbe. Er hatte es versucht. Als müsste man sein Präzisionswerkzeug wieder gegen ein prähistorisches Steinbeil eintauschen, so hatte es sich angefühlt. Nichts konnte den entfesselten Flug in einem Jagdbomber ersetzen.

Atrium Verlag AG, 2022
Aus dem Englischen von Gregor Runge
Mit einem Nachwort von Megan Abbott
272 Seiten
ISBN-10: ‎3855351260
ISBN-13: ‎978-3855351268 
Originaltitel: In a lonely place, 1947
 

Dorothy B. Hughes 

Donnerstag, 13. August 2026

Anna Elisabet Weirauch: Der Skorpion

Buchinfo
Ein Klassiker der LGBTQ+-Literatur — Jetzt in einer neuen, ungekürzten englischen Übersetzung

Als Anna Elisabet Weirauch 1919 in Berlin den ersten Band von "Der Skorpion" veröffentlichte — neun Jahre vor Radclyffe Halls "The Well of Loneliness" — fand er sofort eine begeisterte Leserschaft. 1926 zensiert, weil man befürchtete, er könnte die Jugend verderben, und auf den nationalsozialistischen Index der gefährlichen Literatur gesetzt, überlebte er dennoch: von Hand zu Hand weitergegeben, übersetzt, neu aufgelegt, gekürzt und von Groschenheft-Verlagen verstümmelt.

Diese Ausgabe enthält:

Eine neue, ungekürzte englische Übersetzung aus dem deutschen Original
Sowohl Buch Eins (1919) als auch Buch Zwei (1921) — den vollständigen Bogen, den Weirauch als eine einzige Geschichte konzipiert hatte
Eine umfassende Einleitung der Herausgeberin
Wissenschaftliche Analysen beider Bände
Historische Anmerkungen zu jedem Kapitel
Eine umfassende Bibliographie zu Anna Elisabet Weirauch

Buchinfo

Mette Rudloff wächst mutterlos in Berlin auf, erzogen von einem wohlmeinenden, aber distanzierten Vater und einer herrschsüchtigen Tante. Als junge Frau treibt sie durch eine beengende gesellschaftliche Welt aus Handarbeitskreisen und langweiligen französischen Lesekreisen, bis eines Tages eine Tür aufgeht und Olga Radó in ihr Leben tritt.

Was folgt, ist eine der großen Liebesgeschichten der Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Olga ist brillant, kultiviert, bestimmend, schwer zu fassen — eine Frau, die ein goldenes Zigarettenetui trägt, in das ein Skorpion eingraviert ist.

Sie wird Mettes Lehrerin, ihr geistiges Erwachen und schließlich ihre große Liebe. Doch ihre Beziehung existiert in einer Gesellschaft, die keinerlei Toleranz dafür aufbringt, und Mettes Familie — angeführt von der unerbittlichen Tante Emilie — mobilisiert jede Waffe, die ihr zur Verfügung steht: Privatdetektive, Psychiater, erzwungene Trennung und den unablässigen Druck der Wohlanständigkeit.

Der Skorpion ist keine Tragödie, und es ist auch keine Geschichte triumphaler Befreiung. Es ist etwas Selteneres und Ehrlicheres: die Geschichte einer Frau, die lernt, mit dem vollen Gewicht dessen zu leben, wer sie ist.

Die LGBTQ+-Bibliothek der Ovid Publishing Group bringt vergessene und übersehene Werke der queeren Literatur durch neue englische Übersetzungen und sorgfältig kommentierte Ausgaben wieder in den Druck. Die Reihe ist auf gemeinfreie Werke vom achtzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert spezialisiert und rettet Stimmen, die zensiert, strafrechtlich verfolgt, anonym veröffentlicht oder schlicht dem Vergessen anheimgefallen waren. 


Ovid Publishing Group, 2026
421 Seiten
ISBN-10: ‎1972807102
ISBN-13: ‎978-1972807101

Mittwoch, 12. August 2026

Georg Hamann: Bertha von Suttner auf Reisen: Postkarten an Haushälterin und Hund

Buchinfo
Unterwegs für den Frieden 

Der Welterfolg ihres Antikriegsromans "Die Waffen nieder!" machte Bertha von Suttner 1889 schlagartig berühmt. Als Galionsfigur der internationalen Friedensbewegung reiste sie von nun an unermüdlich durch Europa und die USA, nahm an pazifistischen Kongressen teil und hielt mitreißende Vorträge, die Tausende Menschen begeisterten. Wo immer sie war, sandte sie Postkarten an ihre treue Haushälterin Kathi Buchinger nach Wien. Diese kurzen, bislang unveröffentlichten Schreiben ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Leben der gefeierten Schriftstellerin auf Reisen. Zusammen mit den Einordnungen des Historikers Georg Hamann ergibt sich anlässlich des 120. Jubiläums der Nobelpreisverleihung ein überraschend neues Bild von Bertha von Suttner, deren Friedensbotschaft wieder besonders aktuell ist.


Leseprobe
Arthurs Gesundheit verschlechterte sich derweil immer weiter. Er klagte über Schmerzen, und die gemeinsamen Freunde erschraken über sein elendes Aussehen. Seine Frau durchlebte nun "alle Phasen des Bangens und Hoffens, des Verzagens und Verzweifelns". Konnte ein weiterer Kuraufenthalt Linderung bringen?

Amalthea Signum
1. Auflage 2025
224 Seiten
ISBN-10: ‎3990502905
ISBN-13: ‎978-3990502907 
 

Dienstag, 11. August 2026

Ruth Jordan: George Sand. Die große Liebende

Buchinfo
George Sand (1804-1876) war eine der schillerndsten Gestalten im Frankreich des 19. Jahrhunderts, berühmt geworden durch ihre zahllosen Liebesaffären, vor allem mit Alfred de Musset und Frédéric Chopin. Und doch tut man ihr unrecht, sie nur als große Liebhaberin zu sehen, denn sie war eine ungewöhnlich geistreiche Frau, deren Interesse an Politik enorm war, und die sich - ungewöhnlich für das Jahrhundert, in dem sie lebte - mit unzähligen Fragen sozialer Natur beschäftigte. George Sand war schon nach ihrer Herkunft eine außergewöhnliche Frau: Väterlicherseits stammte sie von polnischen Aristokraten, mütterlicherseits von einer Putzmacherin ab, und ihr Pseudonym nahm sie von ihrem ersten Liebhaber, Jules Sandeau, an. Die Verfasserin dieser Biographie zeigt in einer brillanten Darstellung nicht nur den ganzen Bogen dieses teilweise skandalösen Lebens, sondern wird auch der hochbegabten Schriftstellerin gerecht, die ein bedeutendes literarisches Werk hinterlassen hat.


Heyne, 1978
Übersetzt von Otto von Czernicki
Reihe: Heyne Biographien
ISBN-10: ‎3453550471
ISBN-13: ‎978-3453550476