Freitag, 15. Mai 2026
Maria Gustaava Jotuni
Ihr Vater war Schmied und Alkoholiker. Obwohl die Familie arm war, ermöglichte sie es den sechs Kindern (Maria war die zweitälteste), höhere Schulen zu besuchen. Maria Jotuni studierte an der Universität von Helsinki Geschichte, vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Während des Studiums lernte sie Autoren kennen wie Strindberg, Ibsen, Hamsun, Altenberg und Tschechov.
Sie war ihrer Zeit immer voraus. Ihr Werk wurde anerkannt und gleichzeitig kritisiert. Sie engagierte sich sozial, schreckte nicht davor zurück, gesellschaftliche Tabu-Themen anzusprechen. Das machte sie in der etablierten finnischen Gesellschaft nicht gerade beliebt. Viljo Tarkiainen jedoch, Professor für finnische Literatur an der Universität Helsinki und ihr späterer Ehemann, war unter vielen anderen einer der großen Verteidiger des dramatischen Werkes von Maria Jotuni.
Maria Gustaava Jotuni starb am 30. September 1943 in Helsinki.
Dienstag, 12. Mai 2026
Clara Schulte: Das Haus am Ring
Die in diesem Roman geschilderte Entwicklung zweier Breslauer Firmen entspricht den geschichtlichen Tatsachen, wie sie in der Firmengeschichte der Bergwerksgesellschaft "Georg von Giesches Erben" und in der des Verlages Korn enthalten sind. Die Ausgestaltung der auftretenden Persönlichkeiten - seien diese dem Namen nach auch historisch - beruht auf freier Erfindung. - C. Sch.
Buchbeginn
Georg von Giesche
1712
Über den Breslauer Ring sank langsam die Dämmerung eines warmen, fast schwülen Septembertages. Nur auf dem Gipfel eines stattlichen Patrizierhauses spielte noch der farbige Abglanz des Sonnenunterganges und ließ die drei kleinscheibigen Dachfenster unter ihrer schöngeschwungenen Mauerumrahmung aufleuchten. Zu gleicher Zeit wurden in den beiden darunterliegenden Stockwerken die Kerzen angezündet. Bald drang aus den geöffneten Fenstern, die schon seit Stunden einen vielstimmigen Festlärm, vermischt mit den Klängen eines Konzerts, hinausströmen ließen, ein mattrötlicher Schimmer, der sich in der rasch einfallenden Dunkelheit vertiefte.
Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1941
Clara Schulte: Genie im Schatten. Das Leben der Charlotte Brontë
Buchinfo
Das Buch schildert Charlottes Leben vor dem Hintergrund des viktorianischen England und konzentriert sich besonders auf ihren inneren Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und ihrem künstlerischen Anspruch.
Buchbeginn
Die Umwelt der ersten neun Jahre
Wie ein Bild von Picasso, in graubraun und violett gestimmt, liegt das Yorkshiredorf Haworth aufgebaut am Berghange. Kahle Steineinfassungen statt lebender Hecken, nüchterne, kubische Häuschen, hungrige Haferfelder, die gleich graugrünen Tupfen über der Landschaft verteilt sind - und darüber der großartig-unheimliche Bogenschwung der Hochmoore.
Wolfgang Jeß Verlag in Dresden, 1936
251 Seiten
Autorin
Zum Reinlesen
Clara Schulte
Die Schriftstellerin Clara Schulte, geborene Clara Ebert, (12. Oktober 1888 - nach 1946) heiratete 1917 den Wirtschaftsjuristen Eduard Schulte, das Paar trennte sich 1946.
Warum man so wenig über sie findet:
- offenbar kein erhaltener literarischer Nachlass,
- keine bekannte Korrespondenz,
- keine größere wissenschaftliche Rezeption,
- vermutlich nach 1945 literarisch schnell vergessen.
Ich habe nur drei Bücher von ihr gefunden, die auch nicht neu aufgelegt wurden:
Genie im Schatten. Das Leben der Charlotte Brontë. Jefs, Dresden 1936.
Das Haus am Ring. Stubenrauch, Berlin 1941.
Der Ritter mit dem Drachen. Ein Nettelbeckroman. Stubenrauch, Berlin 1943.
Diese sind keinem speziellen Genre zuzuordnen, sondern zeigen drei verschiedene Richtungen:
literarische Biografie,
Gesellschaftsroman,
historischer Roman.
Margit Kaffka
Nach dem frühen Tod ihres Vaters konnte sie nur in einer Klosterschule studieren. Als sie 21 Jahre alt war, erschienen erste Gedichte von ihr in der Zeitschrift "Magyar Géniusz".
1902 erhielt sie das Lehrdiplom für bürgerliche Schulen und unterrichtete in Miskolc. Schon während ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Miskolc war sie ständige Mitarbeiterin der literarischen Gruppe Nyugat (deutsch West).
1905 heiratet sie Brunó Fröhlich, einen Forstingenieur. Die Ehe hält nur fünf Jahre, Kaffka geht nach Budapest, wo sie weitere fünf Jahre unterrichtet und Ervin Bauer, einen Arzt-Biologen heiratet, mit dem sie eine glückliche Ehe führt. Ab 1915 war Kaffka nur mehr literarisch tätig.
Die Schriftstellerin und auch ihr Sohn wurden 1918 Opfer der weltweiten Spanischen Grippe.
Die Krise des verarmten Adels und die Lage der zeitgenössischen Frau waren ihre zwei großen literarischen Themen. In ihrem zweiten Roman "Ameisennest" setzte sie sich kritisch mit der Klostererziehung auseinander. Kaffka erhob ihre Stimme gegen unvernünftiges Blutvergießen und Kriegspropaganda. Als Publizistin war sie hoch angesehen.
Margit Kaffka starb am 1. Dezember 1918 in Budapest.
Sonntag, 10. Mai 2026
Buchinfo
Im Sommer 1851 begleitete Charlotte Morrison die Familie ihres Bruders auf einer Dampfschiffsreise von Baden-Baden bis nach Köln. Nach den Unruhen der Revolution von 1848 kommen englische Touristen wie sie wieder in den Genuss der romantischen Landschaften des Rheintals. Erst vor Kurzem ist Charlottes Großonkel verstorben, dessen Haushälterin sie lange war. Mit dem Geld, das er ihr vermacht hat, steht sie vor einem Neuanfang. Allerdings scheint es nahezu unumgänglich, dass sie als ledige Frau zu ihrem Bruder, einem frommen Reverend und seiner Familie zieht. Bereits an Bord des Schaufelraddampfers zeigt sich, dass man in ihr vor allem die Kammerzofe und Gouvernante der siebzehnjährigen Ellie sieht, die Charlotte wie ihr eigenes Kind liebt. Dass ihr selbst einst verwehrt wurde, eine eigene Familie zu gründen, wird Charlotte wieder schlagartig bewusst, als sie in Koblenz einen fremden und doch seltsam vertrauten Mann unter den Mitreisenden entdeckt. Und plötzlich werden schmerzhafte Erinnerungen und unterdrückte Sehnsüchte in ihr wach. Denn wie der Fluss, auf dem die Gesellschaft reist, birgt auch Charlottes Seele verborgene Abgründe.
Ein so zarter wie eindringlicher Roman über Reue und unerfüllte Träume, aber auch über die Hoffnung, entgegen gesellschaftlicher Widerstände selbstbestimmt zu leben.
Buchbeginn
Der Anleger von Koblenz
"Das Gepäck ist einfach auf Deck liegen geblieben", sagte Reverend Charles Morrison. "Ich dachte, du hättest darauf aufgepasst, Charlotte."
Charlotte, seine Schwester, für deren Sommerurlaub er großzügig aufkam (was ihr in diesem Moment überaus bewusst war) sagte: "Aber du hast mich doch nicht darum gebeten."
Büchergilde Gutenberg
1. Auflage 2026
Mit einem Nachwort von Lauren Groff
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
bedrucktes Leinen, farbiges Vorsatzpapier, Lesebändchen,
208 Seiten
Einbandgestaltung von Franziska Neubert
ISBN: 978-3763277186
Samstag, 9. Mai 2026
Ilse Korn
Ilse Korn wurde am 23. April 1907 in Dresden geboren. Der Vater war Steuerberater. In Leipzig erlernte sie den Beruf der Bibliothekarin und arbeitete nach der Ausbildung an der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Dort arbeitete sie bis zu ihrer Verhaftung im Jahr 1943.
Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 war für sie ein so einschneidendes Erlebnis, dass sie beschloss, etwas gegen die Nazis zu unternehmen. Ihr Mann Vilmos Korn - mit ihm zusammen veröffentlichte sie das bekannte Kinderbuch "Mohr und die Raben von London" (Schullektüre) - lebte als kommunistischer Schriftsteller und Journalist illegal. Weil sie ihn nicht als Vater der am 19. Juni 1938 geborenen Tochter angeben konnte, musste sie diese zu Pflegeeltern geben.
Während des anglo-amerikanischen Bombenangriffs auf Dresden konnte sie aus dem Dresdner Frauengefängnis fliehen und sich im Erzgebirge verstecken.
Schon im Juni 1945 wurde sie von der Sowjetischen Militäradministration in der Dresdner Landesbibliothek als Leiterin eingesetzt. Sie war die geistige Urheberin des „Gesetzes über die Demokratisierung des Büchereiwesens“ und folgte dem Ruf ins Ministerium für Volksbildung der DDR. Sie übernahm die Leitung einer Sonderkommission, die damit beauftragt war, im ganzen Land Bibliotheken eigens für Kinder zu gründen. Da sie jedoch die Schriftstellerei und die Arbeit im Ministerium zeitlich nicht vereinbaren konnte, schied sie „aus persönlichen Gründen“ bereits 1952 dort aus und arbeitete fortan als freischaffende Autorin.
Bei Kinderbibliotheks-Eröffnungen trat sie mangels Büchern als Märchenerzählerin auf; Kinder wie Erwachsene waren so begeistert, dass sie immer öfter als Märchenerzählerin zu Veranstaltungen eingeladen wurde, als die sie bis zu ihrem Tod am 14. Juni 1975 bekannt und beliebt blieb.





