Donnerstag, 22. Juli 2021

Danuta Bieńkowska

 Nur eines ihrer vielen Werke (Prosa, Sachbücher, Jugendbücher) wurde ins Deutsche übersetzt: "Wenn du mich liebtest", übersetzt von Christa und Johannes Jankowiak, 1981 im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar in der Reihe Edition Neue Texte erschienen.

Danuta Bieńkowska (31. Januar 1920 - 20. August 1992) war nicht nur eine fleißige Schriftstellerin, sie hat auch viele Werke aus dem Rumänischen übersetzt.

Danuta Bieńkowska machte 1937 in Posen ihr Abitur und studierte an der dortigen Universität Medizin. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kam sie nach Rumänien und konnte in Bukarest ihr Studium fortsetzen. 1943 wurde sie Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei und leitete nach Abschluss des Studiums für einige Zeit ein Krankenhaus im heutigen Moldawien.

Im Juli 1945 - wieder zurück in Polen - war sie in Breslau als Ärztin tätig, engagierte sich politisch und trat verschiedenen Vereinen bei. Von 1949 bis 1951 arbeitete sie als medizinische Beraterin in der Anstalt für Arbeitersiedlungen (Zakład Osiedli Robotniczych) in Warschau.

1948 debütierte Danuta Bieńkowska in der Zeitung Trybuna Dolnośląska mit ihrer Erzählung "Zdrada". Sie trat im selben Jahr dem Verband der Polnischen Literaten bei. Sie konzentrierte sich dann aufgrund einer Erkrankung auf ihr literarisches Schaffen; leitete in der Wochenzeitung Żołnierz Polski den Literaturteil und arbeitete von 1965 bis 1974 als Literaturkritikerin in Głos Pracy.

Ihre Werke wurden anscheinend hauptsächlich in polnischen Monatszeitschriften veröffentlicht.

Donnerstag, 13. Mai 2021

Minna Canth

Minna Canth (19. März 1844 - 12. Mai 1897) wurde als Minna Johannson in Tampere (ehem. Tammerfors) geboren.

Sie war mit einem Seminardirektor verheiratet, der 1879 starb und sie mit sieben Kindern unversorgt zurückließ. Daher übernahm sie den väterlichen Garnladen.

Minna Canth schrieb Theaterstücke, Romane und Novellen; 1920 erschienen ihre Bücher zusammengefasst in vier Bänden. Ihre Dramen sind stark von Henrik Ibsen beeinflusst.

Ihr Geburtstag ist als Tag der Gleichberechtigung ein finnischer Staatsfeiertag.

Dass 1907 in Finnland das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, ist ihr zu verdanken.

 

Samstag, 8. Mai 2021

Vicki Baum

 Vicki Baum wurde am 24. Januar 1888 in Wien geboren. Sie wurde an der Wiener Musikhochschule als Harfenistin ausgebildet und begann 1914 zu schreiben. Ab Mitte der 20er Jahre arbeitete sie als Redakteurin im Berliner Ullstein-Verlag, der viele ihrer Romane als Vorabdruck in der "Berliner Illustrirten" veröffentlichte.

Ihren Durchbruch hatte sie 1929 mit ihrem Roman +Menschen im Hotel , der in Hollywood als "Grand Hotel" von E. Lubitsch verfilmt wurde. Als Vicki Baum in die USA zur Premiere reiste, blieb sie gleich da, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und schrieb viele Bücher in englischer Sprache. In Deutschland wurde sie von den Nationalsozialisten verboten.

Vicki Baum gehört zu den am meisten gelesenen und am meisten übersetzten Unterhaltungsschriftsteller*innen des 20. Jahrhundert.

Sie war zweimal verheiratet - in erster Ehe mit dem Journalisten M. Preis, in zweiter Ehe mit dem Dirigenten R. Lert, mit dem sie zwei Söhne hatte.

Vicki Baum starb am 29. August 1960 in Hollywood.


Bücher

1914: Frühe Schatten. Das Ende einer Kindheit. Roman. Verlag Erich Reiss, Berlin.
1920: Der Eingang zur Bühne
1921: Die Tänze der Ina Raffay. Ein Leben. Ullstein, Berlin.
1922: Die anderen Tage. Novellen. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin.
1922: Bubenreise. Eine heitere Erzählung für junge Menschen. Ullstein, Berlin.
1923: Die Welt ohne Sünde. Der Roman einer Minute. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin.
1924: Ulle, der Zwerg. Roman. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin.
1926: Tanzpause, Novelle. Fleischhauer und Spohn, Stuttgart.
1926: Miniaturen. Weltgeist-Bücher, Berlin.
1927: Hell in Frauensee. Ein heiterer Roman von Liebe und Hunger. Ullstein, Berlin.
1927: Feme. Roman. Ullstein, Berlin.
1928: Stud. chem. Helene Willfüer. Roman. Ullstein, Berlin.
1929: Menschen im Hotel. Ein Kolportageroman mit Hintergründen. Ullstein, Berlin.
1930: Grand Hotel. Translation by Basil Creighton, Bles, London. Theaterfassung.
1930: Zwischenfall in Lohwinkel. Ullstein, Berlin. Wiederveröffentlichung bei Kiepenheuer u. Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-00136-5.
1931: Pariser Platz 13. Komödie in 3 Akten 4 Bildern. Marton, Wien u. Berlin.
1932: Leben ohne Geheimnis. Ullstein, Berlin.
1935: Das große Einmaleins / Rendezvous in Paris. Querido, Amsterdam.
1936: Die Karriere der Doris Hart. Roman. Querido, Amsterdam.
1937: Liebe und Tod auf Bali. Roman. Querido, Amsterdam. Neuausgabe Köln 2002, ISBN 3-462-03122-8. (Entgegen dem Titel handelt es sich nicht um die Liebesgeschichte, sondern eine romanhafte Schilderung des von Ritualen bestimmten Lebens eines balinesischen Dorfs und seine Vernichtung durch holländische Kolonisatoren am Anfang des letzten Jahrhunderts).
1937: Der große Ausverkauf. Roman. Querido, Amsterdam. 
1939: Hotel Shanghai
1939: Die große Pause. Roman. Kiepenheuer u. Witsch, Köln.
1940: Es begann an Bord. Roman einer Tropennacht. Heyne, München.
1941: Marion Alive / Marion lebt. Roman. Bermann-Fischer, Stockholm. (1954 neu herausgegeben als Marion)
1943: The Weeping Wood
    deutsche Ausgaben Kautschuk. Roman in 15 Erzählungen Bermann-Fischer, Stockholm 1945. Cahuchu: Strom d. Tränen Kiepenheuer & Witsch, Köln 1952
1943: Hier stand ein Hotel. Querido, Amsterdam 1947
1944: Schicksalsflug. Querido, Amsterdam 1947
1946: Verpfändetes Leben. Bertelsmann, Gütersloh 1958
1949: Clarinda. Querido, Amsterdam.
1951: Vor Rehen wird gewarnt. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 1953
1953: Kristall im Lehm. Roman. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 1953
1956: Flut und Flamme. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 1956
1957: Die goldenen Schuhe. Roman einer Primaballerina. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 1958
1962: Es war alles ganz anders. Erinnerungen
2013: In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood
2018: Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons
2021: Der Weihnachtskarpfen: Erzählungen. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 2021

 

 

 

 

 

 


Freitag, 30. April 2021

Simin Daneschwar

Ich kenne bisher leider keine iranischen Schreibenden, von daher möchte ich zumindest eine Autorin vorstellen, die am 28. April 1921 geboren wurde: Simin Daneschwar kam in Schiras, der Hauptstadt der zentralen Südprovinz Fars, die zu den fünf größten Städten des Iran gehört, zur Welt. In Teheran, wo sie in einem amerikanischen Internat lebte, studierte sie nach dem Abitur Literatur. Sie stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus (der Vater war Arzt); trotzdem arbeitete sie während des Studiums. Sie war für Radio Teheran tätig und für die Zeitung Iran, bei der sie Anfang der 1940er Jahre unter dem Pseudonym Schiraziye Binam Kurzgeschichten veröffentlichte. 1948 war für Simin Daneschwar ein ereignisreiches Jahr: Mit Das erloschene Feuer war sie die erste iranische Frau, die einen Erzählband veröffentlichte. Die 16 Kurzgeschichten, die der Band vereint, erschienen zuvor in der Tageszeitung Keyhān, der Frauenzeitschrift Bānu und dem Magazin Omid. Zudem promovierte sie im Fach Literatur und lernte den Schriftsteller und Essayisten Dschalāl Āl-e Ahmad kennen, den sie 1950 heiratete, obwohl dessen Vater dagegen war, da sie keine islamische Kopfbedeckung trug.

Simin Daneschwar blieb auch nach der Heirat literarisch aktiv: An der Universität Stanford (USA) studierte sie zu Beginn der 1950er-Jahre mit einem Fulbright-Stipendium, welches eines der prestigeträchtigsten Stipendienprogramme der Welt ist. Von 1961 war sie bis zu ihrer Emeritierung 1981 als außerordentliche Professorin an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Teheran tätig. Allerdings verweigerte man ihr dort wegen ihrer kritischen Einstellung einen regulären Lehrstuhl. Als erste Frau wurde sie 1968 zur Vorsitzenden des neu gegründeten Schriftstellerverbandes Irans gewählt. Ein Jahr später veröffentlichte sie mit Drama der Trauer ihr Meisterwerk und erlangte damit Anerkennung als unverzichtbare Schriftstellerin der modernen persischen Literatur. Es war auch der erste Roman, der von einer iranischen Frau aus der Perspektive einer Frau geschrieben wurde. 16 Auflagen gab es.

1969, einige Monate vor Veröffentlichung ihres Romans, schied ihr Mann aus unbekanntem Grund aus dem Leben; sie beteiligte sich aber weiter an den Aktivitäten, die ihm wichtig waren: Er war zum Beispiel an der Gründung der Writers Association beteiligt, in der sie nun eine führende Rolle übernahm und junge Schriftstellerinnen* bei ihren Bemühungen unterstützte. Moralisch half sie Intellektuellen und Dissidenten, die sich gegen das Pahlavi-Regime aussprachen, unterstützte ihre Studierenden akademisch und finanziell.

Mitte der 1970er Jahre blieb es relativ ruhig um sie: Sie blieb außerordentliche Professorin und wurde Vorsitzende der Abteilung für Kunstgeschichte und Archäologie. Neben der Arbeit an der Uni schrieb sie weiterhin Kurzgeschichten, die in Magazinen erschienen und 1980 als Wen sollte ich grüßen als Buch veröffentlicht. Sie hält mit ihnen an ihren bekannten Qualitätsstandards fest. In dieser letzten Sammlung erweitert Daneshvar ihre früheren Überzeugungen. Die Vielfalt ihrer Charaktere und ihre Themenauswahl spiegeln ihr gründliches Verständnis der facettenreichen iranischen Gesellschaft wider. Sie fängt die Mentalität, die Ideale, Bestrebungen, Lebensstile, Redeweise und populäre Äußerungen der verschiedenen sozialen Schichten des Iran ein. Ihre abgerundeten Charaktere sind repräsentativ für ihre Zeit und ihren Ort und bieten eine farbenfrohe Sicht auf das iranische Verhalten.

 

Jalal Ale Ahmad

In ihren Kurzgeschichten finden sich die Themen ihrer Gesellschaft wider: Kinderdiebstahl, Ehebruch, Ehe, Geburt, Krankheit, Tod, Verrat, Profit, Analphabetismus, Ignoranz, Armut und Einsamkeit. Es sind die sozialen Probleme der 1960er- und 1970er-Jahre in ihrem Land. Woher nimmt sie ihre Inspiration?: Einfache Menschen haben viel zu bieten. Sie müssen in der Lage sein, frei und mit Verstand zu geben. Auch wir müssen ihnen im Gegenzug das Beste geben, was wir können. Wir müssen mit all unseren Fähigkeiten und dem Herz versuchen, ihnen zu helfen, das zu erlangen, was sie wirklich verdienen.

1979 zog sich Simin Daneschwar zurück; 1981 vollendete sie die Monografie "Der Verlust von Jalal" über ihren Mann - ihr bewegendstes Stück und die beste Arbeit über einen der iranischen Literaturführer. Bis zu ihrem Tod am 8. März 2012 lebte sie als freie Schriftstellerin allein in Teheran.

Nur zwei ihrer Werke gibt es als deutsche Ausgabe: "Drama der Trauer" und "Frag doch die Zugvögel".