Die öffentliche literarische Wahrnehmung der britischen Schriftstellerin Emma Smith,
die am 21. August 1923 in Newquay, Cornwall, als Elspeth Hallsmith
geboren wurde, war ein Auf und Ab. Doch erst etwas über ihr Leben:
Ihre Eltern führten eine unglückliche Ehe; die Mutter und Elspeth
Hallsmith und ihre Geschwister hatten unter der Gewalttätigkeit und
Missachtung des tyrannischen Vaters zu leiden. Elspeth teilte das
künstlerische Interesse des Vaters, von daher kam sie noch einigermaßen
gut davon. Es schien kein Alkohol gewesen zu sein, das erklärt ja immer
so einiges. Nein, der Vater litt darunter, dass er nach dem Ersten
Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft nicht als Künstler tätig sein konnte.
Entsprechende Bewerbungen für Ausstellungen wurden abgelehnt. Und so
musste er sein Leben als Bankangestellter fristen. Zugang zu Bildung
erhielten Elspeth und ihre Schwester erst, als Elspeth zwölf Jahre jung
war. "Wunderbar" wurde es dann, als der Vater nach einem
Nervenzusammenbruch die Familie verließ.
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie erst als Sekretärin im
britischen War Office, dann ab 1943 bis zum Ende des Krieges als
Kanalschifferin. Sie führte da zwar einerseits ein eingeschränktes
Leben, doch andererseits gab ihr die Tätigkeit eine Freiheit der
Lebensführung, wie sie eine damalige Frau sonst kaum hatte.
Nach dem Krieg arbeitete sie beim Film, traf den Dichter, Romancier und
Drehbuchautor Laurie Lee, auf dessen Idee sie den Künstlernamen Emma Smith
annahm und wurde Regieassistentin seines Filmteams, das sie 1946 für
neun Monate nach Indien begleitete. Dann ging sie nach Paris und
versuchte sich als Schriftstellerin.
Es war immer ihr Traum, einmal Schriftstellerin zu werden. Sie pflegte
ihn, indem sie fleißig Tagebuch schrieb. Als Kanalschifferin und auf der
Reise nach Indien hatte sie sicherlich viel Erzählenswertes erlebt. Als
sie in Paris lebte, veröffentlichte sie dann Kurzgeschichten, doch sie
konnte davon nicht leben. Erst ihr Debüt-Roman Maidens' Trip, in
dem sie die Erlebnisse als Kanalschifferin verarbeitet, brachte den
ersehnten Erfolg. Es wurde ausgezeichnet, zum Bestseller, und finanziell
so erfolgreich, dass sie ihren Traum weiterleben konnte. Auch ihr
zweiter Roman, The Far Cry (beschäftigt sich mit ihrer Indienfahrt) wurde ein Erfolg und als Der Ruf der Ferne sogar ins Deutsche übersetzt.
Dann wurde es ruhig um Emma Smith.
1951 heiratete sie, war nur Ehefrau und Mutter, die ihre Kinder nach
dem frühen Tod des Mannes 1957 alleine großzog (wie es halt vielen Schriftstellerinnen ergeht). Sie ging mit den Kindern
nach Radnorshire in Wales, zog 1980 in den Londoner Stadtteil Putney,
wo sie bis zu ihrem Tode am 24. April 2018 lebte.
Sieben Jahre stand ihre Schreibmaschine unbenutzt rum. Sie begann nach
dem Tod ihres Mannes wieder zu schreiben, erfolgreiche Kinderbücher,
1978 noch mal einen Roman - jedoch wurde sie von der literarischen
Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen.
Doch dann fand die britische Schriftstellerin Susan Hill auf einem Flohmarkt The Far Cry
und schrieb eine begeisterte Rezension, was dazu führte, dass es 50
Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe noch einmal veröffentlicht wurde.
Und es führte dazu, dass sich Emma Smith noch einmal an die Schreibmaschine setzte und ihre Memoirenwerke The Great Western Beach (2008, über die Kindheit in Newquay) und As Green as Grass (2013, über die Jugend bis zur Hochzeit), schrieb. Diese wurden in England als Entdeckung gefeiert, und Emma Smith gelangte noch einmal zu literarischem Ruhm. Vielleicht schaffen es ihre Kinderbücher ja auch, noch einmal entdeckt zu werden.
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