Samstag, 31. Oktober 2026

Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord

Elin kehrt nach dem Tod ihrer Mutter in ihr Elternhaus nach Nordnorwegen zurück. Sie möchte das Haus ausräumen und verkaufen. Dabei stößt sie auf alte Aufzeichnungen und Erinnerungsstücke, die sie dazu bringen, sich noch einmal mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Als Elin zehn Jahre alt war, kam es in ihrem Heimatort zu einem Erdrutsch. Dabei verlor sie ihre beiden Brüder und ihren Vater. Zumindest glaubte sie das bisher, denn die Leiche ihres Vaters wurde nie gefunden. Bei der Suche nach Antworten entdeckt sie, dass ihre Eltern offenbar Pläne für ein ganz anderes Leben hatten. Ihre Spurensuche führt sie schließlich bis nach Frankreich.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, wobei sich die Autorin viel Zeit lässt, die Vergangenheit Stück für Stück zu enthüllen. Ich war überrascht, als die Handlung plötzlich von 1985 ins Jahr 2008 sprang. Ich habe schon viele Bücher gelesen, die auf zwei Zeitebenen spielen. Allerdings waren die Wechsel dort meist gleichmäßiger.

Besonders gut gefallen hat mir die Beziehung zwischen Elin und Ola. Sie ist nicht himmelhochjauchzend, sondern zeigt zwei Menschen, die noch am Ausprobieren sind. Beide sind durch ihre gemeinsame Vergangenheit verbunden, müssen aber erst herausfinden, wie es für sie weitergehen soll.

Dazu passt ein Zitat, das mir besonders gut gefallen hat:

„So viel von dem, was uns miteinander verband, war alt. Alte Erinnerungen. Alte Trauer. Wir mussten weiterkommen. Ich wusste nicht, wie.“

Auch Leif, der Onkel von Ola und ein Freund von Elins Vater, kommt in der Geschichte vor. An seinem Schicksal wird deutlich, wie schwierig es früher für Menschen war, die nicht den gesellschaftlichen Vorstellungen entsprachen. Ein interessanter Seitenblick auf die damalige Gesellschaft.

Was mir besonders gefallen hat: Obwohl sich die Geschichte langsam ihrem Ende nähert und noch einige Fragen offen sind, hat man nicht das Gefühl, dass die Autorin nun schnell zum Schluss kommen möchte. Sie lässt Elin Zeit, ihren Spuren nachzugehen, und gibt auch ihren Erinnerungen genügend Raum.

Allerdings muss ich sagen, dass mich das Ende nicht ganz überzeugt hat. Die Auflösung des Familiengeheimnisses kommt mit einigen überraschenden Wendungen daher, aber manches hätte für meinen Geschmack etwas mehr Raum verdient. Gerade die letzten Seiten wirken auf mich doch recht gedrängt. Schade, denn Kristin Valla weiß durchaus zu erzählen.

Auch die Figuren neben den Hauptfiguren sind mir im umfangreicheren ersten Teil teilweise etwas blass geblieben.

Insgesamt ein angenehm zu lesender, atmosphärischer Familienroman, der mich über weite Strecken gut unterhalten hat. Auch wenn mich das Ende nicht ganz überzeugen konnte, habe ich die Suche nach den Geheimnissen dieser Familie gerne begleitet.

Buchinfo
Mit Anfang 30 kehrt Elin, die als Journalistin in Oslo arbeitet, in ihr nordnorwegisches Heimatdorf zurück, um nach dem Tod der Mutter ihr Elternhaus aufzulösen. Ihre Kindheit endete jäh, als sie mit zehn Jahren die beiden älteren Brüder und den Vater durch einen Erdrutsch verlor, der ein Stück der Küste ins Meer riss. Während ihres Aufenthaltes trifft Elin ihre Jugendliebe Ola wieder, den besten Freund ihres ältesten Bruders, der sie nach dem Unglück damals auffing und mit dem sie doch nie richtig zusammenfand. Und dann entdeckt sie beim Aufräumen Hinweise auf ein großes Geheimnis ihrer Eltern, das ein ungeahntes Licht auf das Verschwinden ihres Vaters wirft und Elin auf eine Spurensuche bis in ein französisches Dorf führt. Endlich eröffnet sich für Elin die Chance, sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen und ihren eigenen Weg zu gehen.

mareverlag, 2022
Auflage ‏ : ‎ 1.
320 Seiten
ISBN-10: ‎3036961720
ISBN-13: ‎978-3866486492
Originaltitel: ‎Ut av det blå, 2019
 

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