Samstag, 3. Oktober 2026

Ulla Berkéwicz: Adam

Buchinfo
Seit es Menschen gibt, gibt es den Mythos von der einen, einzigen, großen Liebe, von dem Zustand, in dem alles, Freude und Schmerz, aufgehoben ist in einer Harmonie, die ertragen kann, was immer ihr widerfährt. Aber seit es Menschen gibt, gibt es auch den Zweifel an jenem Mythos, den Unglauben, die Skepsis, der große Traum könnte eines Tages wahr werden. Dennoch: er ist virulent. Und beseelt von ihm ist die junge Protagonistin dieses Buchs, Schauspielerin in Hamburg, eine, die auf der Bühne spielt, was ihr durch den Kopf geht, und auf den Straßen erkennt, daß das Leben meistens anders ist: kein Theater jedenfalls. Aber wo immer sie sich aufhält, wartet sie auf das eine, den Einen, auf das, was ihr fehlt. Unablässig denkt sie: Es gibt doch auch die zwei, die sich so lieben, daß sie von Anfang bis Ende auf des anderen Seite gehen. Und sieht alles, was ihr begegnet, im Lichte dieser Vision, die sie zur Fremden macht für die anderen - und doch auch zur Vertrauten, weil es niemanden gibt, dem ihre Vision fremd ist.


Leseprobe

Die Perücke muß neu geklebt werden, die Pause ist zur Erholung da, ich hätte gern in Ruhe kalten Tee getrunken. Aber wer am Theater ist, hört auf die Töne, die von oben kommen.
Die Mädchen von Maske und Garderobe stehn im Gang, der Ton von oben hat sie aufgeschreckt. Aber, wer am Theater ist, hat Lust am Schreck. Die Lust wird sich in die Gesichter der jungen Mädchen graben, und wenn sie am Theater alt werden, werden schreckliche Lustfalten querstehn.


Die Verlegerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Ulla Berkéwicz (Ursula Unseld-Berkéwicz; geb. 5. November 1948) war von 2003 bis 2015 Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags.

Unter dem Kapitel "Auf  klassischen Spuren: Ulla Berkéwicz" ist sie im Buch "Buchfrauen", herausgebracht von Edda Ziegler im Wallstein-Verlag, vertreten



Suhrkamp Verlag
1. Auflage 31. August 1989
180 Seiten
ISBN-10: ‎3518381644
ISBN-13: ‎978-3518381649 


 

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