Ana Lucía del Carmen Abalos Guerrero wurde am 26. Juli 1918 in Santiago de Chile geboren. Der Vater starb 1931 an Tuberkulose; die Familie musste all ihre Besitztümer verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt nahm sie sich vor, Schriftstellerin zu werden und schrieb am selben Nachmittag ihr erstes Gedicht - auf französisch - gewidmet ihrer Mutter. Bis zu ihrem Tod hörte sie nicht mehr auf zu schreiben.
Sie studierte Theater an der Margarita Xirgu Academy und an der Le Caveau Company unter der Leitung von Etienne Frois. Auf ihren unzähligen Reisen und Auslandsaufenthalten lernte sie Sprachen wie Englisch, Portugiesisch, Deutsch, Italienisch und Latein. Sie lebte zeitweise in Brasilien und den USA und unternahm unzählige Reisen nach Lateinamerika, Europa und in den Osten.
Zwei Jahre war sie in Brasilien, wo sie sich mit Gabriela Mistral und mit verschiedenen lokalen Schriftstellern anfreundete.
In Chile nahm Carmen Abalos aktiv an Schriftstellerverbänden sowie an internationalen Kongressen und Konferenzen teil. Sie gründete mehrere literarische Gruppen, war stellvertretende Direktorin der Poesiezeitschrift Orfeo, PR-Beamtin der Society of Writers of Chile und Delegierte des Moskauer Frauenkongresses im Jahr 1963.
Ihr literarisches Werk besteht aus dreizehn Gedichtbänden und Kurzgeschichten sowie Essays und Anthologien. Vom Bildungsministerium wurden vier ihrer Bücher zu Hilfsstudientexten erklärt.
Im November 2002 starb Carmen Abalos, nachdem sie gegen verschiedene Krebsarten gekämpft hat. Sie hinterließ ihren Mann Ricardo Dachena Campoli und die Tochter Carmen del Pilar, vier Enkel und zwölf Urenkel.
Quelle: https://www.carmenabalos.com/biografia
Außer einem kurzen Text aus "Erkundungen. 24 chilenische Erzähler", erschienen 1974 im Verlag Volk und Welt Berlin, habe ich keine deutschsprachigen Texte von ihr gefunden:
Leseprobe
Der General
Vor einer Weile hatten sie den weitläufigen Platz erreicht.
Durch die Palmen, die den Weg zum Hauptfriedhof der Stadt säumten, schien ein irgendwie rätselvoller Windhauch zu streichen.
Man gewahrte einen großen Menschenauflauf und Musikkapellen verschiedener Regimenter und Feuerwehrmänner in ihren so unsinnig herausgeputzten Monturen und zwei Ambulanzen vom Rettungsdienst.
Es war ein überwältigendes Begräbnis.
Manch einer dachte im stillen, daß es doch etwas Schönes sei, zu sterben und den lärmenden Abschiedsgruß der Bürgerschaft in so beifälliger Form entgegenzunehmen. Auf einer von Rappen in schwarzem Geschirr gezogenen schwarzen Karosse kam der Sarg daher.
Die Bediensteten vom Bestattungsinstitut waren emsig bemüht um die illustre sterbliche Hülle.
Der Tote in seinem Sarg regte sich vergebens...
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