Donnerstag, 23. Juli 2026

Irina Liebmann: Berliner Mietshaus

Irina Liebmann (geb. 23. Juli 1943) schrieb seit 1975 als freie Schriftstellerin zuerst Reportagen für die Ost-Berliner Wochenpost. 1988 siedelte sie mit der Familie nach West-Berlin über.
Die drei Romane "In Berlin" (1994), "Die freien Frauen" (2004) und "Die große Hamburger Straße" (2020) bilden eine über Jahre gewachsene Trilogie mit gleichem Spielort und gleichen Personen. Die alte Mitte von Berlin erscheint hier in der jeweils veränderten Zeit, aber auch als Ort der Historie und als Lebensort der Autorin und ihrer Freunde.


Buchinfo
"Ich hatte schon immer den Wunsch, in einem Haus an jeder Tür zu klingeln. Wie ein Chronist aufzuschreiben: Wer öffnet, was sagt er dabei, läßt er mich eintreten? Was wird ihm so wichtig sein, daß er es einem Fremden erzählt? Woran wird er sich erinnern, und woran werde ich mich erinnern, wenn ich darüber schreibe?"
Irina Liebmann hat an 29 Türen geklingelt. Sie saß in Wohnküche und guter Stube, in der Markisenwerkstatt, im Hinterzimmer des Ladens. Sie sprach mit dem Maurer Manfred, der nicht der Dumme sein will, mit Sibylle, die den Vater ihrer Kinder nicht heiratet, mit Liselotte F., deren seltsamer Zahlenglaube nur belegt: sie hatte von Anfang an kein Glück.
"Ich war überrascht, wie freundlich ich überall aufgenommen wurde, wie freimütig die meisten von sich erzählten, manche so, als ob sie schon lange darauf gewartet hätten, daß endlich einer kommt und sie fragt."

Leseprobe
Da sitzt Manfred M. auf dem Sofa, vor sich auf dem Tisch eine Flasche Cola, daneben eine Flasche Kognak, der Fernsehapparat läuft - Fußball.
An den ersten Tag in dieser Wohnung kann er sich genau erinnern, es war Ende Juli des Jahres 1959, ein schöner Tag, Sonnenschein, die Wohnung leer. Und zuerst haben wir die Schule gesehen, sagt Frau M. dazwischen, da haben wir uns gefreut.
Eingezogen sind sie im August, mit der Firma WIEDEMANN, an einem Sonnabend, damals noch ein Arbeitstag, ein Kollege hat Frau M. beim Umzug geholfen, weil Manfred M. wieder mal etwas zu tun hatte, Brigadeabrechnung oder so.

Mitteldeutscher Verlag, 1982

 

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